1. Korinther 3, 9-15

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Predigt zu 1. Korinther 3, 9-15 / 12. Sonntag nach Trinitatis / 23. August 2026 / Bert Hitzegrad

Gnade sei mit uns und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus!

 

Predigttext: 1. Kor 3, 9-15 („Hoffnung für alle”):

Wir sind Gottes Mitarbeiter, ihr aber sei Gottes Ackerland und sein Bauwerk.

Gott hat mir in seiner Gnade den Auftrag und die Fähigkeit gegeben, wie ein guter Bauleiter das Fundament zu legen. Doch andere bauen nun darauf weiter. Und jeder muss darauf achten, dass er wirklich sorgfältig arbeitet. Das Fundament, das bei euch gelegt wurde, ist Jesus Christus. Niemand kann ein anderes oder besseres Fundament legen.

Nun kann man mit den unterschiedlichsten Materialien weiterbauen. Manche verwenden Gold, Silber, kostbare Steine, andere nehmen Holz, Schilf oder Stroh. Doch an dem Tag, an dem Christus sein Urteil spricht, wird sich zeigen, womit jeder gebaut hat. Dann nämlich wird alles im Feuer auf seinen Wert geprüft, und es wird sichtbar, wessen Arbeit dem Feuer standhält. Hat jemand fest und dauerhaft auf dem Fundament Christus weitergebaut, wird Gott ihn belohnen. Verbrennt aber sein Werk, wird er alles verlieren. Er selbst wird zwar gerettet werden, aber nur mit knapper Not, so wie man jemanden aus dem Feuer zieht.

 

Und Gott segne dieses sein Wort an uns und lass es auch durch uns zu einem Segen werden.

 

Liebe Gemeinde!

 

Eine typische Situation im Pfarramt: Ein Anruf – eine junge Frau ist am Telefon. Sie möchte heiraten und fragt nach einem Termin für die kirchliche Trauung. Eine typische Situation – die Braut ruft an – für Kinder, Küche, Kirche sind immer noch die Frauen zuständig. Und die Kirche ist die letzte Hürde bei der Planung des großen Festes. Der Saal, das Essen, die Musik für den Tanz sind bestellt, der Termin beim Standesamt ist gebucht, nun fehlt nur noch die Kirche. „Wir möchten gern in Ihrer Kirche heiraten!” Nach einer kurzen Rückfrage stellt sich heraus, dass die jungen Leute keine Gemeindeglieder sind, sondern zur Nachbargemeinde gehören. Diese Gemeinde hat in den 60-er Jahren einen modernen Kirchbau inmitten des  Gemeindezentrums erhalten. Dort soll die Hochzeit aber nicht sein. „Wir möchten uns gern in Ihrer schönen alten Kirche trauen lassen!”

Konkurrenz belebt das Geschäft, so heißt es in anderen Zusammenhängen. Was bewegt aber das junge Paar, nicht den hellen Sakralraum für den Start ins gemeinsame Leben zu wählen, sondern das eher düstere Kirchenschiff mit seinen groben Felssteinen in der Wand und dem leichten Salpeterbefall?

„Das ist keine richtige Kirche” lautet das Urteil über den modernen Kirchenbau. „Wir lieben das altehrwürdige Gebäude in Ihrer Gemeinde!”

Die Gründe für diese „Vor-Liebe” des liebenden Paares mögen ganz vielschichtig sein. Das altehrwürdige Gebäude, das dem Kirchenvorstand zunehmend Sorgen bei den Unterhaltungskosten macht, steht für Beständigkeit, Zuverlässigkeit. Seit Jahrhunderten wird dort Gottesdienst gefeiert. Die Reihe der Pastoren ist fast unüberschaubar. Die Taufen füllen mehrere Kirchenbücher. Und nach 25 oder 50 Jahren kommen die Hochzeitspaare gern wieder in ihre Hochzeitskirche, um sich dort noch einmal segnen zu lassen. Auch die Eltern und die Großeltern des jungen Paares hätten dort übrigens geheiratet …

Die massiven Felsbrocken, die zum Fundament der Kirche gehören, scheinen den Eindruck von Verlässlichkeit auszustrahlen. Die Kirche, die altehrwürdige Kirche, immer noch ein Garant für Kontinuität und Stabilität. Und das angesichts einer Gesellschaft, die rastlos und haltlos ist. Und das junge Hochzeitspaar, das sich da in der Kirche auf festem Fundamente die Treue bis zum Tod versprechen will, es hat wohl die Hoffnung, dass angesichts von hohen  Scheidungsraten und Familien, die zerbrechen, die Zuverlässigkeit und Tragfähigkeit des Gebäudes sich für ihren „Bau der Ehe” günstig auswirkt.

Aber ist das schon ein „Fundament fürs Leben”?

