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Islamische Medizin und Bioethik

Die islamische Bioethik gewinnt heute zunehmend an Relevanz, weil medizinische Entscheidungen in pluralen Gesellschaften auch religiöse und kulturelle Wertvorstellungen einbeziehen müssen. Besonders Fragen zu Lebensende, Demenz, künstlicher Ernährung, Geschlecht oder reproduktiver Medizin machen sichtbar, wie eng medizinische Praxis, ethische Normen und religiöse Deutungen miteinander verflochten sind. Vor diesem Hintergrund befasst sich der Forschungs- und Lehrbereich Islamische Medizin- und Bioethik mit ethischen Fragestellungen an der Schnittstelle von Medizin, Religion und Gesellschaft aus einer islamischen Perspektive. Im deutschsprachigen Raum hat sich dieses Forschungsfeld insbesondere in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend etabliert. Während zunächst vor allem klassische Quellen wie Koran und Sunna sowie deren Auslegung im Zentrum standen, rücken heute verstärkt gegenwartsbezogene medizinethische Herausforderungen in den Fokus. Besondere Bedeutung gewinnt dabei die Frage, wie islamisch-ethische Positionen in pluralen medizinethischen Kontexten reflektiert und angewendet werden können.

Die Forschung widmet sich insbesondere normativen Debatten zu Fragen des Lebensanfangs und Lebensendes, zu Alter(n) und Demenz, Pflegeethik sowie zu geschlechtsspezifischen medizinischen Eingriffen und Therapien. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie aktuelle medizinische Entwicklungen aus islamisch-ethischer Perspektive eingeordnet und bewertet werden können. Dabei werden klassische islamische Rechtstraditionen mit gegenwärtigen ethischen Diskursen ins Gespräch gebracht, etwa im Bereich assistierter Suizid oder Sondenernährung. Ein besonderes Augenmerk gilt zudem der Auseinandersetzung mit Körperkonzepten, Geschlecht und medizinischen Behandlungen in islamischen Kontexten. Ausserdem wird untersucht, wie religions- und kultursensible Ansätze im Gesundheitswesen zu einer angemessenen Versorgung muslimischer Patient:innen beitragen können. Der Forschungs- und Lehrbereich ist eng mit dem Institut für Sozialethik (ISE) verbunden.

In der Lehre ist das Fachgebiet unter anderem im Masterstudienprogramm Gesundheit im Kontext von Spiritualität, Ethik und Religionen verankert. Studierende erwerben grundlegende Kenntnisse zu religiösen Perspektiven auf Krankheit, Leiden und Sterben sowie zu ethischen Fragestellungen im Gesundheitswesen. Sie werden dazu befähigt, religiös-spirituelle Dimensionen in konkreten Situationen zu erkennen, sensibel damit umzugehen und medizinische Entscheidungen kritisch zu reflektieren. Das Studienangebot ist interdisziplinär ausgerichtet und eröffnet vielfältige Perspektiven in Bereichen wie Gesundheitswesen, Sozialer Arbeit, Bildung oder Forschung.

Portrait Hadil Lababidi

Lecturer

Hadil Lababidi, Dr.
Lecturer Islamische Medizin- und Bioethik / Lecturer for Islamic Biomedical Ethics

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Team (ISE)