Matthäus 11, 2-10

Matthäus 11, 2-10

Johannes hatte im Gefängnis von den Taten des Messias
gehört. Er schickte seine Gefolgsleute und ließ Jesus sagen:
„Bist du es, der kommen soll? Oder müssen wir auf jemand anderen
warten?“ Jesus antwortete und sagte zu ihnen: „Geht und erzählt
Johannes, was ihr hört und seht: Blinde sehen wieder, Gelähmte
gehen umher, Aussätzige werden rein und taube Menschen können
hören. Tote werden aufgeweckt, zu den Armen wird die Botschaft der
Freude gebracht
[Jes 26,19; 29,18f.; 35,5f.; 42,18; 61,1.] Glücklich
ist, wer nicht wegen mir Verfehlungen begeht.“ (Als sie weggingen,
fing Jesus an, zur Volksmenge über Johannes zu sprechen: „Was
wolltet ihr euch in der Wüste ansehen, als ihr hinausgewandert seid?
Ein Schilfrohr, das im Winde hin und her schwankt? Also, was wolltet ihr
sehen, als ihr hinausgewandert seid? Einen Menschen in weichen Gewändern?
Seht, die Leute, die weiche Gewänder tragen, wohnen in den Königspalästen.
Also, was wolltet ihr sehen, als ihr hinausgewandert seid? Einen Propheten?
Ja, ich sage euch: Sogar mehr als einen Propheten. Dieser ist es, über
den geschrieben steht: ›Seht, ich sende meinen Engel dir voraus,
der deinen Weg für dich ebnen wird.
‹“ [Mal 3,1.] )
(Übersetzung aus: der gottesdienst. Liturgische Texte in gerechter
Sprache. Teil 4: die Lesungen, hg. von Erhard Domay und Hanne Köhler,
Gütersloh 2001)

Vorbemerkung:
Diesen Sonntag werde ich mit zwei Musikerinnen (Organistin/Sopranistin
und Altblockflötistin) als einen musikalischen Adventsgottesdienst
gestalten. Die Musikerinnen haben dafür folgendes ausgewählt:
Händel Sonate B-Dur für Blockflöte und B.c. Sätze
1-3 und Händel-Sonate D-moll 1. Satz.
Die Lieder: EG 13, EG 15, EG 10, EG 19, EG 4 sowie solistisch gesungen:
„Trittst du wieder vor die Nacht“ von H.F. Micheelsen.

Liebe Gemeinde,

die Kälte hat Einzug gehalten. Auf dem Brocken waren 35 Grad minus
gefühlte Temperatur. Es ist endlich Winter. Es mag sogar sein, dass
es bald Schnee gibt. Winter, das ist eine Jahreszeit, die in Israel die
Menschen mit blühenden Pflanzen, ein wenig Regen und ein wenig mehr
Grün verbinden. Manchmal wird das Wasser sogar gefährlich, wenn
in der Wüste die trockenen Flussbetten, die Wadis gefüllt sind.
Am vergangenen Wochenende haben wir uns mit unseren israelischen Freunden
in Amsterdam getroffen. Das erste Mal hat die zwanzigjährige behinderte
Tochter meiner Freundin „richtige Kälte“ und Schnee gespürt.
Sie haben es genossen, nicht mit eingezogenen Schultern morgens aus der
Haustür gehen zu müssen, weil über ihnen israelische Hubschrauber
kreisen auf dem Weg in den Gaza oder weil wieder ein Attentat verübt
wurde. Sie haben es genossen, sich nicht täglich, nein stündlich
mit der desolaten Situation befassen zu müssen. Chanukka-Ferien im
Winter in Amsterdam, der wasserreichen, der romantischen Metropole. Rahel,
die Tochter meiner Freundin hatte diesen Wunsch schon lange. Ihre Vorfreude
begann mit dem ersten Tag der Planung und dauerte bis zum letzten Tag
vor der Abreise. Kleine Botschaften hatte sie an uns gesandt: Ich freue
mich so, auf Amsterdam und darauf, Euch zu treffen. Seid ihr schon unterwegs?
Sie hat dafür die in moderner Gestalt, nämlich sogenannte SMS-Botschaften.
Auf ihrem Gottesdienstblatt sehen Sie die Kopie einer sms-Botschaft. Das
ist eine kurze Nachricht, die von einem Mobiltelephon aus auf ein anderes
gesandt werden kann, da die Nummerntasten des handys zugleich mit Buchstaben
belegt sind.

