Hesekiel 37,24–28; Lukas 2,1–20
Das Licht von Bethlehem strahlt bis zu uns! | Christvesper | 24.12.2025 | Hes 37,24-28 und Lk 2,1-20 | Winfried Klotz |
24 Und mein Knecht David soll ihr König sein und der einzige Hirte für sie alle. Und sie sollen wandeln in meinen Rechten und meine Gebote halten und danach tun. 25 Und sie sollen wieder in dem Lande wohnen, das ich meinem Knecht Jakob gegeben habe, in dem eure Väter gewohnt haben. Sie und ihre Kinder und Kindeskinder sollen darin wohnen für immer, und mein Knecht David soll für immer ihr Fürst sein. 26 Und ich will mit ihnen einen Bund des Friedens schließen, der soll ein ewiger Bund mit ihnen sein. Und ich will sie erhalten und mehren, und mein Heiligtum soll unter ihnen sein für immer. 27 Ich will unter ihnen wohnen und will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein, 28 damit auch die Heiden erfahren, dass ich der HERR bin, der Israel heilig macht, wenn mein Heiligtum für immer unter ihnen sein wird.
Liebe weihnachtliche Gemeinde!
Wir haben die Geschichte von der Geburt Jesu im Stall von Bethlehem aus dem Lukasevangelium gehört. Die Worte sind uns vertraut; Marias ärmliche schutzlose Geburt des Jesuskindes, da, wo sonst Schafe und Ziegen ihre Lämmer zur Welt bringen. Die Hirten, denen durch einen Engel angekündigt wird: „Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. (Lk. 2, 10f) Der Lobgesang der Engel: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens“ (V. 14). Die Hirten eilen dann und finden Maria und Josef, dazu das Kind in einer Futterkrippe.
Das alles haben wir gehört, aber ist es uns nahe? Was hat der Bericht des Lukas mit uns und unserer Welt zu tun? Wir leben über 2000 Jahre nach der Geburt Jesu unter ganz anderen Verhältnissen! Weihnachten, wie es im Lukasevangelium erzählt wird, ist uns doch völlig fremd. Vielleicht haben wir deshalb das Weihnachtsfest übermalt und zu einem Familienfest mit gutem Essen und Trinken, mit vielen Geschenken, mit Weihnachtsmärkten, Lichterglanz und manchmal auch viel Stress und Streit gemacht.
Zu Beginn der Predigt habe ich Ihnen auch noch einen Abschnitt aus dem Buch des Propheten Hesekiel, Kap. 37, vorgelesen: ein weitere Verfremdung von Weihnachten!
Kommen Sie, kommst Du in diesem Abschnitt aus dem Buch des Propheten Hesekiel vor? Auf den ersten Blick nicht! Und wenn wir danach fragen, wann dieses Wort vermutlich gesprochen wurde, dann bewegen wir uns weit vor der Zeit der Geburt Jesu: Hesekiel wirkte als Prophet, also als jemand, der im Auftrag Gottes zu den Menschen redet, im 6. Jahrhundert vor Christus in Babylon, wohin die Israeliten aus Jerusalem und Judäa vom Heer des Königs Nebukadnezar verschleppt worden waren. Hesekiels Beschreibung eines Neuanfangs in der Heimat unter einem König in der Nachfolge Davids richtet sich an Zeitgenossen des Propheten. Geht es uns etwas an? Was ist weihnachtlich an diesen Worten? Auf diese Frage hin müssten wir erst einmal bestimmen, was „weihnachtlich“ meint. Doch gewiss nicht Lichterglanz und Gänsebraten! Die nach Babylon Verschleppten waren Menschen ohne Zukunft. Jerusalem zerstört, viele nahe Menschen tot, der Tempel als Ort, wo Gott angebetet wurde, verbrannt, was für ein Leben hatten sie noch? Deshalb muten die Worte des Propheten wie die Botschaft von einem anderen Stern an. Wer hat dieser prophetischen Zukunftsschau geglaubt? Wir wissen es nicht; klar ist nur, es gab Menschen, die sie gehört und aufgeschrieben haben. Auffällig ist das Überbordende der Ankündigung des Propheten:
Für die nach Babylon Verschleppten kündigt der Prophet Hesekiel einen König wie David an, der wie ein guter Hirte regiert. Die Verschleppten sollen wieder zurückkehren nach Juda und für immer in ihrem Land wohnen, ein König wie David soll für immer ihr Fürst sein. Gott schenkt ihnen einen ewigen Bund des Friedens. Gott wohnt unter ihnen für immer. Gott ist bei seinem Volk, ein gegenwärtiger, naher erreichbarer Gott; die Trennung ist überwunden. Und das alles strahlt aus auf die Völker, die nicht zum Bund Gottes mit Israel gehören. Besonders eindrücklich ist mir der Satz: „Ich will unter ihnen wohnen und will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein.“ (V. 27) Ist dieses Bild einer heilvollen Zukunft nicht schrecklich überzeichnet und damit ganz unrealistisch?!
