{"id":9993,"date":"2021-02-07T19:49:30","date_gmt":"2021-02-07T19:49:30","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=9993"},"modified":"2022-10-25T20:15:00","modified_gmt":"2022-10-25T18:15:00","slug":"markus-831-38","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/markus-831-38\/","title":{"rendered":"Markus 8,31-38"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<p><strong>(<\/strong>d\u00e4nische Perikopenordnung)<\/p>\n<p>Was wir heute geh\u00f6rt haben, vom Altar und hier auf der Kanzel, enth\u00e4lt vieles, was man vertiefen k\u00f6nnte, wie dies ja oft bei vielen inhaltsschweren Bibeltexten der Fall ist. Ich habe einen Gedanken ausgew\u00e4hlt: Die Erz\u00e4hlung vom Gespr\u00e4ch Jesu mit seinen J\u00fcngern in C\u00e4sarea Philippi handelt u.a. davon, da\u00df <em>jemand etwas von uns will<\/em>. Da\u00df wir ausersehen sind, eine Aufgabe wahrzunehmen, da\u00df uns etwas Kostbares anvertraut ist, da\u00df es uns etwas kostet, diese Verantwortung wahrzunehmen. Berufen zu sein.<\/p>\n<p>Der Satz, da\u00df <em>jemand etwas von uns will<\/em>, ist ja in sich selbst ein bemerkenswerter Satz. Man denke nur, das Gegenteil w\u00e4re der Fall: Niemand will etwas von uns. Niemand ruft nach uns.<\/p>\n<p>Nun aber will jemand etwas von uns.<\/p>\n<p>&#8222;Ihr aber seid das ausgew\u00e4hlte Geschlecht, das k\u00f6nigliche Priestertum, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, da\u00df ihr verk\u00fcndigen sollt die Wohltaten des, der euch berufen hat von der Finsternis zu einem wunderbaren Licht; die ihr vormals &#8222;nicht ein Volk&#8220; waret, nun aber &#8222;Gottes Volk&#8220; seid, und vormals nicht in Gnaden waret, nun aber in Gnaden seid&#8220;.<\/p>\n<p>So beschreibt es der Apostel Petrus f\u00fcr uns, die wir hier gerade in der Kirche sitzen, mit den Kindern, die wir getauft haben: Wir sind die Erw\u00e4hlten, Heiligen und Geliebten Gottes: Wir sind k\u00f6niglich. Wir sind ein Volk, das im Licht wohnt.<\/p>\n<p>Es geht ja ansonsten das Ger\u00fccht, das erz\u00e4hlen will, in der Kirche werde ein Christentum gepredigt, wo wir die Leute niederdr\u00fccken in Mi\u00dfmut und Selbstha\u00df, weil alle S\u00fcnder sind, von denen nicht viel zu erwarten ist, jedenfalls nichts Gutes, und die deshalb alles zu erwarten haben.<\/p>\n<p>Wei\u00df Gott, wie ein solches Ger\u00fccht so schnell in Umlauf kommen kann! Oder <em>er<\/em> wei\u00df es vielleicht gerade nicht, oder versteht nicht, wie wir es \u00fcberh\u00f6ren konnten, da\u00df er uns nicht nur z\u00fcchtigt wegen unserer fehlenden F\u00fcrsorge f\u00fcr den N\u00e4chsten und unseres fehlenden Willens, die zu sein, die wir sein sollen, sondern da\u00df er uns <em>auch<\/em> erz\u00e4hlt, da\u00df wir seine Kinder sind, da\u00df wir ihm geh\u00f6ren. Da\u00df wir K\u00f6nige sind, erw\u00e4hlt sind. Das er etwas von uns will.<\/p>\n<p>Stelle dir einmal vor, da\u00df du selbst dem lieben Gott auf einem staubigen Weg irgendwo in der Welt begegnest. Er bleibt genau vor dir stehen und geht nicht <em>seinen<\/em> Weg weiter vorbei an dir. Er sieht dir ins Gesicht und h\u00e4lt seinen Blick fest, obwohl dein Blick ausweicht in Verlegenheit. Du bekommst Mut, ihm in die Augen zu sehen, und du siehst dort die Milde, die gr\u00f6\u00dfer ist als die, mit der dich deine Mutter einmal betrachtet hat. Und stelle dir vor, da\u00df er dir gerade dort erz\u00e4hlt, da\u00df er <em>dich<\/em> erw\u00e4hlt hat, da\u00df du in seinen Augen k\u00f6niglich bist, da\u00df zu sein Geliebter bist, den er mit Licht umgeben will und bei dem er alle Tage sein will bis an das Ende der Welt.<\/p>\n<p>Jeder, der eine Liebeserkl\u00e4rung von einem Menschen erhalten hat, von dem der gerne geliebt werden will, wei\u00df, wie froh man wird und wie k\u00f6niglich und stark man sich da wirklich f\u00fchlt. Weil jemand etwas von einem will.<\/p>\n<p>Christ sein hei\u00dft in einer solchen dauerhaften Liebeserkl\u00e4rung leben. Wir erhalten sie in der Taufe, und von diesem Augenblick an sind wir neugeboren zu K\u00f6nigen und Priestern, wie Grundtvig dies in einem Lied sagt, wo es hei\u00dft, da\u00df &#8222;deine Kinder zu K\u00f6nigen und <em>Priestern<\/em> aufgezogen werden sollen&#8220;.