1. Korinther 3, 9-17

· by predigten · in 07) 1. Korinther / 1 Corinthians, 12. So. n. Trinitatis, Aktuelle (de), Beitragende, Bibel, Deutsch, Kapitel 03 / Chapter 03, Kasus, Neues Testament, Predigten / Sermons, Winfried Klotz

 | 12. Sonntag nach Trinitatis | 23. 8. 2026 | 1. Korinther 3, 9-17 | Gemeinde Jesu bauen-nicht mit untauglichen Mitteln! |

9 Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau.  10 Nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe ich den Grund gelegt als ein weiser Baumeister; ein anderer baut darauf. Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut. 11 Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. 12 Wenn aber jemand auf den Grund baut Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stroh, 13 so wird das Werk eines jeden offenbar werden. Der Tag des Gerichts wird es ans Licht bringen; denn mit Feuer wird er sich offenbaren. Und von welcher Art eines jeden Werk ist, wird das Feuer erweisen. 14 Wird jemandes Werk bleiben, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen. 15 Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden; er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch. 16 Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? 17 Wenn jemand den Tempel Gottes zerstört, den wird Gott zerstören, denn der Tempel Gottes ist heilig – der seid ihr.

Da redet ein ziemlich selbstbewusster Mitarbeiter Gottes; Paulus sieht sich als Ackerbauer, der die Gemeinde, Gottes Feld beackert, bzw. als Baumeister, der die Gemeinde- Gottes Bau- aufbaut. Die Rollenverteilung ist klar, aber sein Werk ist nicht Frucht menschlichen Könnens, sondern Werk der Gnade Gottes. Paulus hat das Fundament gelegt, er hat in Korinth Gottes Bauwerk begonnen, auf dem andere weiterbauen. Dieses Fundament ist die Botschaft von Jesus Christus, durch den Gott alle rettet, die sich im vertrauenden Glauben auf Jesus Christus gründen lassen. Alle, die sich auf Jesus Christus verlassen, werden in die versöhnte Gemeinschaft mit Gott hineingestellt. Die wissen nicht nur um Gott, sondern erfahren Gottes Liebe. ER nimmt sie an und vergibt ihnen ihre Schuld. Gott schafft durch sein Wort von Jesus und seinen Geist einen neuen Menschen, auch wenn das erst der Anfang des Weges ist. Und er stellt Menschen damit hinein in die Gemeinde. Es entsteht also eine doppelte Beziehung, verbunden durch Jesus mit Gott und eingebunden in die Gemeinschaft mit allen, die durch Jesus zu Gott gehören.

Gemeinde bauen, die auf Jesus Christus gegründet ist, darum geht es. Zu dieser Aufgabe gebraucht Gott Menschen, aber es ist sein Werk, er gibt das Gelingen. Da Gott nicht vom Himmel her zaubert, um Gemeinde Jesu zu bauen, sondern Menschen beauftragt, besteht die Gefahr, dass der Bau misslingt. Sie muss ja von Generation zu Generation neu gebaut werden. Legen die Baumeister das Fundament richtig, wie Paulus es von sich sagt, dann ist Entscheidendes geschehen. Jesus Christus, der Gekreuzigte, ist das Fundament. Im 2. Kapitel des 1. Korintherbriefs schreibt Paulus: „Denn ich hatte beschlossen, bei euch nichts anderes zu wissen außer das eine: Jesus Christus, und zwar den Gekreuzigten.“ (V. 2) Während die Christen in Korinth darüber streiten, ob  es vorteilhafter ist, sich Paulus oder Apollos oder einer anderen Führungsfigur anzuschließen, während diese Gruppen konkurrieren, was Erkenntnis und Geistesgaben angeht, -ich vermute darin auch den Versuch für die nichtchristliche Umwelt anschlussfähig zu sein-, beschränkt sich Paulus in radikaler Einseitigkeit darauf, Jesus Christus, den Gekreuzigten, zu predigen. Er weiß, das ist Torheit für die, die nach den Maßstäben dieser Welt urteilen; es entspricht nicht den Erwartungen. Die Götter dieser Welt retten nicht durch einen, der verurteilt und am Kreuz hingerichtet wurde; sie retten durch überlegene Kraft und Weisheit. Der Gott Israels aber rettet durch seinen Sohn und Gesandten, er bekennt sich zu ihm und erweckt ihn aus dem Tod, er macht sein Kreuz zum Ort der Versöhnung für alle, die sich an Jesus halten.

Jesus Christus der Gekreuzigte ist das Fundament der Gemeinde, er ist die Quelle, aus der das Leben fließt. Umstrukturierungen, Reformen, neue Ansätze müssen sich daran messen lassen, ob sie den Zugang zu dieser Quelle ermöglichen. Oder im Bild des Paulus vom Hausbau: mit welchem Material wird auf dem Fundament weitergebaut, mit edlem oder mit verderblichen? Das edle Material besteht im Gericht, das verderbliche verbrennt. Ich meine, dass sich schon vor dem Endgericht zeigt, was haltbar und beständig und was untauglich ist: es zeigt sich in der Anfechtung, es zeigt sich in der Verfolgung. Wer Christsein aus Eigennutz, wer es zur Befriedigung religiöser Bedürfnisse verkündigt oder lebt, wird sich distanzieren, wenn es ihn etwas kostet.

