Studium Spirituale

Im Kanon der theologischen Fächer ist die Praktische Theologie diejenige Disziplin, die sich mit der religiösen Praxis in der Gegenwart beschäftigt. Die Aufgliederung des Faches in die „klassischen“ Teilfächer der Homiletik, Seelsorgelehre und Religionspädagogik lässt eine starke Fokussierung auf den Pfarrberuf erkennen. Was religiöse Praxis ist, wird stark durch die pastorale Schlüsselprofession bestimmt. Wenn hier von „Spiritualität“ die Rede ist, soll die Glaubens- und Lebenspraxis aller Christen ins Blickfeld gerückt werden. Im Studium Spirituale geht es in erster Linie um Praktiken, die den Glauben als Lebensform einüben.
Im Rahmen eines vierteiligen Zyklus bietet das Studium Spirituale die Gelegenheit, elementare religiöse Praktiken zu erkunden und sich mit ihrem geschichtlichen Ursprung auseinanderzusetzen. Pilgern, Lesen, Fasten und Beten verbinden Leib und den Geist. Es sind Praktiken, die sich im biblischen Zeugnis finden, eine lange Wirkungsgeschichte haben und auf ihre anthropologische und theologische Bedeutung befragen lassen. In Form von Übungen wird eine akademisch reflektierte Weise der Erfahrung angeboten, die das klassische textbasierte Studium sinnvoll ergänzt und bereichert. Die jeweils aktuelle Übung ist im Verzeichnis der Lehrveranstaltung auf der Homepage der UZH einsehbar.
Prof. Dr. Ralph Kunz, Professor für Praktische Theologie, Universität Zürich