Interview mit Christiane Tietz

Wissenschaftliche Arbeit versus andere Berufstätigkeit: Weshalb haben Sie sich für die Wissenschaft entschieden?

Nach dem Abschluss des Studiums wollte ich einfach noch mehr wissen und weitere theologische Bereiche selbst durchdenken und verstehen.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit und was ist das Besondere dabei?

Mich fasziniert die Vielfalt der Tätigkeit. Sie umfasst u. a. Forschung, Lehre, Vorträge innerhalb und ausserhalb des Wissenschaftsbetriebs, Doktorierendenbetreuung, wissenschaftliche Gremien, internationale Kontakte etc. etc. Ich kann hier ganz verschiedene Aspekte meiner Persönlichkeit einbringen, etwa Neugier, Freude am Vermitteln, Strukturiertes Denken, Sorgfalt etc.

Wenn Sie an Ihre Karriere zurückdenken, gab es einen besonders prägenden Erfolg, auf welchen Sie stolz zurückblicken? Was war die grösste Heraus-forderung Ihrer Laufbahn?

Direkt nach meiner Habilitation erhielt ich einen Anruf, ob ich ein Semester am Union Theological Seminary in New York unterrichten möchte. Dies mir zuzutrauen und dann zu bewältigen, obwohl ich nur Schulenglisch konnte, sowie in Big Apple, wo ich niemanden kannte, Freunde zu finden, hat mir viel Selbstvertrauen gegeben.

Hatten Sie Vorbilder, die Ihren Werdegang beeinflusst haben? Welche?

Beeinflusst hat mich sicher mein akademischer Lehrer Eberhard Jüngel der mir die Freude am wissenschaftlichen Nachdenken, u. a. über den christlichen Glauben, vermittelt hat. 

Welche Massnahmen ergreifen Sie als Professorin, um den wissenschaftlichen Nachwuchs (insbesondere Fr auen) an Ihrem Institut zu fördern?

Mein zweitägiges Doktorandenseminar organisiere ich so, dass genug Zeit für den Austausch der Doktorierenden untereinander bleibt, damit sie sich als Peers in allen Phasen und bei allen Aufs und Abs der Promotion unterstützen können. Ich sorge ausserdem für eine konstruktive, wertschätzende Diskussionsatmosphäre. Bei der Projektbetreuung versuche ich Frauen wie Männer ermutigend zu begleiten, also den jeweiligen Fortschritt herauszustreichen.

Welche Tipps geben Sie einer Nachwuchsforscherin mit auf den Weg, die eine akademische Karriere ins Auge fasst?

Warten Sie nicht darauf angesprochen zu werden, ob Sie promovieren oder einen anderen Schritt gehen wollen. Ergreifen Sie selbst die Initiative!