{"id":9961,"date":"2021-02-07T19:49:29","date_gmt":"2021-02-07T19:49:29","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9961"},"modified":"2022-10-27T13:02:46","modified_gmt":"2022-10-27T11:02:46","slug":"1-johannes-416-21","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-johannes-416-21\/","title":{"rendered":"1.Johannes 4,16-21"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p>1.Joh 4,16-21<br \/>\nUnd wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat.<br \/>\nGott ist die Liebe;<br \/>\nund wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.<br \/>\nDarin ist die Liebe bei uns vollkommen,<br \/>\ndass wir Zuversicht haben am Tag des Gerichts;<br \/>\ndenn wie er ist, so sind auch wir in dieser Welt.<br \/>\nFurcht ist nicht in der Liebe,<br \/>\nsondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus;<br \/>\ndenn die Furcht rechnet mit Strafe.<br \/>\nWer sich aber f\u00fcrchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe.<br \/>\nLasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt.<br \/>\nWenn jemand spricht:<br \/>\nIch liebe Gott, und hasst seinen Bruder, der ist ein L\u00fcgner.<br \/>\nDenn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht,<br \/>\nwie kann er Gott lieben, den er nicht sieht?<br \/>\nUnd dies Gebot haben wir von ihm,<br \/>\ndass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>lieben Sie eigentlich Europa?<br \/>\nDie Frage liegt ja auf der Hand,<br \/>\nan einem Tag wie heute<br \/>\nund bei einem solchen Predigttext.<br \/>\nDie Frage nach der Liebe zu meinem Bruder stellt sich heute<br \/>\nam Tag einer Europawahl im Kontext der 25 Staaten,<br \/>\ndie ihr gemeinsames Schicksal<br \/>\nauf besondere Weise miteinander verbunden wissen.<\/p>\n<p>Das klingt fast nach Eheschlie\u00dfung \u2013<br \/>\nund da bitten wir ja auch um Gottes Segen, &#8211;<br \/>\nvom gemeinsamen Leben ist die Rede.<br \/>\nGott gibt seine Liebe vor,<br \/>\n<strong><em>Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt. <\/em><\/strong><\/p>\n<p>damit wir Menschen uns untereinander lieben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong><em>&#8230;denn wie er ist, so sind auch wir in dieser Welt.<br \/>\nFurcht ist nicht in der Liebe&#8230; <\/em><\/strong><\/p>\n<p>Das Wort Liebe klingt hier vielleicht zu pathetisch.<br \/>\nDas politische und wirtschaftliche Wort f\u00fcr Liebe hei\u00dft \u201e<strong>Gerechtigkeit<\/strong>\u201c<br \/>\nund wohl auch \u201e<strong>Solidarit\u00e4t<\/strong>\u201c.<\/p>\n<p>Gerechtigkeit f\u00fcr den Bruder, die Schwester, den Nachbarn<br \/>\nund,<br \/>\ndas legt Jesus uns ganz besonders ans Herz,<br \/>\nGerechtigkeit und Solidarit\u00e4t f\u00fcr die,<br \/>\ndie wir, oft ohne zu \u00fcberlegen,<br \/>\nunsere Feinde nennen.<\/p>\n<p><strong><em>Furcht ist nicht in der Liebe.<br \/>\n<\/em><\/strong> Meinen N\u00e4chsten zu lieben, hei\u00dft also, ihn ohne Furcht zu lassen.<br \/>\nDa w\u00e4re zum Beispiel im Verh\u00e4ltnis von uns Deutschen zu unseren polnischen Nachbarn viel zu tun.<br \/>\nMit dem EU-Beitritt w\u00e4chst in Polen die Angst vor den Deutschen.<br \/>\nEine Gesellschaft namens Preu\u00dfische Treuhand,<br \/>\ngeleitet von Funktion\u00e4ren der Vertriebenenverb\u00e4nde,<br \/>\nfordert \u201edeutsches\u201c Eigentum zur\u00fcck.(1)<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><\/a><\/p>\n<p>Hier k\u00f6nnte die Bundesregierung ihre Liebe zu Europa<br \/>\ndurch eine deutliche Verzichtserkl\u00e4rung<br \/>\nund die \u00dcbernahme m\u00f6glicher Regressanspr\u00fcche von privater Seite,<br \/>\nunter Beweis stellen.