Apostelgeschichte 10,21-35

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Mit Gott Grenzen überwinden | 3. Sonntag nach Epiphanias | 25. Januar 2026 | Apg 10,21-35 | Paul Wellauer |

| Psalmgebet im Wechsel | Psalm 41 I Gebet in Krankheit | Lutherbibel 2017*

1 Ein Psalm Davids, vorzusingen.

I  2 Wohl dem, der sich des Schwachen annimmt! Den wird der HERR erretten zur bösen Zeit.

II 3 Der HERR wird ihn bewahren und beim Leben erhalten

und es ihm lassen wohlgehen auf Erden und ihn nicht preisgeben dem Willen seiner Feinde.

I  4 Der HERR wird ihn erquicken auf seinem Lager; du hilfst ihm auf von aller seiner Krankheit.

II 5 Ich sprach: HERR, sei mir gnädig! Heile mich; denn ich habe an dir gesündigt.

I  6 Meine Feinde reden Arges wider mich: »Wann wird er sterben und sein Name vergehen?«

II 7 Kommt einer, nach mir zu sehen, meint er’s doch nicht von Herzen;

er sammelt Bosheit, geht hinaus und trägt’s weiter.

I  8 Alle, die mich hassen, flüstern miteinander über mich und denken sich Böses gegen mich aus:

II 9 «Unheil ist über ihn ausgegossen; wer so daliegt, steht nicht wieder auf.»

I  10 Auch mein Freund, dem ich vertraute, der mein Brot ass, tritt mich mit Füssen.

II 11 Du aber, HERR, sei mir gnädig und hilf mir auf, so will ich ihnen vergelten.

I  12 Daran merke ich, dass du Gefallen an mir hast, dass mein Feind über mich nicht frohlocken wird.

II 13 Mich aber hältst du um meiner Frömmigkeit willen und stellst mich vor dein Angesicht ewiglich.

I 14 Gelobt sei der HERR, der Gott Israels, von Ewigkeit zu Ewigkeit!

I+II Amen! Amen!

| Lesung Predigttext | Apostelgeschichte 10,21-35 | Petrus und Kornelius| © Die Zürcher Bibel, 2007**

21 Petrus ging hinunter und sagte zu ihnen: Seht, ich bin der, den ihr sucht. Aus welchem Grund seid ihr da? 22 Sie sagten zu ihm: Der Hauptmann Kornelius, ein gerechter und gottesfürchtiger Mann, angesehen beim ganzen jüdischen Volk, hat von einem heiligen Engel die Weisung erhalten, dich in sein Haus kommen zu lassen und zu hören, was du zu sagen hast. 23 Er bat sie herein und nahm sie als Gäste auf. Am folgenden Tag brach er auf und zog mit ihnen; und einige von den Brüdern aus Joppe begleiteten ihn. 24 Am Tag darauf kam er nach Cäsarea. Kornelius, der seine Verwandten und seine engsten Freunde zusammengerufen hatte, erwartete sie schon. 25 Als Petrus unter der Tür stand, ging ihm Kornelius entgegen und warf sich voller Ehrfurcht ihm zu Füssen. 26 Petrus aber richtete ihn auf und sagte: Steh auf! Auch ich bin ein Mensch. 27 Und im Gespräch mit ihm trat er ein und fand viele Leute versammelt. 28 Und er sagte zu ihnen: Ihr wisst, wie unstatthaft es für einen Juden ist, mit einem Fremden aus einem anderen Volk zu verkehren oder gar in sein Haus zu gehen. Mir aber hat Gott gezeigt, dass ich keinen Menschen gewöhnlich oder unrein nennen soll. 29 Darum bin ich, ohne zu widersprechen, gekommen, als du nach mir schicktest. Ich würde nun gerne erfahren, aus welchem Grund ihr mich habt kommen lassen. 30 Da sprach Kornelius: Vor vier Tagen um die gleiche Zeit, zur neunten Stunde, war ich beim Gebet in meinem Haus; da stand auf einmal ein Mann vor mir in einem leuchtenden Gewand, 31 und er sprach: Kornelius, dein Gebet ist erhört und deiner Almosen ist gedacht worden vor Gott. 32 Schicke nun nach Joppe und lass den Simon rufen, der den Beinamen Petrus trägt; er ist zu Gast im Haus des Gerbers Simon am Meer. 33 Da habe ich unverzüglich nach dir gesandt, und es ist gut, dass du gekommen bist. Wir sind jetzt alle hier vor Gott versammelt, um all das zu hören, was dir vom Herrn aufgetragen ist. 34 Petrus tat seinen Mund auf und sprach: Jetzt erkenne ich wirklich, dass bei Gott kein Ansehen der Person ist, 35 sondern dass ihm aus jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und Gerechtigkeit übt.

