Partizipation am Lebensende. Traum- und Wachvisionen in Todesnähe
Das Projekt geht von der Tatsache aus, dass Menschen in Todesnähe häufig visionäre Erfahrungen machen. In zwei Teilprojekten untersuchen wir diese Traum- und Wachvisionen mit dem Ziel, ihre Bedeutung für die Betroffenen und ihre Begleitenden besser zu verstehen. Das Projekt beruht auf einer Kooperation von Forschenden der UZH mit Gesundheitsfachpersonen und Bürger:innen im Umfeld verschiedener Palliativeinrichtungen.
Teilprojekt 1 sondiert die Möglichkeiten, die Erfahrung von und den Umgang mit Visionen von betroffenen Patient:innen in den beteiligten Institutionen zu erheben. Zusammen mit Fachpersonen soll erkundet werden, welche Rolle diese Erfahrungen aus der Sicht verschiedener Akteursgruppen spielen, wie mit ihnen umgegangen wird und wie sie am angemessensten erfasst und dokumentiert werden können.
Teilprojekt 2 zielt auf eine breitere Öffentlichkeit und konzentriert sich auf die narrative Kommunikation visionärer Erfahrungen. Es exploriert die Grundlagen für den Aufbau einer umfassenden öffentlichen Sammlung von Erzählungen: Wie kann im Interesse einer besseren Wahrnehmbarkeit aussichtsreich zum Teilen dieser sensiblen Erfahrungen resp. Erzählungen eingeladen werden? Welche Möglichkeiten bietet eine Online-Plattform?
In Aufnahme und Weiterentwicklung der Ansätze von Allan Kellehear und Christopher Kerr ist das Projekt einem narrativ-hermeneutischen Zugang verpflichtet. Es stellt die erzählende Sinnbildung der Betroffenen resp. Begleitenden ins Zentrum, ihre «narrative Handlungsmacht» (Hanna Meretoja). Damit verfolgt das Projekt, was den weiteren Public-Health-Horizont betrifft, einen «Compassionate Community»-Ansatz (Julian Abel, Allan Kellehear), der Sorge am Lebensende programmatisch als gemeinschaftliche Aufgabe versteht. Über den Grundgedanken der Partizipation entspricht dieser Ansatz auch der Citizen-Science-Methodik, der beide Teilprojekte verpflichtet sind.
Gesamtleitung: Prof. Dr. Simon Peng-Keller, Professur für Spiritual Care
Teilprojekte
Teilprojekt 1: Dr. Mirjam Mezger, Professur für Spiritual Care, ZHAW Gesundheit, Institut für Pflege
Dr. Lilo Ruther, Professur für Spiritual Care
Teilprojekt 2: PD Dr. Andreas Mauz, Professur für Spiritual Care, Institut für Hermeneutik und Religionsphilosophie, Deutsches Seminar
Start: September 2026
Institutionelle Kooperationen
- Abteilung für Palliativmedizin, Spital Grabs
- Hospiz Zentralschweiz, Luzern
- Hospiz Oberwallis HOPE, Ried-Brig
Mitglieder der erweiterten Forschungsgruppe
Dr. med. Sibylle Jean-Petit-Matile, Leitende Ärztin Hospiz Zentralschweiz, Luzern
Dr. med. Raoul Pinter, Leitender Arzt Abt. für Palliativmedizin, Spital Grabs
Margarete Reisinger, MScN, MAS, RN, Pflegeexpertin APN, Palliative Care, Universitätsspital Zürich
PD Dr. med. Mathias Schlögl, Chefarzt Geriatrie Barmelwaid
Caroline Walker Miano, Geschäftsleiterin Hospiz Oberwallis, Ried-Brig
Publikationen (exemplarisch)
- Simon Peng-Keller, Andreas Mauz: Sinnereignisse und Sterbeerzählungen. Zur narrativ-hermeneutischen Dimension interprofessioneller Palliativversorgung. In: Bernd Alt-Epping, Thomas Fuchs (Hg.): Philosophie der Palliativmedizin. Von den Grundlagen zum reflektierten Handeln. Stuttgart: Kohlhammer 2026 [im Druck].
- Simon Peng-Keller: An den Bruchstellen des Sinns: Narrativ-hermeneutische Grundlagen für interdisziplinäre Spiritual-Care-Forschung. In: Spiritual Care 14 (2025), 3, 220–228.
Download Link - Lilo Ruther: Ritualisierende Agency in Todesritualen. Eine Untersuchung der Positionierung(en) von gemeinschaftsungebundenen Ritualleiter:innen in der Deutschschweiz. Wiesbaden: Springer 2024.
- Mirjam Mezger: Religion, Spiritualität, Medizin: alternative Religiosität und Palliative Care. Bielefeld: Transcript 2018.
- Simon Peng-Keller, Andreas Mauz (Hg.): Sterbenarrative. Hermeneutische Erkundungen des Erzählens am/vom Lebensende. Berlin: de Gruyter 2018 (Studies in Spiritual Care 4).
- Simon Peng-Keller: Sinnereignisse in Todesnähe. Traum- und Wachvisionen Sterbender und Nahtoderfahrungen im Horizont von Spiritual Care. Berlin: de Gruyter 2017 (Studies in Spiritual Care 1).
- Simon Peng-Keller: Symbolisierungen des ultimativen Abschieds. Zum Bilderleben Sterbender. In: Schweizer Archiv für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie 167 (2016), 81–87.