1. Kor 15,20–28

· by predigten · in 07) 1. Korinther / 1 Corinthians, Aktuelle (de), Archiv, Beitragende, Bibel, Deutsch, Kapitel 15 / Chapter 15, Kasus, Neues Testament, Ostersonntag, Peter Schuchardt, Predigten / Sermons

Voller Hoffnung das Leben feiern | Ostersonntag | 05.04.2026 | 1. Kor 15,20–28 | Peter Schuchardt |

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes, und die Gemeinschaft des Hl. Geistes sei mit euch allen! Amen

 

Voller Hoffnung das Leben feiern

Liebe Schwestern und Brüder,

heute feiern wir das Leben. Denn wir feiern Ostern! Die Osterfreude ist eine ganz tiefe Freude, die das ganze Leben erfüllen will. Es gibt ja auch die Freude, die man bei einem Popkonzert, bei einer Party mit Freunden erleben kann. Die ist auch schön. Doch die Osterfreude reicht noch tiefer. Denn sie hat das Dunkel hinter sich gebracht. Ostern ist ja untrennbar mit Jesus Christus verbunden. Und damit ist es untrennbar mit seinem Tod am Kreuz verbinden. Die Osterfreude kennt das Dunkel, die Traurigkeit, den Tod. Doch nun ist das alles überwunden. Denn Jesus ist auferstanden!

Er ist auferstanden: Die Jüngerinnen und Jünger haben dieses Wort genommen, um ihre Freude auszudrücken, diese tiefe Erfahrung: Jetzt ist alles anders. Wir hatten Jesus doch ins Grab gelegt. Wir hatten so sehr um ihn geweint. Wir waren untröstlich. Und nun ist alles anders. Nun spüren wir Freude. Nun können wir wieder lachen. Nun ist das Dunkel verflogen und wir stehen im Licht. Nun sind wir wieder voller Hoffnung. Und die ersten Jünger werden sich sicher erinnert haben an die Zeit, als sie mit Jesus gewandert sind, hin zu den Menschen, den Kranken, den Verzweifelten. All denen hatte Jesus Hoffnung gegeben. Die Jünger selbst waren voller Hoffnung: Mit Jesus würde Gottes neue, wunderbare Welt beginnen. Am Karfreitag war diese Hoffnung mit Jesus am Kreuz gestorben und mit dem Leichnam ins Grab gelegt worden. Alles war aus und vorbei. Und nun das: Das Grab ist leer, erzählen die Frauen. Jesus lebt. Die Hoffnung war nun wieder da. Doch sie war noch mehr, noch größer, noch umfassender. Denn nun wussten die Jünger: Nicht einmal der Tod konnte Jesus besiegen – nein, nun ist der Tod besiegt. Diese Hoffnung tragen wir Christen und Christinnen durch die Zeiten hindurch bis heute, in unseren Herzen. Und sie ermutigt uns und so viele andere, sich einzusetzen für den Nächsten. Sie ermutigt auch, sich nicht abzufinden mit der Welt, wie sie ist, mit all ihren Schrecken, ihren Kriegen, der Traurigkeit und Angst. Darum setzen sich so viele Frauen und Männer aus ihrem christlichen Glauben heraus ein für die Schwachen, für eine bessere und gerechtere Welt. Und das alles, weil Chrsitus auferstanden ist!

Doch „Halt! Stopp!“, mag nun mancher von euch denken und sagen: „Also, ich finde die Kirche gut, das sind oft so wunderbare Gebäude, da ist Gemeinschaft, und das mit dem Einsatz für die Schwachen ist auch echt in Ordnung. Aber das mit der Auferstehung, das ist mir denn doch ein bisschen zu doll. Langt es nicht, wenn ich sage: Jesus war ein guter Mensch, ein Vorbild, der viele gute Dinge gesagt und getan hat? Und das mit der Auferstehung, das lassen wir einfach weg?!“  Liebe Schwestern und Brüder, es ist völlig in Ordnung, diese Frage zu stellen. Ich weiß, dass viele skeptisch und zurückhaltend auf die Auferstehung gucken. Und wer sich Jesus als Vorbild nimmt für sein Leben, der ist doch schon auf dem richtigen Weg. Aber überlegt einmal: Bei all dem Einsatz für die Hilflosen, bei allem wunderbaren Gemeinschaftsgefühl, bei all dem wäre Jesus dann doch auch nur ein Mensch wie alle anderen. Einer der unzähligen guten Menschen, die es im Laufe der Jahrtausende gegeben hat, die die Welt aber nicht verändert haben. Ganz ehrlich: Wenn das alles wäre, was ich über Jesus sagen kann, dann wäre es für mich verwunderlich, warum dann immer noch und immer mehr Menschen an den auferstandenen Jesus Christus glauben und daran, dass er diese Welt grundlegend verändert hat.

