{"id":9988,"date":"2021-02-07T19:49:36","date_gmt":"2021-02-07T19:49:36","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9988"},"modified":"2022-10-06T14:19:41","modified_gmt":"2022-10-06T12:19:41","slug":"roemer-14-10-13","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/roemer-14-10-13\/","title":{"rendered":"R\u00f6mer 14, 10-13"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p><span style=\"font-size: 10pt; font-family: Arial;\">Liebe Gemeinde,<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt; font-family: Arial;\">neulich war ich auf einer Tagung f\u00fcr Kinderseelsorger. Auf dieser Tagung waren auch Richter, Anw\u00e4lte und Psychologen. Dabei ging es um Menschen und was f\u00fcr schreckliche Sachen Menschen Menschen antun. Ich bin noch immer tief betroffen von dem Leid der Kinder. Ich sage mir, es steht mir nicht zu urteilen oder zu verurteilen; meine Aufgabe ist es, mich f\u00fcr die Kinder einzusetzen, ihnen zu helfen. Es ist die Aufgabe der Richter, Wege f\u00fcr diese Kinder zu finden. So ist die Rechtslage in unserem Staat. Ich kann nur begleiten, helfen.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt; font-family: Arial;\">Auf der Tagung kamen Richter, Anw\u00e4lte und die anderen ins Erz\u00e4hlen. Sie haben naurtgem\u00e4\u00df ebenfalls das Problem, mit dem Erlebten fertig zu werden. Wenn einer anf\u00e4ngt zu erz\u00e4hlen, dann setzt ein anderer fort. Oft waren es noch schockierenderen Erlebnisse.<br \/>\nEin Richter sprach von einem Vater, der sein Kind sehen m\u00f6chte, dabei aber nicht nachempfinden kann, dass sein Kind den Kontakt verweigert, weil er n\u00e4mlich die Mutter umgebracht hat.<br \/>\nDer Vater befindet sich noch im Gef\u00e4ngnis und wird demn\u00e4chst freigelassen. Das Kind lebt bei den Gro\u00dfeltern m\u00fctterlicherseits. Nach den Gesetzen, die wir haben, hat der Vater ein Umgangsrecht und darf es auch aus\u00fcben.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt; font-family: Arial;\">Liebe Gemeinde, dieses Beispiel von der Tagung und andere, die ich h\u00f6rte, lassen mich nicht mehr los. Sie zeigen, zu welchen schrecklichen Taten Menschen in der Lage sind. Es ist v\u00f6llig nat\u00fcrlich und selbstverst\u00e4ndlich, dass wir dar\u00fcber urteilen, und solche Taten verdammen. Das muss auch sein. Eine Gesellschaft kann nicht funktionieren, wenn Menschen gegen Menschen w\u00fcten, wenn sie gegen Gebote und <span style=\"mso-spacerun: yes;\">\u00a0<\/span>Gesetze des Staates versto\u00dfen.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt; font-family: Arial;\">Ich denke, dass Paulus diese Lebenshaltung meint, oder diese menschliche Verhaltensweise des \u00dcbereinanderherziehens, wenn er seinen Text an die Gemeinde in Rom, unserem heutigen Predigttext formuliert:<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em><span style=\"font-size: 10pt; font-family: Arial;\">&#8222;Du aber, was richtest du deinen Bruder? Oder du, was verachtest du deinen Bruder? Wir alle werden vor den Richterstuhl Gottes gestellt werden. Denn es steht geschrieben: &#8222;So wahr ich lebe, spricht der Herr, mir sollen sich alle Knie beugen und alle Zungen sollen Gott bekennen.&#8220;<\/span><\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt; font-family: Arial;\">Es gibt noch andere Begebenheiten, in denen wir dazu neigen, andere zu be-urteilen, oft auch zu ver-urteilen. Nicht selten sind es Kleinigkeiten. Wir regen uns dar\u00fcber auf, wie Nachbarn ihre Kinder erziehen, oder wir k\u00f6nnen nicht verstehen, warum diese nette junge Frau immer wieder anderen Herrenbesuch bekommt, und wir ziehen mit Worten f\u00fcrchterlich \u00fcber andere her.