Eine kurze Botschaft der Vorfreude:
Hören wir unseren Predigttext aus dem Matthäus-Evangelium.
Aus dem Gefängnis heraus schickt Johannes – möglicherweise ein
geheimes – Dossier; seine Gefolgsleute übermitteln die Anfrage an
Jesus: „Bist du es, der da kommen soll oder sollen wir auf jemand
anderen warten?
“ Er hatte im Gefängnis von den Taten des
Messias gehört. Jesus antwortete und sagte zu ihnen: „Geht und
erzählt Johannes, was ihr hört und seht: Blinde sehen wieder,
Gelähmte gehen umher, Aussätzige werden rein und taube Menschen
können hören. Tote werden aufgeweckt, zu den Armen wird die
Botschaft der Freude gebracht.
Glücklich ist, wer nicht wegen
mir Verfehlungen begeht.“

Eine abenteuerliche Geschichte. Einer, der in der Gefahr ist, sein Leben
zu verlieren (und wie wir wissen, passiert dies auch), will Gewissheit
haben, ob das, was er sogar im Gefängnis über Jesus hört,
wahr sei: Dass dieser der Messias, der Retter Israels sei. Er verklausuliert
die Frage: Bist du es, der da kommen soll, so wie er zuvor in der Wüste
den Messias angekündigt hat. (siehe Maleachi 3 und Matthäus
3,11). Ist er derjenige, auf den Johannes und viele warten?. War er auf
dem richtigen Wege?

Sie sind einander verbunden, Johannes und Jesus: „Siehe ich sende
meinen Boten vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll“.,
dieser sei Johannes, sagt Jesus. Das Leben und die Vision des einen ist
mit der des anderen verknüpft – so ist das Szenario. Er hatte gehört
… die Nachricht(en) waren übermittelt worden – wie auch immer.
Durch dicke Gefängnismauern, weitergegeben über die Treuen des
Johannes. Was ist es nun, was sie sehen und hören – und was Jesus
bestätigt: Dramatisches ereignet sich. Und Wer Ohren hat, der höre:
Nachrichtenübermittlung, die gelingt. Die Botschaft ist angekommen.
Alles, was festgefügt war, alles, was schicksalhaft verordnet schien,
gerät in Bewegung. Wie im Winter, wenn in der Wüste die Blumen
blühen. Menschen, die sich mit Einschränkungen bereits abgefunden
hatten, werden von diesen befreit. Sogar Tote werden aufgeweckt; Menschen,
die bereits mit dem Leben abgeschlossen hatten. Schon wie tot waren, mitten
im Leben. Diese Botschaft dringt durch – sogar zu den Bettelarmen; zu
ihnen, die die Verzweiflung umgibt, wird die Botschaft der Freude gebracht.
Der FREUDE, nicht nur der Vorfreude. Und glücklich ist, wer das mittragen
kann. Wen das nicht ängstigt, sondern beflügelt. Und glücklich
ist, wen das Glück derer, die bisher nicht zu den Glücklichsten
zählten, mit Glück erfüllt – und nicht mit Neid. Johannes
und Jesus, ein gut kooperierendes Duo. Ein Modell der gegenseitigen Wertschätzung.
Ein Bild für gelingendes „Ziehen am gemeinsamen Strang“.
Mag sein, dass es auch Konkurrenz und Widersprüche gab; mag sein,
dass es nicht gleich war, was sie wollten. Aber sie teilten die Vision
der „Botschaft der Freude“, der Gewaltlosigkeit und des Friedens,
der Gerechtigkeit und des Friedens.

Amen

Hanna Kreisel-Liebermann
Wilhelm-Weber-Str. 1
37073 Göttingen
Tel 0551-44713
hannakl@gmx.de

 

 

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