<\/p>\n<p>Was meint Grundtvig damit, da\u00df &#8222;deine Kinder zu K\u00f6nigen und <em>Priestern<\/em> aufgezogen werden sollen&#8220;?<\/p>\n<p>Ja, er meint nat\u00fcrlich nicht, da\u00df alle einmal das wei\u00dfe Taufkleid mit dem schwarzen Talar tauschen und ein Amt in der d\u00e4nischen Volkskirche erhalten werden. Aber er meint in der Tat, da\u00df alle Getauften dieselbe Verpflichtung und Aufgabe haben, die auch ein Pfarrer hat. Die Aufgabe n\u00e4mlich, weiterzusagen, was man selbst von und \u00fcber Gott geh\u00f6rt hat. Nicht nur der Pfarrer im Talar hat diese Berufung und diese Aufgabe &#8211; das haben alle Christen. So wie jeder von uns heute geh\u00f6rt hat, was ich vorgelesen haben, da\u00df wir das ausgew\u00e4hlte Geschlecht, das k\u00f6nigliche Priestertuum, das heilige Volk sind, so haben wir darin auch die Berufung geh\u00f6rt. Eine Berufung, das ernst zu nehmen und anderen weiterzugeben, die es noch nicht auf sich selber bezogen haben.<\/p>\n<p>Petrus wurde berufen. Ihm war Jesus auch an einem staubigen Tage begegnet, er hatte geh\u00f6rt, da\u00df er ihm nachfolgen sollte, und nun h\u00f6rt er, da\u00df er die Kirche bauen soll, die der Rahmen sein soll um den Glauben an Christus.<\/p>\n<p>Berufen werden.<\/p>\n<p>Es ist wohl nicht besonders zeitgem\u00e4\u00df zu sagen, da\u00df man berufen ist. Das verbindet man h\u00f6chstens mit Nonnen und M\u00f6nchen, und man fragt etwas skeptisch und neugierig den Pfarrer, ob er auch so eine Berufung hat. Antwortet man ja, ist man wohl etwas altmodisch und anders. Antwortet man aber mit einem blanken Nein, sind die Leute in der Regel entt\u00e4uscht. Der Pfarrer sollte doch in Wirklichkeit am besten eine Berufung haben. Irgendwie meinen die Leute, da\u00df das Bewu\u00dftsein einer Berufung eine Art Qualit\u00e4tsmerkmal ist oder eine Garantie daf\u00fcr, da\u00df das, was sich da in der Kirche abspielt, auch etwas bedeutet. Da\u00df es nicht nur Leerlauf, Unterhaltung und Traditionsromantik ist. Und darin haben die Leute Recht.<\/p>\n<p>Warum aber hat die Berufung dieses Gewicht? Warum ist es z.B. so faszinierend, einer Nonne zu begegnen, die ihr Leben einer Sache gewidmet hat, weil sie sich dazu berufen f\u00fchlt? Oder wir k\u00f6nnten den Bereich der Berufung etwas erweitern und uns selbst fragen, warum es so faszinierend und Respekt gebietend ist, Menschen zu begegnen, die alle ihre Kr\u00e4fte und alle ihre Zeit und all ihre Leidenschaft in eine Sache investiert haben. Eine Sache, die ihnen weder Geld noch Prestige bringt, die aber anderen Menschen ein besseres Leben gew\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte antworten, indem man es ganz einfach formuliert: Berufung setzt voraus, da\u00df jemand beruft. Man kann sich nicht selbst berufen. Auch wenn man sagt, da\u00df man <em>seinem<\/em> Ruf folgt, so geh\u00f6rt die Berufung nicht einem selbst, es beginnt nicht von innen, es kommt immer zuerst von au\u00dfen und verbindet sich dann mit etwas im Menschen. Und es kann von zwei Stellen her kommen, zwei Stellen, die beide au\u00dferhalb meiner selbst liegen. Es kommt entweder von Gott oder von einem anderen Menschen. Beim Christen h\u00e4ngen diese beiden Stellen eng zusammen.<\/p>\n<p>Berufen sein bedeutet also, da\u00df es in der Welt mehr gibt als einen selbst. Ja etwas Gr\u00f6\u00dferes als einen selbst, denn sonst k\u00f6nnte das einen nicht rufen, einen den Weg vorzeichnen und dazu bringen, etwas ganz Bestimmtes zu tun.<\/p>\n<p>Und eben dies ist das Faszinierende und Anziehende an einem Ruf &#8211; das, was eine gr\u00f6\u00dfere Perspektive um den Menschen schafft, was stets voraussetzt, da\u00df es etwas Gr\u00f6\u00dferes gibt. Da\u00df es etwas Gr\u00f6\u00dferes gibt als dich selbst, das etwas von dir will. Du bist nicht f\u00fcr dich selbst da, du bist immer f\u00fcr einen anderen da. Jemand will etwas von dir.<\/p>\n<p>Das ist es, was dich zum K\u00f6nig macht. Den wirklich k\u00f6niglich wird nur der, der wei\u00df, da\u00df er im Dienste einer gr\u00f6\u00dferen Sache steht. Wer K\u00f6nig f\u00fcr sich sein will, um sein eigenes Leben zu bereichern, der endet wie der Kaiser in seinen neuen Kleidern &#8211; der hat in Wirklichkeit nichts an. Der ist nur aufgeblasen und l\u00e4cherlich.