Exkurs: Wir leben heute in einer  Zeit kirchlicher Umstrukturierung und vielfältiger Versuche, Kirche interessant zu machen; zum Beispiel durch „Einfach heiraten: Pop-Up-Trauungen für Kurzentschlossene“.1 Beworben wird das Format in der hessischen Kirche mit folgendem Text: „Warum einfach heiraten?

  • Schnell und unkompliziert: Keine monatelange Planung, einfach vorbeikommen und Ja sagen!
  • Günstig: Perfekt für alle, die sich keine große Hochzeit leisten können.
  • Offen für alle: Ob kirchlich oder nicht, alle sind willkommen!
  • Besondere Atmosphäre: Segnungen und Trauungen im Minutentakt, mit Musik, Seifenblasen und leckeren Häppchen.“

Kein Traugespräch zur Vorbereitung, keine lange Planung des Ereignisses, keine Bezug zur Gemeinde: das Bedürfnis nach einem Ritual wird schnell und unkompliziert erledigt. Und so sieht dann diese „Trauung“ aus: „Der Ablauf könnte laut Evangelischer Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) so aussehen: 1. Einzug; 2. Begrüßung; 3. Segensritual; 4. Kuss & Lied; 5. Auszug. Nach nur circa 15 Minuten ist die Trauung vorbei.“ Kirche als religiöser Dienstleister; auf die Verkündigung des Evangeliums von Jesus wird verzichtet. Warum machen wir das?

Kirchliche Umstrukturierung: In der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau hat man unter dem Stichwort „ekhn2030“ die Zusammenlegung von Gemeinde in „Nachbarschaftsräume“ beschlossen und weitgehend durchgeführt. Im Dekanat Odenwald sind drei Nachbarschaftsräume entstanden. Pfarrerinnen und Pfarrer werden mit kirchenmusikalisch und gemeindepädagogischen MitarbeiterInnen zu Verkündigungsteams zusammengeführt.2 Ich habe mal in den Bestimmungen geblättert: ein Wust von Regelungen. Übrigens, dass eine Gemeinde sich ausklinkt und eine Personalgemeinde bildet, ist nicht vorgesehen. Der bisherige Status der einzelnen Kirchengemeinde als eigenständige Körperschaft wird aufgehoben.

Begründet wird die Umstrukturierung mit abnehmenden Mitgliederzahlen und geringeren finanziellen Mitteln. Es geht also, wie bei Firmen, um ein Sparprogramm, das die Leistungsfähigkeit der Kirche erhalten soll. Die religiösen Bedürfnisse sollen weiterhin befriedigt werden. Die geistliche Situation einer Ortsgemeinde wird nicht angeschaut, unterschiedliche Prägungen ignoriert. Freiwilligkeit beim Zusammenschließen gibt es nicht. Neutestamentlich betrachtet entstanden Gemeinden durch missionarische Verkündigung als Ortskirchen; sie wurden durch Älteste mit geistlicher Begabung geleitet. Welche Zukunft eröffnet eine Kirchenreform- Umstrukturierung, die absieht von der Gemeinde bauenden und gestaltenden Kraft der Verkündigung des Evangeliums von Jesus Christus, dem Gekreuzigten?

Der oft so genannte „Herr der Kirche“ und die „Sendung“ durch ihn spielen- soweit ich es erkenne –  nur eine untergeordnete Rolle. Nach dem Motto „der Köder muss dem Fisch schmecken“ macht die Kirche religiös verbrämte Sondergebote; ob unsere säkulare und das heißt vor allem auch, den eigenen Bedürfnissen und Wünschen verpflichtete Gesellschaft, sich so ködern lässt, bleibt mir sehr fraglich. Ende des Exkuses

1 https://www.indeon.de/glaube/hochzeit-pop-up-trauung-hessen  2 https://bkcdn.ekhn.de/data/3041-transformation/_material/Rechtsfragen_rund_um_das_Verk%C3%BCndigungsteam.pdf

Paulus, er nennt sich Vater der Gemeinde in Korinth (Kap. 4, 15), hat eine andere Gemeindesituation vor Augen als wir heute: er sucht eine kleine Gemeinde zusammenzuhalten, in deren Versammlungen das geistliche Leben brodelt, die Mitglieder sich an Leitfiguren orientieren und gegeneinander abgrenzen. Die Christen in Korinth befinden sich in einer Art religiöser Wettlauf: Wer ist klüger, besser, wer kann mehr? Es besteht die Gefahr, dass die Gemeinschaft der Christen in Korinth sich auflöst. Die durch Christus gegebene Einheit wird zerstört. Damit wird in Frage gestellt, was durch Paulus und andere in Korinth geschehen ist: im Wort des Paulus und Apollos ist Jesus, der Gekreuzigte, zu den Menschen in Korinth gekommen und hat ihr Leben verändert; ein neuer Mensch wurde durch Gott geschaffen. „Ihr gehört doch Jesus Christus“ (3, 23), das ist die Zielaussage, darum ringt Paulus, da schlägt sein Herz! Durch die Zuordnung zu religiösen Autoritäten, durch Konkurrenzdenken und Überheblichkeit, oder auch die Anpassung an gesellschaftliche Trends, wird diese Zugehörigkeit sekundär; das darf nicht geschehen!

