{"id":9962,"date":"2021-02-07T19:49:31","date_gmt":"2021-02-07T19:49:31","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9962"},"modified":"2022-10-24T11:14:56","modified_gmt":"2022-10-24T09:14:56","slug":"johannes-316","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-316\/","title":{"rendered":"Johannes 3,16"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Liebe Verfasserin, lieber Verfasser, des 1. Joh-Briefes, ich wei\u00df nicht, was f\u00fcr ein Mensch du gewesen bist. Aber darf ich dir eine Frage stellen?<br \/>\nWarst du einmal wirklich verliebt? Hast du dieses Hochgef\u00fchl kennen gelernt? Auf einen Menschen zu treffen, den du nur zu sehen brauchst, und du bekommst Herzklopfen und freust dich? Bei der ersten Ber\u00fchrung fangen die Finger zu gl\u00fchen an, und ein riesengro\u00dfes Gl\u00fccksgef\u00fchl setzt ein. Ihr redet miteinander, stundenlang \u2013 du musst doch schlie\u00dflich wissen, was sie denkt, was er denkt. Ihr seid nicht \u00fcberall einer Meinung, aber das ist nicht entscheidend. Hauptsache, du hast das Empfinden: Da ist ein Mensch, und der will dich! Der h\u00e4lt zu dir! Alle anderen sind ihm nicht so wichtig wie du, und umgekehrt gilt das auch.<br \/>\nKennst du das Gef\u00fchl? Du kannst die ganze Welt umarmen und B\u00e4ume ausrei\u00dfen!<\/p>\n<p>Liebe Verfasserin, lieber Verfasser des 1. Joh-Briefes, entschuldige bitte, wenn ich das sage: Ich habe den Eindruck: Dieses Verliebtsein hast du nicht kennen gelernt. Sonst h\u00e4ttest du anders von der Liebe geschrieben. Nicht so distanziert, so gesetzlich.<br \/>\nOder meinst du, du darfst in deinem Schreiben an Christenmenschen keinen emotionalen \u00dcberschwang zeigen, sondern musst n\u00fcchterner von der Liebe reden? Mehr intellektuell und formelhaft?<\/p>\n<p>Der Anfang des Briefabschnitts klingt so:<br \/>\n\u201eGott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.\u201c<br \/>\nDer Ausgangspunkt ist die Liebe Gottes, und dann gilt:\u201e&#8230;wer bleibt, der bleibt&#8230;\u201c<\/p>\n<p>Ich wei\u00df, dass du damit umschrieben hast, was im Joh-Ev in die Worte gefasst ist: \u201eAlso hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.\u201c (Joh 3,16)<br \/>\nDass von Gott der Impuls ausging und Jesus Christus Mensch wurde &#8211; mit allen Konsequenzen, und dass seitdem f\u00fcr uns alle Verbindungen zu Gott offen stehen.<br \/>\nDass sich so Gott auf uns zu bewegt hat; nicht auf eine riesige Masse Mensch, sondern auf jeden Einzelnen von uns. So wie Jesus von Nazareth auf die Menschen zugegangen ist, sie mit Namen anredete, sie \u2013 wenn n\u00f6tig &#8211; geheilt hat und sie zu neuen, lebensfrohen Menschen gemacht hat, so kommt Gott auch heute auf uns zu! Er spricht jeden von uns an, mit dem eigenen Namen und versichert uns: Egal, was du f\u00fcr ein Mensch bist, warst: mit dem, was dich freut und belastet, mit dem, was du an guten und an schlechten Seiten hast &#8211; egal, was andere von dir halten, ich halte zu dir!<\/p>\n<p>Wenn das einer wirklich h\u00f6rt &#8211; nicht so wie nebenbei eine Radiosendung, sondern richtig h\u00f6rt und f\u00fcr sich annimmt, kann der dann noch ruhig sitzen bleiben?