{"id":9968,"date":"2021-02-07T19:49:30","date_gmt":"2021-02-07T19:49:30","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9968"},"modified":"2022-10-27T09:39:54","modified_gmt":"2022-10-27T07:39:54","slug":"epheser-2-17-22-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/epheser-2-17-22-2\/","title":{"rendered":"Epheser 2, 17-22"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p>17 Christus kam und verk\u00fcndete den Frieden: euch, den Fernen, und uns, den Nahen.<br \/>\n18 Durch ihn haben wir beide in dem einen Geist Zugang zum Vater.<br \/>\n19 Ihr seid also jetzt nicht mehr Fremde ohne B\u00fcrgerrecht, sondern Mitb\u00fcrger der Heiligen und Hausgenossen Gottes.<br \/>\n20 Ihr seid auf das Fundament der Apostel und Propheten gebaut; der Schlu\u00dfstein ist Christus Jesus selbst.<br \/>\n21 Durch ihn wird der ganze Bau zusammengehalten und w\u00e4chst zu einem heiligen Tempel im Herrn.<br \/>\n22 Durch ihn werdet auch ihr im Geist zu einer Wohnung Gottes erbaut.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\nin diesem Abschnitt aus dem Epheserbrief wird die Kirche beschrieben. Gewiss, zuerst eine konkrete Kirche, n\u00e4mlich die Gemeinde von Ephesus. Aber dann auch die Kirche insgesamt.<br \/>\nSie wird uns geschildert als ein Haus, ein Tempel, ein Kirchengeb\u00e4ude.<br \/>\nWir sehen die hohe Gew\u00f6lbedecke vor uns, die auf den Fundamenten der Apostel und Propheten ruht. Und wir sehen den Schlussstein im Gew\u00f6lbescheitel, der meist besonders gestaltet und verziert ist. Der Schlussstein, der die Kirche zusammenh\u00e4lt, ist Jesus Christus.<br \/>\nDieses Geb\u00e4ude, diese Kirche ist die Wohnung Gottes, deren Mauersteine die Gl\u00e4ubigen sind.<br \/>\nIn unserem Textabschnitt werden zwei Bildebenen assoziativ kombiniert. Einerseits sind die Gl\u00e4ubigen die Bausteine, aus denen der Geist eine Wohnung Gottes erbaut. Gleichzeitig wird davon gesprochen, dass die Glaubenden Mitb\u00fcrger und Hausgenossen Gottes sind, also in dieser Wohnung mit Gott zusammen wohnen.<\/p>\n<p>Im Gedankenfluss des Epheserbriefes ist das kein Widerspruch.<br \/>\nDas eine Bild ergibt sich aus dem anderen.<br \/>\nVom Begriff der Hausgenossenschaft kommt der Verfasser auf das Haus selber. Und da das Haus Gottes ein Haus aus lebendigen Steinen ist, sichtbar und unsichtbar zugleich, stimmen beide Bilder. Beide beschreiben die Gemeinschaft mit Gott.<br \/>\nDie Glaubenden sind keine Fremdlinge mehr, ganz egal, woher sie kommen, sie sind vielmehr Mitb\u00fcrger und Hausgenossen.<br \/>\nDas ist deshalb so, weil unser Glaube auf einem m\u00e4chtigen Fundament ruht, auf dem Fundament der Anrede Gottes an uns, die sich in den Propheten und den Aposteln ausdr\u00fcckt.<br \/>\nEs ist das Wort der Einladung an uns ergangen, zu dieser Gemeinschaft dazuzugeh\u00f6ren.<br \/>\nDiese Gemeinschaft ist so gross und eindrucksvoll, wie ein Tempel, heute w\u00fcrden wir vielleicht eher sagen, wie eine Kathedrale.<br \/>\nWir, die Glaubenden, sind diese Kathedrale Gottes. Wir sind zusammengef\u00fcgt zu diesem eindrucksvollen Geb\u00e4ude.<br \/>\nDoch brauchbare Bausteine sind wir nur dann, wenn wir auf dem Fundament der Apostel und Propheten stehen und zwar gleichermassen auf Beidem.<br \/>\nWeder nur die Apostel, noch nur die Propheten bilden eine tragf\u00e4hige Basis f\u00fcr unseren Glauben, sondern beides zusammengenommen, die Geschichte Gottes mit dem auserw\u00e4hlten Volk des Alten Bundes und die Geschichte Gottes mit Jesus Christus und den Christen. Jeder Teil wird durch den anderen ausgelegt und nur so verstehbar.<br \/>\nAuf Gottes Geschichte mit den Menschen in alter und neuerer Zeit gr\u00fcndet sich unser Glaube und die Kirche.