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Portrait Christoph Staub

Christoph Staub

  • Fachlehrer und Mittelschulseelsorger

Fachlehrer und Mittelschulseelsorger

Der Weg ins Theologiestudium führte für mich über ethische Fragestellungen. Ich interessierte mich für die Grundlagen unserer Gesellschaft, unsere Werte und Erzählungen. Vor zwanzig Jahren wurden noch fast alle Theologiestudierenden zu Pfarrpersonen, sodass ich mich in Ruhe mit den grossen Daseinsfragen beschäftigen konnte und als Backup immer noch Pfarrer hätte werden können. Doch soweit kam es bis heute nicht.

Meine erste Vorlesung habe ich noch in bester Erinnerung: ein älteres Ehepaar als Gastteilnehmende, zwei pensionierte Pfarrer, ich selbst sowie ein Privatdozent, der von der ersten Minute an ein Feuerwerk an Forschungsfragen und Erkenntnissen zündete. Endlich jemand, der meine Fragen differenziert beantworten konnte und mir half, neue zu entwickeln. Zwei Stunden später realisierte ich, dass die Vorlesungen um 8 Uhr bei meinen Mitstudierenden nicht sonderlich beliebt waren – deshalb waren wir nur eine kleine Gruppe. Ich hatte das Glück, mit tollen Kommiliton:innen zu studieren, und wir zelebrierten die 3-Drittel-Regel: «Je ein Drittel Selbststudium, Vorlesung und gemeinsamer Austausch».

Im Studium ging ich meinen eigenen Weg und studierte mit ERASMUS in Göttingen. Zurück in Zürich vertiefte ich mich in der Religionswissenschaft – die Grundlage für meine heutige Tätigkeit. Noch während des Studiums begann ich Stellvertretungen an Zürcher Gymnasien zu übernehmen und absolvierte parallel das Lehrdiplom für Maturitätsschulen. Nach dem Studium wurde ich angefragt, an der Kantonsschule Zürcher Unterland ein Lehrpensum zu übernehmen. Dort blieb ich über zehn Jahre und wuchs in meine Doppelfunktion als Fachlehrer und Mittelschulseelsorger hinein.

Ich schätze den Austausch mit meinen Schüler:innen und staune immer wieder, wie sie sich in ihrer Gymnasialzeit vom Kind zum jungen Erwachsenen entwickeln. Diese Veränderung klappt nicht immer reibungslos – und da komme ich ins Spiel. Wenn das Gespräch mit den Eltern schwierig wird und ihre Peers überfordert sind, stehe ich ihnen vertraulich zur Verfügung.

Die Ökumenische Mittelschularbeit bietet keine Therapien an, aber wir triagieren und vermitteln Hilfe, sodass unsere Schülerinnen ihre Entwicklungsschritte bewältigen und das Gymnasium erfolgreich absolvieren können. Neben eigenen Veranstaltungen und Studienreisen leite ich an meiner Schule einen kirchlichen Jugendtreff und ermögliche so einen Freiraum, in dem unsere Schülerinnen einfach mal Mensch sein können – ohne ständig von den Ansprüchen der Leistungsgesellschaft gestört zu werden.