<\/p>\n<p>Europa ist keine reine Liebesgeschichte,<br \/>\ndann schon eher eine Ehegeschichte,<br \/>\nmit vielen Krisen und Problemen.<br \/>\nZu oft war Furcht in der Liebe.<\/p>\n<p>Um so wichtiger ist es, sich der Fortschritte zu erinnern,<br \/>\nden Momenten, an denen Gerechtigkeit und Solidarit\u00e4t eine Chance bekamen.<br \/>\n<strong><em>Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt. <\/em><\/strong><\/p>\n<p>Das \u201eWunder vom Rhein\u201c<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">(2)<\/a>,<br \/>\nwird es genannt,<br \/>\ndie \u00dcberwindung der deutsch \u2013 franz\u00f6sischen Feindschaft im gemeinsamen Europa.<br \/>\nDann das \u201eWunder von der Oder\u201c,<br \/>\ndie gerade vollzogene Erweiterung der Gemeinschaft nach Osten \u2013<br \/>\ntrotz aller Probleme.<\/p>\n<p>Und weil alle Liebe auch tr\u00e4umt,<br \/>\nlassen Sie uns an ein \u201eWunder vom Bosporus\u201c denken,<br \/>\nin dem Europa sich nicht unter dem Vorzeichen \u201echristlich\u201c verschlie\u00dft,<br \/>\nsondern in dem der Grund aller Liebe<br \/>\nin dem Gott gefunden wird,<br \/>\nder alle menschliche Grenzen \u00fcbersteigt,<br \/>\nauch die Grenzen der Religionen.<br \/>\n<strong><em>Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht,<br \/>\nwie kann er Gott lieben, den er nicht sieht? <\/em><\/strong><\/p>\n<p>Gott ist gro\u00df<br \/>\nund Gott ist die Liebe.<\/p>\n<p>Die Suche nach Gott, f\u00e4ngt also da an,<br \/>\nwo wir nach Gerechtigkeit und Solidarit\u00e4t,<br \/>\nnach Liebe suchen.<br \/>\nNach einem Umgang mit Menschen,<br \/>\neinzelnen,<br \/>\nGruppen<br \/>\nund V\u00f6lkern,<br \/>\nwie Jesus ihn pflegte \u2013<br \/>\neinen Umgang,<br \/>\nso, dass der andere und ich nichts zu f\u00fcrchten brauchen.<\/p>\n<p>Mit weniger d\u00fcrfen wir uns nicht zu Frieden geben,<br \/>\nweil wir uns dann<br \/>\nmit einem Ersatzgott abspeisen lie\u00dfen,<br \/>\nmit einem Gef\u00fchl,<br \/>\num das wir Angst haben m\u00fcssten,<br \/>\nes k\u00f6nnte einer ernsten Belastung nicht stand halten.<\/p>\n<p>Liebe ist mehr als ein Wort.<br \/>\nIn der Sehnsucht nach Liebe<br \/>\nverbirgt sich die Sehnsucht nach Leben,<br \/>\nnach Erf\u00fcllung und Gl\u00fcck.<br \/>\nMeine Sehnsucht nach Liebe kommt dort zum Ziel,<br \/>\nwo ich furchtlos bleiben darf,<br \/>\nwo ich ganz und gar ich selber sein kann<br \/>\nund gleichzeitig wei\u00df, dass ich ganz uns gar so geliebt werde.<\/p>\n<p>Noch ist dies ein Traum.<br \/>\nManche Partnerschaft wird mit diesem Traum \u00fcberlastet.<br \/>\nMenschen k\u00f6nnen nicht leisten,<br \/>\nwas Gott verspricht.<br \/>\nSehnsucht nach Leben,<br \/>\nnach Erf\u00fcllung und Gl\u00fcck soll und kann sich auf Gott richten.<br \/>\nAuch zum Schutz f\u00fcr Menschen<br \/>\nin ihren Versuchen Gl\u00fcck zu schaffen.<br \/>\n<strong><em>Und wir haben erkannt und geglaubt die Liebe,<br \/>\ndie Gott zu uns hat.<br \/>\nGott ist die Liebe;<br \/>\nund wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. <\/em><\/strong><\/p>\n<p>Menschliche Liebe wird darin vollkommen,<br \/>\ndass sie ihre Fehler einsieht und die des anderen verzeiht.<br \/>\n<strong><em>Darin ist die Liebe bei uns vollkommen,<br \/>\ndass wir Zuversicht haben am Tag des Gerichts&#8230; <\/em><\/strong><\/p>\n<p>Wer sich vor Gott nicht f\u00fcrchtet,<br \/>\nwer sein eigenes Leben in seiner Schw\u00e4che und Fehlerhaftigkeit annehmen kann,<br \/>\nder wird offen f\u00fcr die anderen.