Simon Peng-Keller zur Ernennung von Joseph Bonnemain zum Bischof von Chur

Ein ärztlicher Bischof – auch ein Glücksfall für die Spitalseelsorge. Zur Ernennung von Joseph Bonnemain zum Bischof von Chur.

Beitrag von Simon Peng-Keller in kath.ch

Die Ernennung von Joseph Bonnemain zum Bischof von Chur ist ein Glücksfall auf mehreren Ebenen: für das Bistum Chur, für die Katholische Kirche und die Ökumene in der Schweiz und nicht zuletzt auch für die Spitalseelsorge. Denn der Neugewählte bringt gesundheitsberufliche und gesundheitspolitische Kompetenzen mit, die für einen Bischof ungewöhnlich sind. Joseph Bonnemain studierte an der Universität Zürich Medizin und wurde 1975 zum Dr. med promoviert. Das leidgeprüfte Bistum bekommt damit einen Bischof, der auch ein Arzt ist. Als solcher war Bonnemain von 1983 bis 1991 Mitglied der Delegation des Heiligen Stuhls bei der Weltgesundheitsorganisation und kennt sich damit auch in gesundheitspolitischen Fragen aus. Joseph Bonnemains Engagement im Gesundheitswesen beschränkte sich jedoch nicht auf die politische Ebene. Seit 1985 ist er als Seelsorger im Limmattal-Spital tätig und gehört damit zu den amtsältesten Spitalseelsorgern im Kanton Zürich. Er ist damit nicht nur mit den konfliktreichen katholischen Innenwelten bestens vertraut, sondern auch mit der Welt eines nicht weniger spannungsreichen säkularen Gesundheitswesens. Dass ein Offizial und Mitglied der Bistumsleitung gleichzeitig so intensiv in der Spitalseelsorge tätig ist, kommt meines Wissens nicht allzu häufig vor und sagt etwas über den Menschen aus, dem Papst Franziskus nun die Leitung des Bistums Chur übergibt. Er steht für eine Kirche, die an die Ränder geht, die auf leidende Menschen zugeht, die sich nicht in eine geschützte Sonderwelt zurückzieht, sondern auch in säkularen Sphären präsent bleibt und sich mutig in sie einbringt. Mit Joseph Bonnemain bekommt das Bistum Chur und die Schweiz einen Bischof, dem das kirchliche Engagement im Gesundheitswesen am Herzen liegt und der die besonderen Herausforderungen heutiger Spitalseelsorge aus langjähriger Erfahrung kennt. Mit Blick auf die rasch voranschreitenden Entwicklungen in diesem Bereich und dem damit verbundenen Handlungsbedarf kommt diese Wahl, dieser Kompetenzzuwachs wie gerufen. Es mag zwar am Rosenmontag 2021 nur beschränkt möglich sein, seiner Freude öffentlich Ausdruck zu geben. Doch an vielen guten Gründen dafür fehlt es nicht!

Quelle: kath.ch