Lukas 24,36–45

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Leibhaftige Auferstehung – wirklich? | Ostermontag | 06.04.2026 | Lk 24,36–45 | Klaus Wollenweber |

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen

Während sie noch am Erzählen waren, stand mit einem Mal Jesus selbst in ihrer Mitte und grüßte sie mit den Worten: „Friede sei mit euch!“

Doch sie waren starr vor Schreck, denn sie meinten, einen Geist zu sehen.

»Warum seid ihr so erschrocken?«, sagte Jesus. »Und wie kommt es, dass solche Zweifel in euren Herzen aufsteigen?

Schaut euch meine Hände und meine Füße an: Ich bin es wirklich! Berührt mich und überzeugt euch selbst! Ein Geist hat doch nicht Fleisch und Knochen, wie ihr sie an mir seht.« Und er zeigte ihnen seine Hände und seine Füße.

Da sie es vor Freude immer noch nicht glauben konnten und vor Staunen kein Wort herausbrachten, fragte er sie: »Habt ihr etwas zu essen hier?« 

Sie gaben ihm ein Stück gebratenen Fisch, und er nahm es und aß es vor ihren Augen.

Dann sagte er zu ihnen: »Nun ist in Erfüllung gegangen, wovon ich sprach, als ich noch bei euch war; ich sagte: ›Alles, was im Gesetz des Mose, bei den Propheten und in den Psalmen über mich geschrieben ist, muss sich erfüllen.‹«

Und er öffnete ihnen das Verständnis für die Schrift, sodass sie sie verstehen konnten. (NGÜ)

 

Leibhaftige Auferstehung – wirklich?

Liebe Mitchristen,

Ja, es gibt zum Osterfest starke Zweifel im Glauben! Auch einen Zweifel, der ins Herz steigt und nur Staunen und sogar Erschrecken bewirkt: Es handelt sich um die Osterbotschaft von der Lebendigkeit des toten Jesus. Unglaublich, was die Jünger damals erlebten! Der am Kreuz gestorbene Jesus erscheint plötzlich im Kreis der in Trauer versammelten Jünger. Er zeigt ihnen wegen ihrer Zweifel und ihrer Angst in aller seiner den Jüngern bekannten Menschlichkeit seine Hände und Füße mit den Wundmalen zum Beweis, dass er es wirklich ist. Und als die Jünger von dem unglaublichen Geschehen hin und her geschüttelt werden, greift Jesus zu einer zweiten Demonstration seiner Leibhaftigkeit: er bittet um eine Speise. Sie geben ihm einen Fisch, den er dann vor Ihren Augen aufisst. Wer eine Speise isst, der existiert! Ja, Jesus ist wieder lebendig bei ihnen. Er demonstriert deutlicher als tausend Erklärungen und Beteuerungen, dass er nach wie vor auch unserer irdischen Wirklichkeit angehört. Aber nach menschlichem Verstand und nach aller menschlichen Erfahrung geht das alles gar nicht, ist das nicht möglich!

Ich frage Sie jetzt hier im Gottesdienst: Wie viele Ostern haben Sie in ihrem Leben schon verbracht? Dabei ist sicher so manches schon zur Gewohnheit geworden: Ostern mit bunten Eiern; das Denken an den Frühling und die Freude darüber; das Leben in der Natur nach den Wintermonaten beginnt von Neuem. Freude, Munterkeit, gemeinsames Essen und Trinken haben unsere Osterfreude viele Jahre lang geprägt. Eine Zeit der Fröhlichkeit ist angesagt.