<br \/>\nKannst du dann noch so n\u00fcchtern dar\u00fcber schreiben?<\/p>\n<p>\u00dcberall werde ich beurteilt, eingestuft. Nach meinen Leistungen, nach meinem Alter, nach meiner Gesundheit, nach meiner Sch\u00f6nheit, nach dem, was ich darstelle. Aber da ist einer, der sieht mein Herz an! Auch meine dunklen Flecken darin. Doch das ist ihm nicht so wichtig wie mein tiefstes Ich. Das sieht ER an und sagt zu mir \u201eJa! Du\u201c nun nennt er meinen Namen, und jeder von uns kann jetzt seinen Namen einsetzen&#8230; \u201eDu, Du bist mir unendlich wichtig! Ich m\u00f6chte mit dir durch Dick und D\u00fcnn gehen, ich m\u00f6chte mit dir all das durchstehen, was f\u00fcr dich noch kommt. Wenn irgend m\u00f6glich, m\u00f6chte ich dich dabei vor Schaden bewahren und deinen Wegen eine Richtung geben!\u201c<\/p>\n<p>Liebe Verfasserin, lieber Verfasser des Joh-Briefes, hast du das geh\u00f6rt? So oder \u00e4hnlich? Dieses Angebot Gottes?<br \/>\nIch h\u00e4tte mir gew\u00fcnscht, dass du mit mehr Freude darauf reagiert h\u00e4ttest. Und nicht mit so einer Formel: \u201eGott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt&#8230;\u201c<br \/>\nDu verbindest dieses wunderbare Angebot Gottes gleich mit einer Forderung: \u201eNur wer bleibt, der bleibt!\u201c<br \/>\nIch h\u00e4tte mir gew\u00fcnscht, dass da etwas von dankbarer Freude gestanden h\u00e4tte: Gott sei Dank, dass du mich willst, dass du mich so liebst! Ein \u00fcberschw\u00e4ngliches Halleluja, aus vollem Herzen, ein Loblied!<\/p>\n<p>K\u00f6nnen Sie, liebe Gemeinde, mich verstehen? Dann m\u00f6chte ich Sie bitten, mit mir einfach jetzt zu singen: \u201eIch lobe meinen Gott, von ganzen Herzen&#8230;\u201c Lied Nr. 272 in unserem Gesangbuch.<br \/>\n&#8230;<\/p>\n<p>Verliebte sind erst einmal ganz bei sich. Alles andere ist zweitrangig. Die beiden brauchen Zeit f\u00fcreinander. Um sich kennen zu lernen, um zu entdecken, was sie aneinander haben: Ein Gl\u00fcck, das kaum zu fassen ist!<\/p>\n<p>Liebe Verfasserin, lieber Verfasser des 1. Joh-Briefes, kennst du diese Zeit nicht?<br \/>\nDu sprichst von Liebe und gleichzeitig vom drohenden zuk\u00fcnftigen Gericht. Lieben wir denn um eines Vorteils willen? Um dann besser dazustehen? Was w\u00e4re das f\u00fcr eine Liebe? Keine Liebe um ihrer selbst Willen, um des Anderen Willen, sondern um damit einen Zweck zu erf\u00fcllen?<br \/>\nSo, liebe Verfasserin, lieber Verfasser, kann ich dir nicht folgen.<\/p>\n<p>Ich denke lieber wieder an die Verliebten. Und an den Lebensmut, der durch diese Liebe freigesetzt wird. Da kann die Welt noch so d\u00fcster aussehen, aber der Liebende sieht doch nur die gewonnene St\u00e4rke! Keine Angst, keine Furcht sondern Zuversicht: \u201eWir beide zusammen, wir packen es!\u201c<br \/>\nDie Liebe treibt die Furcht aus! Dieses unzerst\u00f6rbare Band zwischen den Liebenden.<\/p>\n<p>Das ist f\u00fcr mich das Besondere an dieser Liebe zwischen Gott und jedem von uns:<br \/>\nWir sto\u00dfen mit unserer Liebe an unsere Grenzen. Immer wieder. Gerade im zwischenmenschlichen Verliebtsein erfahren wir dies sehr schmerzlich. Es tut weh, wenn so eine Beziehung erkaltet, zerbricht. Dann sind wir wund, und brauchen lange, bis wir uns wieder etwas trauen.