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt; font-family: Arial;\">So wird nun jeder von uns f\u00fcr sich selbst Gott Rechenschaft geben. Darum la\u00dft uns nicht mehr einer den anderen richten, sondern richtet vielmehr darauf euren Sinn, dass niemand seinen Bruder einen Ansto\u00df oder \u00c4rgernis bereite.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt; font-family: Arial;\">Liebe Gemeinde, ich habe auf der Tagung mit einer Richterin gesprochen und sie gefragt, wie sie es seelisch ertragen kann, immer wieder diesen menschlichen Schrecklichkeiten zu begegnen. Darauf hat sie mir geantwortet: &#8222;Ich wei\u00df einfach, dass Menschen zu allen m\u00f6glichen Dingen in der Lage sind. Dann sage ich mir, das ist so. Ich versuche, einen Blick f\u00fcr die Umst\u00e4nde zu bekommen, f\u00fcr die Situation und f\u00fcr den Menschen selbst. Manchmal kann ich dann nachvollziehen, dass er so geworden ist. Manchmal allerdings kenne ich die Gr\u00fcnde nicht und werde sie auch nicht herausfinden. Aber ich \u00e4rgere mich nicht, sondern ich gehe mit ganz viel Gelassenheit an die F\u00e4lle. Meine Aufgabe ist es, einen gesellschaftlichen Dienst zu erf\u00fcllen und darauf zu achten, dass die Gesetze eingehalten werden. Und das vermag ich mittlerweile mit einer gro\u00dfen Gelassenheit und Ruhe zu vollbringen. Aber der Mensch wird seine Schuld vor einer h\u00f6heren Instanz zu verantworten haben, auch mir als Richterin steht das bevor. Und dann k\u00f6nnen wir alle nur hoffen, dass auch Gott auf die Umst\u00e4nde sehen wird und auf die Situationen, in denen wir schuldig geworden sind. Diese Einstellung hilft mir, bei meiner t\u00e4glichen Arbeit mit denen, die die Gesetze \u00fcbertreten haben.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt; font-family: Arial;\">Liebe Gemeinde, das Gespr\u00e4ch mit dieser Richterin tut mir noch immer gut. Ich habe beobachtet, dass ich, wenn ich mich an das Gespr\u00e4ch erinnere, gelassener und offener auf die Menschen zugehen kann, auch wenn ich wei\u00df, was da alles passiert ist. Ja, ich kann ihnen sogar mit Achtung und Wertsch\u00e4tzung begegnen, und jetzt kommt das verbl\u00fcffende: diese Haltung und diese Einstellung hilft oft, das es mir gelingt, sogar verfeindete Menschen wieder in eine Beziehung zu bringen.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt; font-family: Arial;\">Das sind f\u00fcr mich Schl\u00fcsselworte geworden: Achtung und Wertsch\u00e4tzung, nicht zu richten, zu verurteilen. Die Richterin lehrte mich, Paulus besser zu verstehen.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt; font-family: Arial;\">Ich bin davon \u00fcberzeugt, dass Paulus diese Grundhaltung von seiner Gemeinde in Rom fordert, wenn er sagt: <em><span style=\"font-family: Arial;\">was richtest du deinen Bruder, achte vielmehr darauf, dass du deinen Bruder keinen Ansto\u00df oder \u00c4rgernis bereitet. <\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt; font-family: Arial;\">Die Begriffe Achtung und Wertsch\u00e4tzung bringen das positiv zum Ausdruck, was Paulsu negativ formuliert. Ich hoffe, dass es uns allen immer besser gelingt, achtend und wertsch\u00e4tzend einander zu begegnen.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt; font-family: Arial;\">Amen<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Werner B\u00f6se<br \/>\n<a href=\"mailto:Werner.Boese@t-online.de\">Werner.Boese@t-online.de <\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde, &nbsp; neulich war ich auf einer Tagung f\u00fcr Kinderseelsorger. Auf dieser Tagung waren auch Richter, Anw\u00e4lte und Psychologen. Dabei ging es um Menschen und was f\u00fcr schreckliche Sachen Menschen Menschen antun. Ich bin noch immer tief betroffen von dem Leid der Kinder. 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