Deshalb spricht Paulus warnend die Verfehlungen beim Bau der Gemeinde Jesu an. Wer Gemeinde Jesu bauen will, muss edle Materialien verwenden; Materialien, die im Gericht Gottes Bestand haben. Überheblichkeit, Abgrenzung, Lieblosigkeit erweisen sich im Gericht Gottes als Holz, Heu und Stroh und verbrennen. Wer daraus seine Identität als Christ/in zieht, dass er/sie lutherisch, reformiert, katholisch, baptistisch, pfingstlerisch ist, hat Christsein im Grund nicht verstanden. Bei allen unterschiedlichen Ausprägungen muss gelten: „Wir gehören Jesus Christus“.  Und deshalb ist ein anderer Christ, eine andere Christin, mein Bruder, meine Schwester.

Noch einmal: Gemeinde Jesu darf nicht mit untauglichen Mitteln gebaut werden; dazu zähle ich auch heutige Versuche, durch Segensrituale wie Pop-Up-Trauungen für Kurzentschlossene ohne Verkündigung der Botschaft von Jesus Menschen an die Kirche zu binden.

Gottes Gericht beginnt schon in dieser Zeit. Wer bleibt bei Jesus und seiner Gemeinde, wenn der gesellschaftliche Wind ihr heftig entgegen weht? Welche Ausrüstung brauchen wir, um nicht weggeblasen zu werden? Reichen religiöse Sonderangebote ohne Verkündigung der rettenden Botschaft von Jesus? Darf das Hauptinteresse der kirchenleitenden Leute darauf liegen, wie die Institution Kirche ihren Bestand sichert? Muss nicht das Grundanliegen sein, Jesus Christus, den Gekreuzigten zu verkündigen -ohne zu viel Rücksicht zu nehmen auf die Erwartungen und Hörgewohnheiten der Menschen heute? Braucht es nicht weit mehr als kluge, kommunikative, in Managementfragen geschulte Pfarrerinnen und Pfarrer, nämlich Menschen, die zum Dienst berufen und vom Herrn gesandt sind! Und die es sich etwas kosten lassen, Jesus Christus zu repräsentieren. Wie soll der Dienst zukünftig aussehen? Es braucht Menschen, die missionarisch orientiert sind, die ihren Lebensunterhalt, jedenfalls zum Teil, durch einen anderen Beruf verdienen, Diener und Dienerinnen Christi.

Unsere Kirche- ich habe die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau vor Augen- möchte gesellschaftlich relevant sein;  weder bei Jesus noch bei Paulus sehe ich ein besonderes Interesse daran. Sie waren aber durchaus gesellschaftlich relevant, weil sie durch ihre Verkündigung und die Zuwendung zu den Kranken, Ausgegrenzten, Anstoß erregten. Die Umkehrpredigt geschah im Wissen um Gottes Gnade und Gericht; die Zuwendung zu den Elenden geschah im Wissen um Gottes Barmherzigkeit, die allen Menschen gilt. Das hatte für sie schwerwiegende Folgen, so wie sie Christen in manchen Regionen unserer Erde erleben müssen. Wer geschlagen wird, ins Gefängnis wandert, Familie, Haus und Hof oder sogar sein Leben verliert, weil er/sie sich zu Jesus Christus bekennt, zahlt einen hohen Preis. Ich sehne solche Folgen nicht herbei; wer möchte nicht leben und gute Tage sehen. Es ist aber höchste Zeit, dass wir, statt uns Auftrag und Ziel von einem überholten Bild von Kirche und von gesellschaftlichen Erwartungen vorgeben zu lassen, den ernst nehmen, den wir den Herrn der Kirche nennen.

Unser Predigtwort schließt in den beiden letzten Versen mit einer scharfen Mahnung: „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? Wenn jemand den Tempel Gottes zerstört, den wird Gott zerstören, denn der Tempel Gottes ist heilig – der seid ihr.“ Kirche ist kein Laden für religiöse Artikel, sondern Ort der Gegenwart des heiligen Gottes. Vor dieser Gegenwart bestehen wir nur im Schatten des gekreuzigten Jesus. Alles, was wir tun, muss in Abhängigkeit von IHM geschehen, damit seine Gemeinde nicht zerstört, sondern gebaut wird. Amen.

Winfried Klotz, Jg. 1952, Studium in Frankfurt und Heidelberg, nach dem 2. Examen Auslandsjahr in Jerusalem, Pfr. i. R. der EKHN; verh. m Lydia, 3 Kinder, 2 Enkel; geistl. Herkunft aus dem Pietismus, theol. geprägt von Otto Michel und Hans Joachim Iwand. winfried.klotz@web.de