Darüber vergessen oder übersehen wir leicht die wunderhafte Erzählung von der neuen Lebendigkeit Jesu. Seine Kreuzigung, seinen Tod haben die Jünger noch vor Augen. Schrecklich! Nun sitzen sie zusammen und erzählen sich Geschichten, was sie alles mit Jesus erlebt haben. Genauso wie wir bis heute nach einer Beerdigung zusammenkommen und uns mit Erzählungen gegenseitig trösten, indem wir an die gestorbene Person erinnern. Es ist ja ein letzter irdischer Abschied. Tot ist und bleibt tot! – so denken die Jünger Jesu genauso wie viele von uns noch heute. Für uns sind doch Vergänglichkeit und Tod nach wie vor Grundgegebenheiten unseres Daseins, – oft so sehr, dass viele sich das Leben ohne den Tod gar nicht vorstellen können. Und zugleich den Tod aus dem Leben verbannen und darüber schweigen.

Wie verständlich, dass die versammelten Jünger damals erschraken, als der gestorbene Jesus plötzlich bei ihnen auftaucht. Wer von uns wäre nicht auch erschrocken? Das kann doch nur ein Geist sein! Ein Hirngespinst! So etwas gibt es doch nicht! Mit so einem Gespenst können wir Menschen nichts anfangen. Dennoch bin ich schon Menschern begegnet, die eine sehr große Sehnsucht nach einem himmlischen Jenseits hatten – oftmals fremdartig und unbegreiflich mit ihren Geister-Vorstellungen. Sie verloren meist den Boden unter den Füßen, und ihr Leben in der Realität unserer irdischen Welt machte sie krank.

Es geschah wirklich Ostern etwas völlig Neues, was bisher noch nicht gedacht und noch nicht erlebt worden ist. Eine neue, schöpferische und unfassbare Wirklichkeit des Lebens tut sich auf. Der gestorbene Jesus erscheint unverhofft und kann dann wieder verschwinden; Entfernungen und verschlossene Türen sind offenbar für ihn keine Hindernisse. Wie soll man das Neue erkennen und beschreiben? Ein Toter erscheint als Lebendiger! Ich denke, dass dies bis heute unvorstellbar ist. Es ist mit unseren Gedanken und mit unserem Gefühl nicht zu begreifen und nicht zu beschreiben. Denn das Osterereignis geht weit über unser Denken und Fühlen hinaus. Es ist wirklich etwas schöpferisch Neues, noch nicht Erlebtes! Wir nennen es heute „Auferstehung“. Jesus ist von den Toten auferstanden. Dies ist eine Umschreibung für ein Geschehen, das eigentlich nicht zu beschreiben ist. Die Jünger erlebten es mit Verwunderung: sie sahen seine Hände und Füße mit den Wundmalen, er aß vor ihren Augen den Fisch, und sie hörten die Stimme Jesu mit der Bestätigung: ich bin es wirklich! Ich bin bei euch auf der Erde; in dem irdischen Raum von euch Menschen ist von Gott her etwas Neues geschaffen worden.

Dieses Geschehen ist für uns heute nicht nur eine wunderhafte Erzählung von damals. Sie ist zur Grundlage unseres christlichen Glaubens geworden. Der Tod ist nicht das Ende unseres Glaubenslebens. Trotz unseres irdischen Todes bleiben wir in der Hand des barmherzigen Gottes geborgen. Die Oster-Erinnerung ist kein Fremdkörper in unserer christlichen Glaubensgeschichte. Das Oster-Geschehen ist die Zusage Gottes zu unserem Leben in seiner Nähe über den Tod hinaus. Jesus gibt uns allen diese Hoffnung der Auferstehung. Dann gibt es für uns keine Hölle mehr und schon gar keine Angst davor. Denn wir sind schon jetzt und bleiben immer mit unserer neuen österlichen Lebensweise im christlichen Glauben in der Nähe Gottes. Wie in einer Bibelstunde weist Jesus seine Jünger auf den langen Weg der Geschichte Gottes mit den Menschen hin: Mose, die Propheten und die Psalmen haben diesen Weg schon angezeigt, einen Weg Gottes, der mit dem Ostergeschehen zu seiner Vollendung kommt. Gott schenkt uns die lebendige Freiheit in seiner Nähe.