<\/p>\n<p>Unsere Klosterkirche hier versinnbildlich ein wenig dieses Erbautsein der Kirche aus den lebendigen Steinen der Glaubenden. In den Glasfenstern sind die Basler Familien verewigt, die als Stifter des Kart\u00e4userklosters in Erscheinung getreten sind. Die Wappenschilder an den W\u00e4nden weisen auf Personen hin, die in dieser Kirche wie wir heute schon vor Hunderten von Jahren Gottesdienst gefeiert und gebetet haben, wie z.B. das Wappen des ber\u00fchmt gewordenen p\u00e4pstlichen Gesandten beim Basler Konzil mit dem Skorpion darauf, Nikolaus von Cusa.<br \/>\nDoch das sind ja nur wenige besonders hervorgehobene Leute. Eigentlich m\u00fcsste jeder einzelne Stein einen Namensaufdruck tragen mit den Namen der Kart\u00e4userbr\u00fcder, die hier gelebt haben und die durch ihr stilles Gebet und ihre seelsorgerliche T\u00e4tigkeit der Stadt viel Segen gebracht haben. Aber auch die Namen aller anderen, die hier dann nach der S\u00e4kularisierung des Klosters Gottesdienst gefeiert haben. Auch unsere Namen m\u00fcssten auf den Steinen stehen, aus denen die Kirche gebaut ist.<br \/>\nIch stelle mir vor, dass das so ist, dass die Namen irgendwo im Stein vorborgen sind. Die Namen der Kart\u00e4userm\u00f6nche und die Namen der Lutheraner.<\/p>\n<p>Eine interessante Mischung in ein und derselben Kirche. Doch nicht so bizarr, wie es auf den ersten Blick aussieht. Denn in unserer Spiritualit\u00e4t haben wir vieles gemeinsam mit den Kart\u00e4usern. Das Gebet urbi et orbi f\u00fcr die Stadt und den Erdkreis, f\u00fcr die, die uns nahe sind und f\u00fcr alle diejenigen in der Welt, die unserer F\u00fcrbitte bed\u00fcrfen, ist damals wie heute wesentlicher Bestandteil des Gottesdienstes in dieser Kirche und unseres Glaubenslebens, unserer Spiritualit\u00e4t.<\/p>\n<p>Doch was bedeutet es nun, dass wir Mitb\u00fcrger und Gottes Hausgenossen sind und lebendige Steine des heiligen Tempels Gottes und zur Wohnung Gottes erbaut sind, was bedeutet das f\u00fcr die Kirche und f\u00fcr unsere Gemeinde?<\/p>\n<p>Um dies zu bedenken m\u00fcssen wir zun\u00e4chst nach oben schauen, auf den Schlussstein im Scheitelpunkt des Gew\u00f6lbes. Ohne diesen Schlussstein Jesus Christus w\u00e4re das Geb\u00e4ude h\u00f6chst instabil und w\u00fcrde bei n\u00e4chster Gelegenheit zusammenbrechen.<\/p>\n<p>Kirche steht also auf dem Fundament der Apostel und Propheten und wird durch den auferstandenen lebendigen Christus zusammengehalten. Es liegt in der Natur des Bildes vom Geb\u00e4ude, dass das etwas statisch und damit konservativ klingt.<br \/>\nDurch die notwendige R\u00fcckbindung an die kirchlichen Traditionen aus 2000 Jahren Geschichte ist die Kirche auch notwendigerweise immer leicht konservativ.<br \/>\nDoch wenn man bedenkt, dass es sich um lebendige Steine handelt, n\u00e4mlich um uns, liebe Gemeinde, aus denen die Kirche erbaut ist, dann wird deutlich, dass sie eben auch einer st\u00e4ndigen Entwicklung und einem permanenten Wandel unterliegt.<br \/>\nHier st\u00f6sst das Bild an Grenzen. Kirche ist eine lebendige Gemeinschaft und nichts Statisches. Ecclesia semper reformanda est.<br \/>\nUnd Kirche ist \u00fcberall dort, wo Menschen auf dem Fundament der Apostel und Propheten und mit dem Schlussstein Jesus Christus sich erbauen lassen, zu einem lebendigen Bauwerk.<br \/>\nKirche ist da, wo niemand mehr ein Fremder ist und wo Gott den Menschen nicht fremd ist, dort, wo Menschen zu Gott eine Beziehung aufbauen und ihr Leben in Verbindung mit ihm leben.<\/p>\n<p>Diese Kirche kennt keine Grenzen, weder in der Zeit noch im Raum, sie ist weltweit die eine Kirche Jesu Christi und sie ist dieselbe Kirche Christi am Anfang vor 2000 Jahren, dieselbe im Mittelalter bei den Kart\u00e4usern und auch heute, auch wenn sich ihre \u00e4ussere Gestalt und ihre Spiritualit\u00e4t und die Art der Vermittlung ihrer Botschaft in dieser Zeit teilweise stark ver\u00e4ndert hat.<\/p>\n<p>Sie ist nicht durch Sprachen oder Kulturen oder Traditionen begrenzt und schon gar nicht durch L\u00e4ndergrenzen.