Kirche wappnet sich für ihre Zukunft im Gesundheitswesen

Bericht in kath.ch über die Tagung «Krankenpastoral vor Ort: alte Berufung und neue Herausforderungen der Kirche» vom 9. November 2019 an der Universität Fribourg unter der Teilnahme von Simon Peng-Keller.

Wie soll die Kirche auf die Veränderungen im Gesundheitswesen reagieren? Im Rahmen einer Tagung an der Universität Freiburg wurden Chancen und Probleme diskutiert. Als kleinsten gemeinsamen Nenner einigte man sich auf die Notwendigkeit der Vernetzung.

Patricia Dickson

Nichts ist mehr, wie es einmal war. Die Gesellschaft ist pluralistischer denn je, das Gesundheitswesen zunehmend finanziell unter Druck. Ein Wandel, der auch an den Kirchen und der Spitalseelsorge nicht spurlos vorbei geht.  

Am Samstag trafen sich darum Theologen, Pflegende, Ärztinnen, Freiwillige und Seelsorgerinnen zu einer Tagung der Pastoralkommission der Schweizer Bischofskonferenz.

Thema «Krankenpastoral vor Ort: alte Berufung und neue Herausforderungen der Kirche» gab es Inputreferate, Workshops und Diskussionsrunden.


Die Gemeinschaft ist gefragt

«Wir dürfen das Terrain nicht aufgeben und anderen Heilern überlassen», mahnt François-Xavier Amherdt, Professor für Pastoraltheologie und Religionspädagogik an der Universität Freiburg, in seinem Input-Referat. «Das Engagement der Kirche für kranke Menschen ist nicht fakultativ, sondern grundsätzlich.»

Für die Begleitung der Kranken und ihrer Angehörigen sei die ganze Gemeinschaft verantwortlich. Die Rolle der Alten und Kranken müsse aufgewertet werden, das sei eine Mission. «Auf der Wallfahrt sitzen Ältere und Kranke auch in der ersten Reihe. Da gehören sie hin», sagte Amherdt.


Netzwerke pflegen

Damit die Gemeinschaft ihre Verantwortung wahrnehmen könne, brauche es heute vermehrt die Vernetzung von Seelsorgenden, Pflegeheimen und Freiwilligen. Doch Vernetzung sei einfacher gesagt, als getan.

Dies bestätigte auch Simon Peng Keller, Professor für Spiritual Care der Uni Zürich, in seinem Vortrag, worin er die aktuelle Situation analysierte. Netzwerkarbeit brauche Zeit und Ressourcen, betonte er. Zum einen müsse man Heim- und Spitalseelsorge mit der Gemeindeseelsorge vor Ort vernetzen.

Zum anderen müsse man gleichzeitig die Zusammenarbeit mit Institutionen professionalisieren, während ehrenamtliche Mitarbeiter auf Gemeindeebene ebenfalls gefördert werden sollen.

Ideen für die Zukunft der Krankenpastoral gibt es viele. Amherdt plädierte dafür, die sogenannte «Caring Community» stärker zu sensibilisieren, mit Botschaften am Krankensonntag, mit Feiern, mit Katechese für Erwachsene und mit aktiver Beziehungspflege. In der Tradition sieht er die Stärke der katholischen Kirche. Sie helfe den Kranken ganzheitlich.

Wie offen kann Tradition sein?

Auch Spitalseelsorgerin Valeria Hengartner sieht eine Stärke in der Tradition. In ihrem Workshop über Konzepte der Krankenseelsorge sagte sie: «In unserer Tradition haben wir Geschichten und Bilder, auf die wir zurückgreifen können.» Fügte allerdings aus, dass man im Umgang mit Kranken auf keinen Fall zu aufdringlich werden sollte.

Gegensätze aushalten

Doch wie kann sich katholische Seelsorge einerseits auf Tradition berufen und andererseits trotzdem für andere Wege offen bleiben? Hengartner hat im Spitalalltag für sich eine pragmatische Antwort gefunden. Beim Krankenbesuch gehe es ihr in erster Linie um die unmittelbaren, individuellen Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten.

Im Gespräch wolle sie Raum für Heilung schaffen. «Dann lasse ich das Reich Gottes einfach geschehen.» Solche Gegensätze  müsse man in der heutigen, pluralistischen Gesellschaft aushalten.  Eine Einstellung, welche ihr angesichts der bevorstehenden Herausforderungen zwischen Vernetzung, Professionalisierung und Caring Community bestimmt noch in manch schwieriger Situation helfen wird.

 

Quelle: kath.ch