1.Thessalonicher 5, 1-11
Glaube Liebe Hoffnung | Drittletzter Sonntag nach Trinitatis | 08.11.2026 | 1.Thess 5, 1-11 | Ralf Reuter
Am Anfang, ganz am Anfang der neuen Zeit, tauchen sie auf, der Glaube, die Liebe und die Hoffnung. In dieser Reihenfolge, Glaube, Liebe, Hoffnung, stehen sie im ersten Brief, dem ältesten Bibelwort des Neuen Testaments. Und sind in diesen Novembertagen wieder da, wärmen, kleiden ein mit dem Mantel des Glaubens und der Liebe und mit dem Hut der Hoffnung. So sind wir reisefertig für den Weg des Lebens.
Es sind die ersten überlieferten Worte des Paulus, noch vor den Evangelien, ganz früh, im Jahre 51, an die Gemeinde in Thessaloniki. Schon im ersten Satz steht das Gedenken „an euer Werk im Glauben und an eure Arbeit in der Liebe und an eure Geduld in der Hoffnung“. Und dann noch einmal, das ist unser Text heute, im 5. Kapitel, sind wir „angetan mit dem Panzer des Glaubens und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung.“
Der erste Brief, das erste Gedicht, das erste Bild, die erste Äußerung, das erste Auftreten, immer steckt darin schon so etwas wie der Kern der Botschaft. In den frühen Malereien von Kindern offenbart sich ihre Persönlichkeit. Noch zart, noch im Werden, und doch mit einer Klarheit, die später kaum mehr erreicht wird. Am Anfang der christlichen Theologie steht Glaube, Liebe und Hoffnung, und ich frage mich, was braucht es mehr?
Wollte ich mich trauen, eine ganz einfache Predigt zu halten, würde ich nur diese drei Worte wählen. Würde anfangen, vom Glauben zu erzählen, vom Richtigsein in dieser Welt. Ausgesucht habe ich mir mein Leben nicht, wurde hineingeworfen in eine bestimmte Zeit, an einen Ort, mit Menschen umgeben, die ich mir nicht aussuchen konnte. Und doch bin ich Geschöpf Gottes, sind wir „Kinder des Lichtes und Kinder des Tages“.
Einen Glauben haben, und sei er noch so zart, gibt uns Menschen eine Würde, die wir nie verlieren können. Nicht die Herkunft, nicht die Handicaps, nicht die Zuschreibungen anderer bestimmen den menschlichen Wert. Es ist der Glaube, gewollt zu sein, ausgewählt zum Sein auf dieser Erde, für diese Zeit, mit den Menschen und den Gegebenheiten. Der Glaube, der einen trägt und schützt, in den Jahren des Lebens, in Abschieden und Neuanfängen.
Eine einfache Predigt soll es sein, kann es werden, der Glaube und dann die Liebe. Sie ist es, die Liebe, die die Welt im Inneren zusammenhält, nichts sonst. Paulus schreibt hier noch ganz einfach von der Liebe. Sie soll wachsen und immer reicher werden, untereinander und zu jedermann, so schreibt er in der Mitte seines Briefes. Die Perspektive der Liebe, sie ist hier schon universell gedacht, sie gilt allen Menschen.
Wollte jemand von uns erzählen, am Ende des Lebens, es wäre die Liebe, die wirklich von uns bleibt. Könnte er doch nur erzählen von den Anfängen, der Kindheit, der Liebe zur Natur, zu Tieren. Und weiter von der Suche nach Orientierungen, von dem Verfestigen einer Haltung, aus der immer wieder Verantwortung entspringt. Und vom Einsatz in den Tätigkeiten, in der Zuwendung zu Menschen, oder berichten von der großen Liebe des Lebens.
Die Liebe deutet Paulus später als die größte Gottesgabe, im weltberühmten 13. Kapitel des 1. Korintherbriefes:„ Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen“. Ausleger sagen, nur die Liebe verbindet Himmel und Erde, ist ewig. Das mag so sein, doch hier, in unserem Text, steht sie in der Mitte, ganz schlicht gesagt als Glaube, Liebe und Hoffnung. Einfacher und klarer geht es nicht.
Glaube und Liebe sind wie ein warmer Wintermantel, so deute ich dieses Bild des Panzers, von dem Paulus spricht. Ein Mantel, gewebt aus Herkunft und Bestimmung, mit dem festen Garn des Glaubens. Und ausgestattet mit dem weichen Stoff der Liebe, der den ganzen Körper umgibt. Mit der Liebe sind wir geschmeidig und offenporig, und in unseren Handlungen schützend und bergend, sind uns und anderen wohlwollend.
Da fehlt nur der Hut oder wer sie lieber mag, die Mütze der Hoffnung. In einer einfachen und klaren Orientierung ist dies der Helm für die Zukunft in den Aufbrüchen des Lebens. Nichts verfinstert das Gemüt und die Lage der Welt mehr als die Angst vor der Nacht und dem Tod. Es ist die Hoffnung, die dem Licht der Ewigkeit entgegengeht und eine ewige Heimat kennt.
Mit der Hoffnung im Herzen, das ist noch einmal ein Drittes. Nicht nur im Anfang des Glaubens getragen zu werden, nicht nur mit der Liebe den Herausforderungen des Lebens zu begegnen, sondern auch das Kommende als etwas Helles und Klares zu erahnen. Wo auch diejenigen, die uns voran gingen, geborgen sind. Es ist die Hoffnung, die frei machen kann von der Trübnis, von der Angst des Nichtwissens um die Zukunft.
Glaube, Liebe, Hoffnung, ganz am Anfang der neuen Zeit stehen diese drei Worte. Sie sollen uns heute genügen, sollen uns reichen. Von daher brauchen wir über die „Zeiten und Stunden“ nicht zu reden, wir Kinder des Lichtes und des Tages. Nicht Zorn soll uns leiten, sondern „die Seligkeit zu besitzen durch unseren Herrn Jesus Christus.“ So sind und bleiben wir gekleidet und geschützt in diesen Novembertagen mit Glauben, Liebe und Hoffnung.
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Pastor Ralf Reuter
Göttingen
E-Mail: Ralf.Reuter@evlka.de
Ralf Reuter, Pastor der Ev.-luth. Weststadt-Kirchengemeinde Göttingen, der Westdörfer und der Region Göttingen-West, zugleich gelegentlich als Pastor für Führungskräfte im Kloster Loccum