Neues Testament
Die neutestamentliche Wissenschaft untersucht die für den christlichen Glauben grundlegenden Texte des Neuen Testaments in ihren historischen, literarischen und religiösen Kontexten. Im Zentrum stehen Fragen nach der Entstehung der Texte, ihren Überlieferungsbedingungen sowie ihrer Verankerung in der zeitgenössischen jüdischen Tradition in Palästina und der Diaspora. Zugleich wird das entstehende Christentum in die Literatur, Kultur und politische Ordnung der griechisch-römischen Welt der frühen Kaiserzeit eingeordnet.
Zu den Bezugswissenschaften gehören neben der klassischen Philologie und der Alten Geschichte auch Judaistik, Archäologie sowie Epigraphik und Papyrologie. Neben der historisch-philologischen Analyse spielt die hermeneutische Interpretation der Texte eine zentrale Rolle: Sie erschliesst deren Sinngehalt, Tragweite und theologische Relevanz und stellt Bezüge zu anderen theologischen Disziplinen sowie zur gegenwärtigen Rezeption biblischer Texte her.
Die neutestamentliche Forschung in Zürich wird durch zwei komplementäre Lehrstühle geprägt:
Neues Testament / Antikes Judentum und Hermeneutik
Die Professur für Neues Testament, Antikes Judentum und Hermeneutik erforscht zentrale Texte des frühen Christentums im Kontext des antiken Judentums und der Rezeptionsgeschichte der Schriften Israels. Schwerpunkte der Arbeit am Lehrstuhl liegen auf den Texten aus Qumran und der jüdischen und frühchristlichen Apokalyptik, der Erforschung der Paulusbriefe innerhalb des pluralen Judentums seiner Zeit, der johanneischen Literatur und seiner Wirkungsgeschichte und den frühchristlichen Apokryphen. Ergänzend widmet sich der Lehrstuhl grundlegenden Fragen der Exegese und Theologie des Neuen Testaments, um die Texte sowohl historisch als auch im Kontext ihrer literarischen, theologischen und kulturellen Wirkung zu erschliessen.
Neues Testament / Griechisch-römische Kultur
Der Lehr- und Forschungsbereich Neutestamentliche Wissenschaft mit dem Schwerpunkt griechisch-römische Kultur untersucht die frühesten Texte des entstehenden Christentums als Teil der Literatur, Geschichte und Kultur des Römischen Reiches der frühen Kaiserzeit. Im Zentrum stehen die Wechselwirkungen zwischen frühchristlichen Texten und ihren politischen, sozialen und religiösen Kontexten.
Forschungsschwerpunkte von Prof. Dr. Stefan Krauter und seinem Team liegen insbesondere auf den authentischen Paulusbriefen, den Pastoralbriefen sowie der Apostelgeschichte. Diese Texte werden im Horizont der griechisch-römischen Literatur, Philosophie und politischen Kultur analysiert und in ihrer theologischen und historischen Bedeutung erschlossen. Daneben ist die Erschliessung der Auslegungsgeschichte, insbesondere der Kommentierung des Neuen Testaments in der frühen Neuzeit, ein wichtiges Forschungsgebiet der Professur.