1. Kor. 15,12–28

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Ostersonntag | 05.04.2026 | 1. Kor. 15,12–28 | Friedrich Seven |

Text

12 Wenn aber Christus gepredigt wird, dass er von den Toten auferweckt ist, wie sagen dann einige unter euch: Es gibt keine Auferstehung der Toten? 13 Gibt es keine Auferstehung der Toten, so ist auch Christus nicht auferweckt worden. 14 Ist aber Christus nicht auferweckt worden, so ist unsere Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich. 15 Wir würden dann auch als falsche Zeugen Gottes befunden, weil wir gegen Gott bezeugt hätten, er habe Christus auferweckt, den er nicht auferweckt hätte, wenn doch die Toten nicht auferstehen. 16 Denn wenn die Toten nicht auferstehen, so ist Christus auch nicht auferstanden. 17 Ist Christus aber nicht auferstanden, so ist euer Glaube  nichtig, so seid ihr noch in euren Sünden; 18 dann sind auch die, die in Christus entschlafen sind, verloren. 19 Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen.

20 Nun aber ist Christus auferweckt von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind. 21 Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten. 22 Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden. 23 Ein jeder aber in der für ihn bestimmten Ordnung: als Erstling Christus; danach die Christus angehören, wenn er kommen wird; danach das Ende, wenn er das Reich Gott, dem Vater übergeben wird, nachdem er vernichtet hat alle Herrschaft und alle Macht und Gewalt. 25 Denn er muss herrschen, bis Gott „alle Feinde unter seine Füße gelegt hat“. 26 Der letzte Feind aber, der vernichtet wird, ist der Tod. 27 Denn „alles hat er unter seine Füße getan“. Wenn es aber heißt, alles sei ihm unterworfen, so ist offenbar, dass der ausgenommen ist, der ihm alles unterworfen hat. 28 Wenn aber alles ihm untertan sein wird, dann wird auch der Sohn selbst untertan sein dem, der ihm alles unterworfen hat, auf dass Gott sei alles in allem.

 

Liebe Gemeinde,

Paulus schreibt hier nicht, damit seine Leserinnen und Leser bloß nachvollziehen, wozu sie eigentlich nur noch ja sagen können; er verkündigt vielmehr, und die Gemeinde kann einstimmen in den Osterglauben: Christ ist erstanden, und wir werden auferstehen.

Unser Glaube beschreibt unsere Gegenwart, und diese Gegenwart ist mehr als das Leben verspricht, sie ist Leben mit Christus. Darin liegt unsere Zukunft, und in dieser Zukunft hat unsere Hoffnung ihren Grund.

Wir hoffen auf die Zukunft mit Christus, aber wir leben mit unserem Herrn auch schon jetzt von Augenblick zu Augenblick.

Wir leben in der Gegenwart seines Geistes. Für unseren Glauben und mit unserem Glauben ist Christus schon jetzt gegenwärtig.

Paulus schreibt, und seine Adressaten können ihm Glauben schenken, können von ganzem Herzen und mit ganzem Herzen und Verstand dabei sein.

Mit der Gemeinde damals in Korinth können wir ganz gegenwärtig sein, weil wir eine Zukunft haben. Uns bleibt nicht etwa eine leere Hoffnung, sondern in unsere Gegenwart ragt schon die Zukunft hinein, die uns mit unseren Mitmenschen auf die Wiederkehr des Herrn hoffen lässt.

Das kann uns nicht kalt lassen im Leben. Die Trennung dieser Welt von Gott, die Gewalt, Unterdrückung und die Not, die wir uns immer noch bereiten, dürfen nicht das Erste und das Letzte sein, was wir über das Leben in dieser Welt sagen können.

Gottes Wort aus dem Brief des Paulus ermutigt uns hier und heute, Tod und Verderben nicht als Schicksal zu verklären, sondern bestärkt uns darin, den falschen Propheten, die uns Sieg um Sieg noch in den bittersten moralischen Niederlagen versprechen wollen, die Stirn zu bieten.

Wir dürfen und können für den Frieden in der Welt beten und über den Dienst mit der Waffe zu geschwisterlichen Gesprächen zusammenkommen, für die Opfer von Krieg, Verfolgung und Unterdrückung mit unserem diakonischen Handeln eintreten; wir können dies im Blick auf unser Land, auf Europa und die Welt, aber auch mit Herz; Verstand und Hand in unserer Gemeinde.