Diese Skepsis und Zurückhaltung bei der Auferstehung, die gibt es schon von Anfang an in den christlichen Gemeinden, liebe Schwestern und Brüder. Selbst die Jünger, die den auferstandenen Christus sehen, zweifeln. Ja, dieser Zweifel begleitet uns auch durch die Jahrtausende hindurch. Heute hören wir von dem Apostel Paulus. Der hat ja selber viele Gemeinde gegründet. Das Besondere bei ihm ist: Er hat anfangs die Christen verfolgt und töten lassen. Doch dann ist ihm vor Damaskus Christus selber begegnet. Das hat sein Leben verändert. Nun wurde aus dem Christenverfolger selber ein Christ, ein Apostel, ein Bote, der die Botschaft von der Auferstehung in die Welt brachte. Er predigte, er taufte, er gründete Gemeinden. Eine dieser Gemeinden ist in der Stadt Korinth. Paulus steht in regem Austausch mit ihnen. Immer, wenn Fragen auftauchen, schreiben sie einen Brief an ihn, und er antwortet wieder mit einem Brief. Diese Briefe wurden aufbewahrt und in den Gemeinden vorgelesen, bis sie schließlich in das Neue Testament aufgenommen wurden. In einem der Briefe an die Gemeinde in Korinth nimmt Paulus Fragen zur Auferstehung auf. Manche sagen nämlich in Korinth: „Okay, Christus ist auferstanden, aber eine Auferstehung all der anderen Toten, die gibt es nicht.“ Hier ist das, was Paulus an die Gemeinde antwortet:

20Nun ist Christus aber vom Tod auferweckt worden, und zwar als Erster der Verstorbenen. 21Denn durch einen Menschen kam der Tod in die Welt. So bringt auch ein Mensch die Auferstehung der Toten. 22Weil wir mit Adam verbunden sind, müssen wir alle sterben. Weil wir aber mit Christus verbunden sind, werden wir alle lebendig gemacht. 23Das geschieht für jeden nach dem Platz, den Gott für ihn bestimmt hat: Als Erster wird Christus auferweckt. Danach, wenn er wiederkommt, folgen alle, die zu ihm gehören. 24Dann kommt das Ende: Christus übergibt Gott, dem Vater, seine Herrschaft. Zuvor wird jede andere Herrschaft, jede Gewalt und jede Macht vernichtet. 25Denn Christus muss so lange herrschen, bis Gott ihm alle seine Feinde zu Füßen gelegt hat. 26Der letzte Feind, den er vernichten wird, ist der Tod. 27Denn alles hat Gott ihm zu Füßen gelegt. Das bedeutet: Alles ist ihm unterworfen. Eines ist jedoch offenkundig: Davon ist der ausgenommen, der ihm alles unterworfen hat – Gott. 28Sobald ihm nun alles unterworfen ist, wird auch der Sohn selbst sich unterwerfen: Er wird sich Gott unterwerfen, der ihm alles unterworfen hat. Das geschieht, damit Gott alles umfasst und in allem gegenwärtig ist. (1 Kor 15,20–28 BasisBibel)

 