Die Osterbotschaft verkündet diese Glaubensgewissheit. Und weil das so eine frohe Botschaft ist, heißen die 7 Wochen nach Ostern: Wochen der österlichen Freudenzeit! Wir können mit unserer christlichen Lebenshaltung dieses Vertrauen in den auferstandenen Jesus von Nazareth bekräftigen und ohne Angst vor dem Sein nach unserem Tod zur Freude am sichtbaren, sprühenden Leben gelangen. Wir können dieses Vertrauen – auch mit unseren Zweifeln – wegdiskutieren oder rationalisieren und die Diesseitigkeit des Lebens beschwören. Wie dem auch sei, der auferstandene, lebendige Christus wird dort spürbar und erfahrbar, wo wir Menschen heute – wie die Jünger damals – aus dem Erschrecken zur Freude, aus dem Zweifel zum Staunen und aus dem Tot-Sein zur lebendigen Hoffnung gelangen.

In einem Gebet heißt es: „Gott, der Herr, mache uns wieder anfällig für seine Geschichte, die nicht von dieser Welt ist, nicht erklärbar, keine Diskussionen braucht, und uns doch tröstet, hoffen lässt, Mut macht, frohgemut macht. Und alles in allem Kraft gibt und uns Zuversicht schenkt.“ (Hanns Dieter Hüsch)

Das ist gewiss wahr. Der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserm Herrn. Amen


Liedvorschläge:
Lied EG 99 Christ ist erstanden
Lied EG 369 Wer nur den lieben Gott lässt walten


Bischof em. Klaus Wollenweber
53129 Bonn
E-Mail: Klaus.Wollenweber@posteo.de

Viele Jahre Gemeindepfarrer in der Ev. Keuzkirchengemeinde Bonn; ab 1988 theologischer Oberkirchenrat in der Ev. Kirche der Union (EKU) Berlin ( heute: Union Ev. Kirchen (UEK) in Hannover ); ab 1995 Bischof der „Ev. Kirche der schlesischen Oberlausitz“ mit dem Amtssitz in Görlitz / Neiße  (heute: „Ev. Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz“ (EKBO) ); seit 2005 im Ruhestand wohnhaft in Bonn. Häufig aktiv in der Vertretung von Pfarrerinnen und Pfarrern in Bonn.


Fürbittgebet
Gott des Lebens, dir verdanken wir unser Leben inmitten einer Welt voller Schrecken und Vergänglichkeit. Wir nehmen unsere Gegenwart so zweifelnd und oft verzweifelt wahr und wagen gar nicht, uns die Zukunft vorzustellen. Wir bitten dich, dass wir den lebendigen Christus nicht bei den Toten suchen und nicht sein Grab verehren. Stärke uns in dem Vertrauen, dass du uns bei unserem Suchen und Tasten nach wahrhaftigem Leben nahe bist.

Wir bitten für die verschiedenen gesellschaftlichen und religiösen Gruppen bei uns und in anderen Völkern, dass sie sich nicht gegeneinander verhärten. Bewahre uns im Streit der Meinungen vor einer Vergiftung unseres öffentlichen Lebens. Lass uns vielmehr mit unserem österlichen Glauben an das Leben in deiner Nähe dazu beitragen, dass weniger Angst in der Welt herrscht.

Wir bitten für Menschen, die in unserem und in anderen Ländern leiden: Benachteiligte, Asylsuchende, Flüchtlinge, Arbeitslose und Kriegsopfer. Schenke uns Mitgefühl und Fantasie, wie wir diese Menschen bei uns integrieren können.

Wir bitten dich für alle Menschen, die eine Krankheit zu tragen haben und damit nicht fertig werden. Gib ihnen Gedanken der inneren Ruhe und der Bewahrung. Ebenso bitten wir dich für die Sterbenden. Nimm von ihnen ihre Ängste und öffne ihre Augen für deine bewahrende Nähe.

Unser Bitten und Flehen legen wir vor dich, Gott des Lebens, mit den Worten, die Jesus mit seinen Jüngern gebetet hat:

Vater unser im Himmel …