<br \/>\n<strong><em>Wer sich aber f\u00fcrchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe. <\/em><\/strong><\/p>\n<p>Und das ist ganz real gemeint,<br \/>\nsolange es Grund gibt,<br \/>\ndass Menschen sich f\u00fcrchten m\u00fcssen,<br \/>\nsind wir entfernt von Gott.<br \/>\nUnd solange jemand die Furcht anderer in Kauf nimmt,<br \/>\ngering achtet,<br \/>\ndamit rechnet und arbeitet,<br \/>\nhandelt er gegen Gottes Gebot.<\/p>\n<p>Liebe und Furcht liegen im Streit miteinander:<br \/>\nDa ist der Wunsch mit allen gut auszukommen<br \/>\nund die schmerzhafte Erkenntnis,<br \/>\ndass es immer wieder Leute gibt,<br \/>\nmit denen man nicht zurecht kommt,<br \/>\noder<br \/>\nderen Einfluss auf das eigene Leben man f\u00fcrchten muss.<\/p>\n<p>Liebe und Furcht liegen im Streit<br \/>\nund der Tag des Gerichts von dem der Predigttext spricht,<br \/>\nist der Moment, in dem sich entscheidet,<br \/>\nwer den Streit gewinnt.<\/p>\n<p>Vielleicht wird man sp\u00e4ter einmal sagen,<br \/>\ndass in diesen Jahren wichtiges<br \/>\nf\u00fcr den Frieden in Europa geschehen ist.<br \/>\nDas Millionen von kleinen Br\u00fccken gebaut wurden,<br \/>\nvon Mensch zu Mensch,<br \/>\nwie zum Beispiel zwischen Janina und Richard:<\/p>\n<p>Janina lebt seit 1945 in dem Haus in dem Richard seine Kindheit verbrachte.<br \/>\nNie wollte er das Haus zur\u00fcck haben,<br \/>\nnie musste Janina sich f\u00fcrchten,<br \/>\ndass Richard entsch\u00e4digt werden wollte.<\/p>\n<p>Janina ist inzwischen 77 Jahre alt und etwas gebrechlich.<br \/>\nRichard ist 81 Jahre,<br \/>\nk\u00e4mpfte in Hitlers Armee um die Sowjetunion zu erobern.<br \/>\nIm Mai 1945 war er auf der Flucht in Schleswig Holstein gelandet.<br \/>\nSp\u00e4ter kam er zu seinen Eltern in die DDR.<br \/>\nHeute verbringt er seine Tage vor dem Fernseher.<br \/>\nSeine Frau ist inzwischen gestorben,<br \/>\nebenso wie Janinas Mann.<\/p>\n<p>Die Initiative, sich kennen zu lernen ist von Janina ausgegangen.<br \/>\n1970 war das.<br \/>\nDamals trafen sie sich zum ersten Mal,<br \/>\nnoch mit ihren Ehepartnern.<br \/>\nRegelm\u00e4\u00dfig haben sie sich dann besucht.<br \/>\nIch glaube,<br \/>\nRichard hat Heimweh gehabt, sagt Janina.<br \/>\n\u201eKleine Schwester habe ich sie immer genannt\u201c,<br \/>\nsagt Richard und kichert.<\/p>\n<p>Als Richard k\u00fcrzlich von der Existenz einer Gesellschaft<br \/>\nnamens Preu\u00dfische Treuhand erfuhr,<br \/>\nhat er sich gedacht:<br \/>\n\u201eJa, sind die denn verr\u00fcckt?\u201c<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">(3)<\/a><\/p>\n<p>M\u00f6ge Gott das gemeinsame Projekt Europa<br \/>\nan den Menschen innerhalb und au\u00dferhalb seiner Grenzen segnen.<br \/>\nAmen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\"><\/a> (1) Kirbach, Roland, \u201eDa m\u00fcssen sie mit den Panzern kommen!\u201c, in DIE ZEIT vom 27. Mai 2004, S. 15 \u2013 18.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\"><\/a> (2) Geis, Matthias, \u201eFrankreichs Frankfurter\u201c in DIE ZEIT vom 3. Juni 2004, S.2.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\"><\/a>(3) Kirbach, Roland, \u201eDa m\u00fcssen sie mit den Panzern kommen!\u201c, in DIE ZEIT vom 27. Mai 2004, S. 15 \u2013 18.<\/p>\n<p><strong>Dr. Ekkehard Heise, Stade<br \/>\n<a href=\"mailto:Ekkehard.Heise@t-online.de\">Ekkehard.Heise@t-online.de<\/a> <\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1.Joh 4,16-21 Und wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat. Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. 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