Paulus, als Architekt und Bauleiter der Gemeinde in Korinth, benennt das Fundament des Lebens, des Glaubens, ganz eindeutig: Jesus Christus – niemand kann ein anderes oder besseres Fundament legen. Der Grund des Glaubens ist die Offenbarung der Liebe Gottes in seinem Sohn. Sein Leben, sein Sterben und seine Auferstehung sind die Basis für das, was Kirche heute noch ist und ausmacht – das gilt für das tragende Fundament eines alten ehrwürdigen Kirchenbaus wie für die moderne Architektur in der Nachbargemeinde. Und das gilt vor allem für die Gemeinden, die in den gut gegründeten Gebäuden Gottesdienste feiern und mit dem Glaubenskenntnis in apostolischer Tradition und mit dem Vaterunser, das Jesus selbst uns überliefert hat, sich immer wieder auf das tragenden Fundament des Glaubens stellen.

Aber gilt das auch für das Brautpaar, das eine feierliche Hochzeit im altehrwürdigen Rahmen feiern möchte?

Die Trauansprache müsste das wohl dezidiert benennen – so wie jede Predigt in das Credo münden sollte, dass Christus die alles tragende Voraussetzung für uns ist.

Aber betrachten wir die modernen Baupläne des Lebens ganz genau – ist das wirklich noch so? Steht der apostolische Bauplan da nicht in Konkurrenz zu den modernen Architekturen des Lebens? Berufliche Karriere, materielle Sicherheit, Sorge um die Familie, Nutzen aller Bildungschancen oder einfach das Leben in einer Spaßgesellschaft … Auf welchen Säulen steht das Leben?

Paulus nimmt für sich in Anspruch, dass er in Korinth „wie ein guter Bauleiter” das richtige Fundament gelegt hat. Es ist nicht einfach da, kann nicht vorausgesetzt werden, sondern muss immer wieder in den Boden des Lebens gegossen werden. Für die Korinther verbindet sich deshalb der christliche Glaube mit dem Namen des Paulus. Weitere „Mitarbeiter Gottes”, namentlich Apollos und Kephas, haben sich an der Baustelle „Gemeinde” beteiligt und je auf ihre Weise den Bauplan umgesetzt. Das hat nicht zur Schönheit und Festigkeit des Gebäudes beigetragen, sondern es wäre fast zur Ruine verkommen. Streitigkeiten, Überheblichkeit, Konkurrenz zwischen den Bauleuten war ein schlechtes Baumaterial, das keine Stabilität verheißt, weder in kurzen menschlichen Maßstäben, noch in Gottes Zeitmaß der Ewigkeit gerechnet. Deshalb ruft Paulus die Gemeinde zurück zur Baustelle, zurück zum vorhandenen, starken und tragfähigen Fundament. Er ruft aber auch zurück zu dem, der den Grund gelegt hat, der – ohne falsche Bescheidenheit – zum Vater des Glaubens in Korinth wurde – er selbst, Paulus, von Gott berufen in seiner Gnade.

Wer sind die Väter und Mütter unseres Glaubens, zu denen wir zurückkehren, wenn unser Haus des Lebens und des Glaubens ins Wanken gerät?

Finden wir dort – bei den Autoritäten unserer Biographie – den Bauplan fürs Leben, der sich auf Christus gründet? Oder sind wir enttäuscht, was sich hinter der Fassade verbirgt? Enttäuschung, wie sie sich auch oft zeigt, wenn Gäste aus den Partnerkirchen, aus Afrika oder Lateinamerika, bei uns im Land der Reformation zu Gast sind. Sie kommen dorthin, woher ihre Väter und Mütter im Glauben als Missionare ausgesandt wurden. Und sie erwarten dort ein starkes Fundament, ein  festes Gebäude des Glaubens. Und sie finden altehrwürdige Kirchengebäude und Strukturen, die für die Beständigkeit der Kirche sorgen, aber sie spüren, dass das eigentliche Fundament bröckelt, dass die Mitte fehlt, dass die Architektur nicht mehr stimmt: der Unterbau ist zum Überbau geworden. Andere Fundamente werden bemüht, Bausteine aus anderen Religionen, Baumaterialien aus dem Kramladen der Esoterik. Und oft ist die Lebendigkeit des Glaubens erstarrt in den vermeintlichen Sicherheiten. Wo ist da noch die befreiende Kraft des Evangeliums? Können wir mit den Partnern aus der Ökumene diese Kraft neu entdecken? Werden Sie uns zum „Paulus”, um den Blick auf die Mitte wieder frei zu bekommen?