Auch wenn seit der Einführung des Friedensgebets vor über drei Jahren in den Kirchen und auch in unserer Gemeinde die Kriege in der Welt zugenommen haben, sollten wir im gottesdienstlichen Engagement nicht nachlassen. Jedenfalls hat sich die Ökumene in unserer Stadt ausgebreitet: Wir feiern etwa zu Pfingsten Gottesdienste in unserer evangelischen, aber auch in der katholischen und Neuapostolischen Kirche. Auch wenn die Welt sich nicht um uns kümmert, sorgen wir uns um diese Welt  und suchen weiter mit unseren Mitmenschen nach Gerechtigkeit, Frieden und Gottes guter Schöpfung.

Mit der größer werdenden Gemeinschaft sind die diakonischen Aktivitäten auch weiter in das städtische Leben, in unsere kleine Stadt, hineingewachsen. Über die Jugendkirche erreichen wir und erreichen uns auch Jugendliche und junge Erwachsene auf eine Art, an die wir vor einigen Jahren noch nicht gedacht hätten und mit den Familiengottesdiensten und der Kinderkirche und besonderen Taufgottesdiensten auch Kinder, Eltern, Großeltern und andere.

Doch bei aller Zuversicht leben wir auch an diesem Osterfest damit, dass wir in der vergangenen Zeit haben Abschied nehmen müssen von Vielen aus der Gemeinde. Noch wirkt der Tod in unser Leben hinein. Aber er kann nicht mehr hineinwirken in unseren Glauben. Christliche Gemeinde will immer der Ort sein, an dem Gottes Trost verkündigt, gehört und miteinander gelebt wird.

Der Glaube eines Menschen ist nicht auf dem Friedhof zurückgeblieben.

Ich hang und bleib auch hangen an Christus als sein Glied, wo mein Haupt durch ist gangen, da nimmt er mich auch mit – werden wir gleich mit den Worten Paul Gerhards singen, mit den Worten des Liederdichters, auf den wir dieses Jahr, also in dessen 350. Todesjahr, noch am 27. Mai kirchenweit  zurückkommen können. Sind wir dankbar, dass der Weg mit unserem Herrn durch soviel Kirchenmusik begleitet worden ist und immer noch wird.

Es kann noch dauern, bis Gott alles in Allem ist, und die Auferstehung der Toten ewige Wirklichkeit geworden ist. Zu diesem Allem dürfen wir gehören; Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist wollen nicht sein ohne jeden von uns und ohne das, was uns umgibt und noch mit uns und unter uns leidet.

Ostern ist der Anfang einer Geschichte, in der der Erstling von uns, Jesus Christus, Gottes Sohn, dem alten Adam, dem alten Leben, nicht einfach nur gegenübersteht. Wir blicken im Glauben nicht auf den Auferstandenen wie auf einen Retter unter Glas, den wir wie einen persönlichen Schatz hüten und den wir eigentlich mit niemandem teilen wollen.

Vermutlich sahen einige Zuhörer des Apostels in Korinth so auf Christus, als auf einen Schatz, der zwar ihre Gegenwart bereicherte aber keine Zukunft in einem neuen Leben versprach. Seine Gegenwart sollte und musste ihnen schon alles sein.

Nein, der Sohn Gottes will mit uns Geschichte machen und sein Reich bauen. Am Ende dieses Reiches steht die Vernichtung des Todes. Kirchengeschichte ist die Geschichte, die mit Ostern ihren Anfang genommen hat. Diese Geschichte ist aber immer auch die ganz persönliche Geschichte unseres Glaubens, in der wir dem Bösen, dem alten Feind in uns noch an jedem Morgen und Abend mit Luthers Worten absagen können, dass der böse Feind keine Macht an uns finde.

Wir müssen noch leben mit Tod und Verderben, aber wir können schon leben mit Christus, der uns zu Gott, dem Vater, führen wird.

Jesu geh voran auf der Lebensbahn! Und wir wollen nicht verweilen, dir getreulich nachzueilen; führ uns an der Hand bis ins Vaterland.“

Amen!


Verfasst von
Dr. Friedrich Seven