{"id":9955,"date":"2021-02-07T19:49:42","date_gmt":"2021-02-07T19:49:42","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9955"},"modified":"2022-10-03T12:45:42","modified_gmt":"2022-10-03T10:45:42","slug":"matthaeus-28-16-20-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-28-16-20-6\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 28, 16-20"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p>Es ist etwas ungew\u00f6hnlich, denselben Text zwei Mal in einem Gottesdienst zu h\u00f6ren &#8211; aber hier am Sonntag Trinitatis sind die allerletzten Worte aus dem Matth\u00e4usevangelium sowohl Predigttext als auch ein Teil der Taufliturgie, die wir vorhin geh\u00f6rt haben.<\/p>\n<p>Man nennt den Text gerne den Taufbefehl oder den Missionsbefehl, und das ist verst\u00e4ndlich, aber aus mehreren Gr\u00fcnden dennoch problematisch. Nicht zuletzt wie sich die Dinge entwickelt haben, so da\u00df ethnische und religi\u00f6se Trennlinien sich deutlicher als fr\u00fcher \u00fcber die ganze Erde ziehen.<\/p>\n<p>In meiner Kindheit war die Welt einfacher: Da gab es Christen und Heiden, und Heiden sollten zum Christentum bekehrt werden. So einfach war es nat\u00fcrlich nicht in der Welt, sondern nur in meiner Vorstellung.<\/p>\n<p>Und wenn wir in das Jahr 1900 zur\u00fcckgehen &#8211; dann gebrauchte man Worte, die wir heute nicht f\u00fcr m\u00f6glich halten w\u00fcrden:<\/p>\n<p>Missionare wurden als Streiter Christi gesehen, die den Marschbefehl erhalten hatten, einen heiligen Krieg gegen die Ungl\u00e4ubigen und die geistige Finsternis zu f\u00fchren. Man sprach von Truppen und Versorgung wie bei einem Feldzug &#8211; und die Mission wurde in der Kolonialzeit denn auch zuweilen mit der politischen und wirtschaftlichen und milit\u00e4rischen \u00dcberlegenheit bzw. Unterdr\u00fcckung verkn\u00fcpft.<\/p>\n<p>Das ist nun Geschichte, und man hat eine solche Auffassung von Mission verlassen.<\/p>\n<p>Die religi\u00f6se Landschaft hat sich ver\u00e4ndert. Man kann nicht mehr von der christlichen Welt sprechen und Westeuropa meinen. Es gibt mehr Christen in Afrika als in Europa. Wir k\u00f6nnen auch nicht mehr von der muslimischen Welt sprechen und nur an die arabi\u00adschen L\u00e4nder und den Nahen Osten denken. Es gibt viele Millionen Muslime in den USA.<\/p>\n<p>Dennoch lebt noch immer eine westliche Auffassung, da\u00df sowohl das Christentum als auch die westliche Kultur anderen Kulturen und Religion \u00fcberlegen sei. Wie k\u00f6nnen wir uns von dieser Auffassung befreien?<\/p>\n<p>Ein solches \u00dcberlegenheitsgef\u00fchl ist ein Relikt aus der Kolonialzeit &#8211; und es ist mehr als bedenklich, da\u00df es oft in der Diskussion zwischen Christentum und Islam zum Vorschein kommt.<\/p>\n<p>Ich meine nicht, da\u00df man noch die Vorstellung von Mission als einer Einwegkommunikation aufrecht erhalten kann, sondern das Menschliche und das Christliche mu\u00df in jeder Kultur und jedem Dialog zwischen Religionen in gegenseitigem Respekt und Verstehen sich vollziehen.<\/p>\n<p>Wenn das gesagt ist &#8211; wenden wir uns wieder dem Text zu, in dem die Hauptbotschaft in der Tat die ist, da\u00df wir J\u00fcnger Jesu sein sollen, und das ist auch im Verst\u00e4ndnis des Matth\u00e4us etwas anderes als Mitglieder in einer bestimmten Kirchengemeinschaft. J\u00fcnger gibt es nicht mehr richtig in unserer Sprache. Waren die letzten J\u00fcnger nicht an der Apotheke? Wo ein J\u00fcnger einem Lehrling entsprach, einem, der in die Lehre ging. Wir k\u00f6nnen auch davon sprechen, da\u00df einige J\u00fcnger von diesem und jenem Professor oder Lehrer sind, und dann meinen wir, da\u00df J\u00fcnger die sind, die mit den Gedanken und Werken des Lehrers weiterarbeiten. Nicht nur als eine Wiederholung, sondern als etwas, was in neue Situationen und neue Zusammenh\u00e4nge umgesetzt werden mu\u00df.<\/p>\n<p>Wenn wir mehr in diese Richtung denken k\u00f6nnten, k\u00f6nnte der Text hier mit guten Grund auch der J\u00fcngerbefehl hei\u00dfen. Dann k\u00f6nnten wir auch weiter kommen in unserem Verst\u00e4ndnis dessen, was das Anliegen des Christentums ist und was es hei\u00dft, ein J\u00fcnger zu sein:<\/p>\n<p>J\u00fcnger sein handelt nicht davon, da\u00df wir unreflektiert eine Lehre kopieren und \u00fcbernehmen k\u00f6nnen, gar nicht zu reden davon, da\u00df sie anderen unabh\u00e4ngig von Zeit und Raum aufgedrungen werden kann.<\/p>\n<p>J\u00fcnger sein hei\u00dft auf Wanderschaft sein, auf dem Wege in das Leben zusammen mit anderen J\u00fcngern, die auch noch immer fragen, was wahr ist.<\/p>\n<p>Der schlechte Meister sagt: Komm, werde wie ich!<\/p>\n<p>Der gute Meister sagt: Komm zu mir und lerne das Leben kennen. Lebe es mit seinem Reichtum und teile es mit anderen. J\u00fcnger sein und die Weise, in der Jesus Mission betrieb, fortzuf\u00fchren, bedeutet einladen &#8211; nicht manipulieren oder belehren.<\/p>\n<p>Jesus lud alle ein &#8211; zu Tische, zum Fest &#8211; zur Gefolgschaft und Gemeinschaft auf dem Wege zur Verwirklichung des Reiches Gottes.<\/p>\n<p>Wenn wir den J\u00fcngerbefehl mehr in diesem Licht sehen k\u00f6nnten &#8211; und anderen mit gr\u00f6\u00dferer Offenheit, mit gr\u00f6\u00dferer Demut begegnen k\u00f6nnten, dann k\u00f6nnten neue Gemeinschaften und Be\u00adziehungen entstehen quer durch religi\u00f6se, kulturelle und ideologi\u00adsche Barrieren, und das wurde mehr den Worten Jesu entsprechen: Gehet hin und macht alle V\u00f6lker zu meinen J\u00fcngern. Amen.<\/p>\n<p><strong>Pfarrerin Hanne Sander<br \/>\nPrins Valdemarsvej 62<br \/>\nDK-2820 Gentofte<br \/>\nTel.: 39 65 52 72<br \/>\n<a href=\"mailto:sa@km.dk\">e-mail: sa@km.dk <\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist etwas ungew\u00f6hnlich, denselben Text zwei Mal in einem Gottesdienst zu h\u00f6ren &#8211; aber hier am Sonntag Trinitatis sind die allerletzten Worte aus dem Matth\u00e4usevangelium sowohl Predigttext als auch ein Teil der Taufliturgie, die wir vorhin geh\u00f6rt haben. 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