Allerdings: Der Apostel wirkt in der verfahrenen Situation in Korinther relativ gelassen. Er ist sich sicher, dass er einen festen Grund gelegt hat. Was letztendlich Bestand hat, ob Gold, Silber, kostbare Steine den Bau zu einem Palast machen oder mit Holz und Schilf und Stroh zu einer Kirche der Armen (für die Armen!), das liegt nicht in der Hand der Bauleute, auch wenn der Apostel es gern so hätte. Das Bewerten, das Richten allein bleibt Gott überlassen. So bedrohlich der richtende Gott, der mit Feuer daherkommt, erscheint, so groß ist auch die Freiheit, mit der er seine Kirche bauen lässt. Gold und Stroh – Rom und Bethlehem, Basilika und Lagerkirche, Großevangelisationen und der schlichte agendarische Gottesdienst am Sonntagmorgen. Die Vielfalt ist groß, die Mittel unterschiedlich, der Erfolg in Gottes Hand, das Fundament kann nur ein einziges sein: allein Christus.

So gelassen wie der Apostel den Bau der Kirche betrachtet, so nüchtern schätzt er auch die Attraktivität ein: „Wir aber sagen den Menschen, dass Christus am Kreuz für uns sterben musste, auch wenn das für die Juden eine Gotteslästerung ist und für die Griechen blanker Unsinn!” (1. Kor 1,23).    

Für Paulus ist es klar, dass das Fundament in Christus es schwer hat in Konkurrenz mit dem, was sonst auf dem Markt an Sicherheiten angeboten wird. Das war so – und das ist so.

Der leidende Jesus von Nazareth am Kreuz bleibt sperrig für eine Welt, die den Tod in die Pflegeheime und Krebstationen verlagert. Und der auferstandene Christus ist nicht attraktiv für Menschen, die klare Beweise, Fakten, Sicherheiten suchen. Vertrauen ist da wenig gefragt. Die Kirche des Kreuzes ist keine Kirche, die erfolgsorientiert arbeitet, sondern eine Kirche, die sich von ihrem Fundament her versteht. Und deshalb ist sie eine Kirche derjenigen, die suchend sind und fragend, zweifelnd und einsam. Und die Kirche im Licht der Auferstehung ist kein goldener Palast, in der die Herrlichkeit Gottes eingesperrt wird, sondern das ist die Gemeinde Jesu Christi, die diesen hellen Schein in ihren Herzen trägt und singen kann: „In dir ist Freude in allem Leide!” Die Konkurrenz ist damit nicht ausgestochen. Doch die Qualität macht nicht die Attraktivität aus, nicht die äußere Schönheit noch der Schein. Die Qualität zeigt sich an der Tragfähigkeit und an der Haltbarkeit – gebaut auf Zeit oder für die Ewigkeit.

Das soll auch das junge Paar hören und verstehen, das sich etwas von der Beständigkeit der alten Kirche für ihr junges, gemeinsames Leben wünscht. Natürlich sollen sie ihren Termin und ihre Wunschkirche bekommen. Und dazu den zentralen Vers aus unserem Predigttext als Trauspruch: „Das Fundament, das bei euch gelegt wurde, ist Jesus Christus. Niemand kann ein anderes oder besseres Fundament legen!”(1. Kor 3,11)

Christus als das Fundament der Ehe? Nicht das Feuer der Liebe, das manchmal nur vom Stroh genährt wird. Nicht das Glück der Zweisamkeit, das schon zu dritt in echten Stress umschlagen kann?

Christus als das Fundament, Gott, der unser ganzes Leben in Anspruch nehmen will!

Er ist der Garant für Beständigkeit, er ist die Quelle der Liebe, er schenkt seinen Segen, im Glück und Leid des Lebens. Er nimmt uns in aller Unterschiedlichkeit an, er weiß, dass Schuld und Fehler Menschen trennen, er hat die Größe und Barmherzigkeit trotzdem auf uns mit offenen Armen zu warten und macht uns Mut zu Neuanfängen.

Das Haus des Lebens, des gemeinsamen Lebens, so wird es das Paar hören, ist schön und lebenswert, und doch ist es gleichzeitig labil und immer wieder vom Einsturz bedroht. Garantien kann niemand geben. Aber mit dem Zeichen des Kreuzes, mit dem Segen Gottes bekommt es ein Fundament das trägt und einen Grund, der hält. Amen.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus zum ewigen Leben. Amen.

      

Pastor i.R. Bert Hitzegrad

EMail: BHitzegrad@aol.com

 

Ich bin Pastor der hannoverschen Landeskirche. Seit dem 1. 10.2024 bin ich im Ruhestand. Bis dahin habe ich zwei Gemeinden dicht an Elbe und Nordsee betreut. Ich freue mich, dass ich auch weiterhin die Predigtwerkstatt unterstützen kann, nun unter der wohltuenden Bedingung des größeren Zeitkontingents.