Header

Suche
Portrait Michael Uebersax

Michael Uebersax

  • Head of HR

Head of HR

«Was hat es dir gebracht, Theologie zu studieren, wenn du gar nicht im Pfarramt tätig bist?», werde ich zuweilen gefragt. Meine Antwort lautet jeweils: «Sehr viel. Und stünde ich heute nochmals vor der Studienwahl, würde ich wieder Theologie wählen.»

Entschieden habe ich mich aus Interesse: Schon als Kind haben mich Geschichten – auch die biblischen – fasziniert. Mit meinem Vater blätterte ich stundenlang in Kunstkatalogen, während er mir die biblischen Hintergründe der Gemälde erklärte. Später habe ich mich in einer schulischen Abschlussarbeit intensiv mit HIV und Aids befasst – auch im Kontakt mit dem Aidspfarramt Basel. Dabei wurde mir bewusst, wie stark Theologie an existentiellen Lebensfragen anknüpfen kann, was mein Interesse gegenüber biologischen Fragestellungen zunehmend überwiegen liess.

Beim Studienbeginn eröffnete sich mir ein Kosmos von Fächern, Fragestellungen und Themen: mehr als 3000 Jahre Zivilisationsgeschichte mit Auswirkungen bis in die Gegenwart und Zukunft. Denn Religion und Glaube, als genuin menschliche Bedürfnisse, prägen unsere Gesellschaft – im Guten wie im Schlechten.

Nach Studium und Ordination habe ich beruflich in der Privatwirtschaft Fuss gefasst, vor allem im Human Resources. Heute arbeite ich als Head of HR in einem internationalen Industrieunternehmen und habe zuvor in der Finanz- und Versicherungsbranche sowie in der Aviatik Erfahrungen gesammelt. Dass ich während des Studiums in ganz unterschiedlichen Bereichen tätig war – von der Pflege über den Unterricht bis zum Flughafen-Check-in – kam mir dabei sehr zugute.

Im nichtkirchlichen Umfeld braucht es manchmal Übersetzungsarbeit, um die im Theologiestudium erworbenen Kompetenzen zu vermitteln. Doch genau diese Übersetzungsfähigkeit ist selbst eine theologische Stärke. So beantworte ich die Eingangsfrage auch immer wie folgt: «Das Theologiestudium hat mich gelehrt, Dinge aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und differenziert zu analysieren – eine Fähigkeit, die ich täglich brauche.» Denn das ist ja auch eine Konstante der Menschheitsgeschichte: dass es oftmals mehr als nur einen Blickwinkel auf etwas gibt. Und dass Glaubenssätze aller Art sich nicht nur in der Religion vorfinden, sondern auf vielfältige Weise unseren Alltag beeinflussen.