<\/p>\n<p>Aber wenn Gott uns zu K\u00f6nigen macht, dann tut er dies, indem er uns in den Dienst seiner Sache stellt, und das gibt uns eine ganz andere Bedeutung und W\u00fcrde als die, die der kleine dicke Kaiser hatte, der sich eitel in den Spiegel sah, um zu zeigen, wie klug er war.<\/p>\n<p>Aus der Taufe kommen als K\u00f6nige hei\u00dft, da\u00df Gott eben diesem Menschen anvertraut hat, Tr\u00e4ger seiner Botschaft zu sein. Du sollst wissen, da\u00df du gro\u00df genug bist, da\u00df Gott dir das Kostbarste von allem anvertraut und in deine H\u00e4nde legt, n\u00e4mlich die Botschaft, da\u00df jeder Mensch von der Liebe Gottes umfangen ist. Du hast die wichtige Aufgabe erhalten, deinem Mitmenschen, dem du jetzt oder bald begegnest, in Wort und Tat zu erz\u00e4hlen, da\u00df eben dieser Mensch auch von Gott geliebt und erw\u00e4hlt ist. Willst du das nicht, willst du den freien lauf der Liebe Gottes unter den Menschen behindern, weil du lieber selbst dar\u00fcber richten willst, ob dein Mitmensch nun auch die Liebe Gottes verdient hat, ja, dann bist du ein S\u00fcnder. Und dann hast du es selbst n\u00f6tig, da\u00df dir jemand begegnet mit milden Augen, der dich auftauen und lehren kann, dich selbst als geliebt zu sehen, trotz deiner Hartherzigkeit.<\/p>\n<p>Es ist die Berufung eines jeden Christenmenschen, die Botschaft von der Liebe Gottes am Leben zu erhalten. Das ist nicht immer leicht und hat seinen Preis, aber man verliert seine Seele, wenn man die Ohren verschlie\u00dft f\u00fcr all die, die da sind und einen rufen und hinter deren Ruf immer die Stimme Gottes klingt.<\/p>\n<p>Es sollte als ein Privileg verstanden werden, einen Ruf zu sp\u00fcren, denn das ist ein Privileg. Es ist ein Privileg, aus seinen eigenen Kreisen gerissen und in einem Zusammenhang gestellt zu werden, wo andere einen brauchen. Und das Gl\u00fcckliche ist, da\u00df wir alle in Wirklichkeit Kreise um uns haben, wo andere Menschen sind und nach unserer Gegenwart rufen als Echos des Rufens von Gott. Man mu\u00df nur in Gang kommen. Der Ruf <em>ist<\/em> ergangen. Amen.<\/p>\n<p><strong>Pfarrerin Kirsten J\u00f8rgensen<br \/>\nPr\u00e6stegade 2<br \/>\nDK-5300 Kerteminde<br \/>\nTel.: ++ 45 &#8211; 65 32 13 20<br \/>\ne-mail: <a href=\"mailto:kjoe@km.dk\">kjoe@km.dk<\/a> <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(d\u00e4nische Perikopenordnung) Was wir heute geh\u00f6rt haben, vom Altar und hier auf der Kanzel, enth\u00e4lt vieles, was man vertiefen k\u00f6nnte, wie dies ja oft bei vielen inhaltsschweren Bibeltexten der Fall ist. Ich habe einen Gedanken ausgew\u00e4hlt: Die Erz\u00e4hlung vom Gespr\u00e4ch Jesu mit seinen J\u00fcngern in C\u00e4sarea Philippi handelt u.a. davon, da\u00df jemand etwas von uns [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":8543,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[37,1,727,185,114,559,3,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-9993","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-markus","category-aktuelle","category-archiv","category-aus-dem-daenischen","category-deut","category-kapitel-08-chapter-08-markus","category-nt","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9993","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9993"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9993\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14395,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9993\/revisions\/14395"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8543"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9993"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9993"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9993"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=9993"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=9993"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=9993"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=9993"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}