<br \/>\nInsofern ist sie allerdings unsichtbar, weil wir Kirche immer nur in konfessioneller und anderer Begrenztheit erleben.<br \/>\nUnd doch hat sie die starke Neigung sichtbar zu werden. Und sie wird \u00fcberall dort sichtbar, wo Christen und Gemeinden und Kirchen ihre Grenzen \u00fcberschreiten und aufeinander zugehen. Jeder \u00f6kumenische Gottesdienst ist so eine Sichtbarwerdung des <em>heiligen Tempels im Herrn<\/em>.<\/p>\n<p>Am deutlichsten begegnet mir das immer wieder in der Communaut\u00e8 de Taiz\u00e8. Dort kommen Menschen aller Generationen und vieler Sprachen und Kulturen und Konfessionen zum gemeinsamen Gebet zusammen und sie leben f\u00fcr begrenzte Zeit miteinander und es spielt nicht die geringste Rolle, woher sie kommen.<\/p>\n<p>Und f\u00fcr unsere Gemeinschaft, f\u00fcr unsere Gemeinde hier bedeuten die Bilder von der Gestalt der Kirche im Epheserbrief, dass Traditionen wichtig sind und gleichzeitig auch immer Wandel und Erneuerung geschieht.<\/p>\n<p>Nicht nur eine konfessionelle Tradition. Mit dem Fundament der Apostel sind f\u00fcr mich nicht nur die neutestamentlichen Quellen, sondern auch die Kirchengeschichte gemeint. Die gesamte kirchliche Tradition bildet das Fundament f\u00fcr einen lebendigen Gemeindeaufbau.<br \/>\nIn einer Gemeinde, der Mitglieder aus 15 Nationen angeh\u00f6ren, gibt es naturgem\u00e4ss auch eine Vielzahl von kulturellen Pr\u00e4gungen, von denen wir letztlich alle als Gemeinschaft profitieren.<br \/>\nIn einer Stadt wie Basel, in der alle Konfessionen und Glaubensgemeinschaften vertreten sind und viele \u00f6kumenische Anl\u00e4sse stattfinden, ist es eigentlich ganz leicht Kirche im umfassenden Sinn sichtbar werden zu lassen.<\/p>\n<p>Unsere Bereitschaft zur Offenheit gegen\u00fcber anderen Christen und Gemeinden vorrausgesetzt, entsteht so immer wieder, wenn wir bei Gott wohnen, ein gr\u00f6sser werdendes Geb\u00e4ude aus lebendigen Steinen auf dem Fundament der Traditionen und dem Schlussstein und der Mitte Jesus Christus, der lebt und uns zu neuem Leben erweckt.<\/p>\n<p><strong>Pf. J\u00f6rg Egbert Vogel, Basel<br \/>\n<a href=\"mailto:j.e.vogel@gmx.ch\">j.e.vogel@gmx.ch <\/a> <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>17 Christus kam und verk\u00fcndete den Frieden: euch, den Fernen, und uns, den Nahen. 18 Durch ihn haben wir beide in dem einen Geist Zugang zum Vater. 19 Ihr seid also jetzt nicht mehr Fremde ohne B\u00fcrgerrecht, sondern Mitb\u00fcrger der Heiligen und Hausgenossen Gottes. 20 Ihr seid auf das Fundament der Apostel und Propheten gebaut; [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":8543,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[45,409,1,727,114,769,349,3,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-9968","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-epheser","category-2-so-n-trinitatis","category-aktuelle","category-archiv","category-deut","category-kapitel-02-chapter-02-epheser","category-kasus","category-nt","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9968","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9968"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9968\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14424,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9968\/revisions\/14424"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8543"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9968"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9968"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9968"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=9968"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=9968"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=9968"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=9968"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}