Hesekiel malt dieses Hoffnungsbild denen, die mit ihm traumatisiert in die Zukunft starren und nur Dunkelheit sehen. Er bestätigt und bestärkt darin, dass trotz der „selbstverschuldeten“ Katastrophe Gottes Bund mit seinem Volk weiter besteht. Gott schenkt denen, die am Ende sind, Zukunft und Hoffnung! Für uns spricht daraus die Botschaft: Bei Gott ist immer Hoffnung für Dich, wie dunkel auch dein Leben ist. Dieser Gedanke ist die Brücke zum Weihnachtsfest, dessen Beginn wir heute Abend feiern.
In der Weihnachtsgeschichte im Lukasevangelium erinnert einiges an das, was Hesekiel beschreibt. „Heute ist euch der Retter geboren worden, in der Stadt Davids: Christus, der Herr!“ sagt Lukas. (Lk. 2, 11) Und im Lobpreis der Engel heißt es: „Groß ist von jetzt an Gottes Herrlichkeit im Himmel; denn sein Frieden ist herabgekommen auf die Erde zu den Menschen, die er erwählt hat und liebt!“ (Lk. 2, 14)
Der Neubeginn, den Hesekiel beschreibt, ist im Zeugnis des Lukas konzentriert auf eine Person: das Kind in der Krippe, Jesus. Hesekiel nennt keine Vorzeichen des Neubeginns; bei Lukas ist es ähnlich: nichts, außer der Botschaft des Engels und ihrem Lobgesang, deutet darauf hin, dass der, der in der Krippe liegt, von Gott gesandt ist als Retter; als Gottes Brückenkopf in einer heillosen, gegen Gott stehenden Welt. Hier ist der, der Dich und mich hoffen lässt, trotz Vergänglichkeit und Verkehrtheit, trotz des heillosen Zustands der Welt und der Gebrochenheit des eigenen Lebens. Mit diesem Kind in der Krippe kommt Gottes Herrschaft in die Welt. Sie beginnt bei allen, die ihm folgen und vertrauen. Gottes Frieden kommt in ihr Leben, denn Gott nimmt durch IHN weg, was uns von ihm trennt. In Jesus ist Gott gegenwärtig, erreichbar, für alle, die Gott in seinem Namen anrufen. Im Kommen von Jesus hat sich erfüllt, was Hesekiel beschreibt: „Ich will unter ihnen wohnen und will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein, damit auch die Heiden erfahren, dass ich der HERR bin, der Israel heilig macht, wenn mein Heiligtum für immer unter ihnen sein wird.“ Das Licht von Bethlehem strahlt bis zu uns!
Viele streben in diesen dunklen Tagen nach etwas weihnachtlicher Stimmung; etwas Frieden, Freude, Glück; sie möchten zur Ruhe kommen und Geborgenheit erfahren. Lasst Euch doch das, was Euer Leben von innen heraus hell macht, schenken. Gott hat Jesus gesandt, damit Euer Leben vom Licht der Hoffnung hell gemacht wird. Bittet ihn darum. Amen
Winfried Klotz, Pfr. i. R., Bad König/ Odenwald Email: Winfried.klotz@web.de
Jg. 1952, verh. 3 Kinder, ein Enkelkind, Mitglied im Pfarrgebetsbund