<br \/>\nDoch von Gottes Seite bleibt diese Beziehung fest. Seine Liebe erkaltet nicht. Darauf ist Verlass. Darauf kann ich immer bauen. Deshalb Lebenszuversicht und keine Furcht. Hellt sich da nicht alles auf, wenn wir das in unserer Liebesbeziehung zu Gott entdecken?<br \/>\n\u201eDenn er hat seinen Engeln befohlen \u00fcber dir, dass sie dich beh\u00fcten auf allen deinen Wegen&#8230;\u201c Nicht im Schlaraffenland sondern jetzt. Was auch geschieht.<br \/>\n&#8211; Gott sei Dank f\u00fcr dieses von deiner Seite unzerst\u00f6rbare Band!<\/p>\n<p>Es kommt beinahe wie von selbst: Verliebte brauchen ihre Zeit f\u00fcr sich, das soll ihnen niemand streitig machen. Doch irgendwann \u00f6ffnen sie sich. Entdecken ihre Welt wieder. Sehen ihre Mitmenschen, die Not und die Probleme, die ungelebter Liebe entspringen.<br \/>\nViele Verliebte m\u00f6chten dann ihre liebesgest\u00f6rte Mitwelt liebevoll gestalten. Aus der Kraft ihrer Liebe. Da soll etwas \u00fcbertragen werden. Ausstrahlen: Ihr sollt mitbekommen, wes Geistes Kinder wir sind!<\/p>\n<p>Liebe Verfasserin, lieber Verfasser des 1. Joh-Briefes, so m\u00f6chte ich die Auswirkungen unserer Liebesbeziehung zu Gott auf unsere Mitmenschen sehen:<br \/>\nOhne erhobenen Zeigefinger: Du bist ein L\u00fcgner, wenn du Gott liebst und deinen Bruder hasst!<br \/>\nSondern als Ausdruck der \u00fcbersch\u00e4umenden Freude: Danke, Gott, dass ich unsere Liebesbeziehung anderen mitteilen darf. Dass ich sie mit anderen teilen darf. Ich entdecke dich in meinen Mitmenschen, da kann unsere Liebe sichtbar Gestalt gewinnen.<\/p>\n<p>Gott erlaubt uns so, seinen Willen in dieser Welt umzusetzen. Seine Gebote, seine Lebensvorstellungen ernst zu nehmen und zu \u00fcberlegen, wie sie unser Zusammenleben pr\u00e4gen k\u00f6nnen. Dass unsere Welt sich nach ganz anderen Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten richten will, wissen wir. Aber steckt uns die Gottesliebe nicht an, unsere Mitmenschen so zu sehen, wie Er uns sieht, und daher zu versuchen, unser Zusammenleben im Sinne Gottes zu gestalten?<\/p>\n<p>Gottesliebe und N\u00e4chstenliebe als erlebte Einheit. Wie oft vertauschen sich da die Richtungen. Ich bin nicht nur Gebender, sondern auch Empfangender.<br \/>\nEin Gl\u00fcckskind in der Weltfamilie der Kinder Gottes.<br \/>\nIch lobe meinen Gott von ganzem Herzen!<br \/>\nAmen.<\/p>\n<p><strong>Rudolf Grote, Pastor an St. Johannis in G\u00f6ttingen<br \/>\nStargarder Weg 3<br \/>\n37083 G\u00f6ttingen<br \/>\nMail: <a href=\"mailto:www.rudolf-grote@web.de\">www.rudolf-grote@web.de<\/a><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde! Liebe Verfasserin, lieber Verfasser, des 1. Joh-Briefes, ich wei\u00df nicht, was f\u00fcr ein Mensch du gewesen bist. Aber darf ich dir eine Frage stellen? Warst du einmal wirklich verliebt? Hast du dieses Hochgef\u00fchl kennen gelernt? Auf einen Menschen zu treffen, den du nur zu sehen brauchst, und du bekommst Herzklopfen und freust dich? 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