Ganz oder gar nicht, alle oder keiner: So könnte ich das zusammenfassen, was Paulus hier sagt. Na klar: Christus ist auferstanden. Doch nicht als einziger, sondern als erster! Das heißt: Alle anderen auch. Wenn nur Christus auferstanden wäre, wir aber nicht auferstehen werden, dann ist das alles sinnlos.  Nein: So wie Christus ein Leben gelebt hat in völliger Hingabe für uns, so ist er auch auferstanden, damit wir alle auferstehen. Damit schenkt Christus uns grenzenlose Hoffnung. Eine Hoffnung, die alle Grenzen überschreitet! Nicht einmal der Tod kann diese Hoffnung aufhalten. Paulus beschreibt dann weiter, dass alles der Reihe nach geschehen wird. So wie Gott am Anfang Himmel und Erde in guter Ordnung geschaffen hat, so wird es auch mit der Auferstehung ablaufen. Erst wird Christus auferstehen, dann die, die mit Christus verbunden sind durch die Taufe, dann wird Christus Gott, dem Vater, die Herrschaft über alles übergeben. Es mag sein, dass das seltsam für euch klingt. Christus ist doch Gott, ein Teil des dreieinigen Gottes. Doch auch da leuchtet wieder der das auf, was Christus von Anfang an ausmacht: Er gibt sich hin, damit wir leben. Alles, was er sagt, macht und tut, geschieht, damit wir wieder in die Gemeinschaft mit Gott kommen. Er gibt Gott alle Macht, damit Gott, der Schöpfer und die Quelle allen Lebens, am Ende alles umfasst und in allem gegenwärtig ist. Am Ende wird nur noch Gott da sein und in allem sein. Hinter all dem steckt die tiefe Wahrheit: Gott ist Liebe. Und diese Liebe vertreibt alle Angst, tröstet die Traurigen, drängt das Dunkel zurück und vernichtet am Ende den Tod. Weil sie stärker ist als alle Todesmächte. Diese Liebe hat Christus zu uns Menschen gebracht. Diese Liebe lässt ihn den Weg ans Kreuz und in den Tod gehen. Und diese Liebe überwindet dann den Tod am Ostermorgen. Das Licht des Lebens strahlt hell auf, der Auferstandene sagt uns: „Ich lebe, und ihr sollt auch leben!“ Und das heißt: Wir werden leben – auch nach unserem Tod. Und wir dürfen schon jetzt leben, liebe Schwestern und Brüder. Gottes Liebe wird am Ende alles Böse, alles lebensfeindliche besiegen.

Diese Hoffnung, die kann schon jetzt unser Leben verändern. Ja, wir Christen sehen diese Welt mit offenen Augen und einem wachen Blick an. Wir sehen das Unrecht, Gewalt, Krieg und Verfolgung, wir sehen Angst und Lüge und Unterdrückung. Wir sehen all das, was das Leben bedroht. Doch wir wissen: Das ist längst nicht alles. Da kommt noch so viel Gutes auf uns zu, und dieses Gute kommt von Gott. Diese Hoffnung schenkt uns Mut. Diese Hoffnung schenkt uns Geduld. Und sie schenkt uns Freude. Denn wir spüren: Gottes Liebe verändert diese Welt hin zum Guten.

Wie gut, dass Christus auferstanden ist! Wie gut, dass die Hoffnung heute wieder so hell aufleuchtet. Ich weiß, ich würde verzweifeln an dieser Welt und an den Menschen und ihrem wirren Treiben, wenn ich nicht diese Hoffnung im Herzen hätte. Aber ich verzweifle nicht. Denn Christus ist auferstanden. Wir feiern heute Ostern, das Fest der Hoffnung. Gott gibt diese Welt nicht verloren. Seine Liebe wird alles besiegen, was dem Leben entgegensteht, zuletzt sogar den Tod. Diese Hoffnung leuchtet immer wieder auf, auch in eurem Leben. Denkt einmal daran: Wo habt ihr trotz großer Verzweiflung wieder Mut gefasst? Wo seid ihr nach einer langen Wanderung durch das Dunkel wieder ins Licht gekommen? Wo ist aus etwas, das zerbrochen ist, neues Leben und neues Glück erwachsen? Erinnert euch an diese Momente. Es sind Ostermomente, Hoffnungszeichen Gottes in unserer Welt. Erzählt anderen davon. Denn damit tragt ihr Gottes Hoffnung in unsere Welt. Und die braucht diese Hoffnung ganz dringend.

Euch allen frohe und gesegnete – und hoffnungsvolle Ostern! Amen

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen


Liedvorschläge

Christ ist erstanden EG 99
Er ist erstanden, Halleluja EG 116
Der schöne Ostertag EG 117
Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt HELM = Himmel, Erde, Luft und Meer (Beiheft der Nordkirche) 104


Pastor Peter Schuchardt
Bredstedt
E-Mail: peter.schuchardt@kirche-nf.de

Peter Schuchardt, geb. 1966, Pastor der Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland (Nordkirche), seit 1998 Pastor an der St. Nikolai Kirche in Bredstedt/Nordfriesland (75%), seit 2001 zusätzlich Klinikseelsorger an der DIAKO NF/Riddorf (25%).