Selig ist jeder Mensch, der Gottes Wort hört, in seinem Herzen bewahrt und danach lebt. Amen

| Predigt | Mit Gott Grenzen überwinden |

Liebe Gemeinde, liebe christliche Geschwister

Ende Januar ist wohl ein günstiger Zeitpunkt, um die guten Vorsätze für das neue Jahr zu überprüfen: Jene von euch, die sich keine guten Vorsätze gesetzt haben, können jetzt gemütlich zurücklehnen und die nächsten paar Sätze überhören. Wer seine guten Vorsätze bisher vorbildlich befolgt hat, der kann sich gerne innerlich oder ganz praktisch auf die Schulter klopfen: Ich gratuliere von Herzen und wünsche weiterhin viel Erfolg! Und wer jetzt ein Grummeln in der Magengegend spürt, weil es bisher noch nicht so richtig funktioniert hat mit dem Anpacken der Jahresziele: Nur Mut, es liegen noch über elf Monate vor euch, um die Vorsätze anzupacken und umzusetzen!

Ich habe mir für dieses Jahr vorgenommen, Dinge, die ich erledigen soll, möglichst rasch anzupacken und nicht zu lange aufzuschieben, weil dies sonst doppelt Energie frisst: Weniger Aufschieberitis, mit dem Fachbegriff Prokrastination, mehr gleich anpacken und sofort erledigen. In einigen Punkten ist mir dies bereits gut gelungen, andere Aufgaben stehen noch immer auf der to do-Liste.

Im Bericht von Petrus und Kornelius entdecke ich drei christliche Vorsätze, die ich uns heute hinter die Ohren oder besser ins Herz schreiben möchte. Und nun sollten bitte auch wieder alle zuhören, auch jene, die sich für 2026 keine guten Vorsätze gesetzt haben.

  1. Lass dich von Gott immer wieder überraschen
  2. Wenn Gott zwei Menschen etwas aufzeigt, kann etwas Neues beginnen
  3. Gott hilft gerne beim Grenzen überwinden

1. Lass dich von Gott immer wieder überraschen

Petrus ist als gläubiger Jude aufgewachsen. Für den jüdischen Glauben sind bis heute eine grosse Zahl von Reinheitsgeboten grundlegend. Von welchen Tieren man essen oder nicht essen darf, ist klar geregelt. Dadurch ist auch stark beeinflusst, mit welchen Menschen man Tischgemeinschaft pflegen kann oder eben nicht. Deshalb sagt Petrus auch ausdrücklich, als er ins Haus von Kornelius kommt: «Ihr wisst, wie unstatthaft es für einen Juden ist, mit einem Fremden aus einem anderen Volk zu verkehren oder gar in sein Haus zu gehen.» Für jüdische Menschen gibt es viele unsichtbare Grenzen und Mauern zwischen ihnen und Menschen aus anderen Kulturen. Petrus überschreitet und überwindet diese Grenzen ganz bewusst und absichtlich, weil ihn Gott gleich mehrfach überrascht hat. Petrus hat eine göttliche Vision: In einem Tuch sieht er verschiedenste Tiere vom Himmel herabkommen, die für ihn gemäss der jüdischen Lehre unrein, nicht essbar waren. Drei Mal hört Petrus eine Stimme, die ihn auffordert, davon zu essen. Petrus wehrt sich zunächst: «Auf keinen Fall, Herr! Noch nie habe ich etwas Gemeines oder Unreines gegessen.»(Apostelgeschichte 10,14) Doch die himmlische Stimme versichert ihm dreimal: «Was Gott für rein erklärt hat, das nenne du nicht unrein.» (Vers 15) Diese Vision stellt sein Weltbild in Bezug auf Lebensmittel und Reinheit auf den Kopf. Doch er hat nicht lange Zeit, um darüber nachzudenken. Denn es klopft an der Türe und Gesandte von Kornelius verlangen nach ihm. Noch bevor er seine Eindrücke richtig verarbeiten kann, erhält er gleich Gelegenheit, diese himmlischen Einsichten praktisch umzusetzen. Er wird eingeladen, im Haus des römischen Hauptmanns in Cäsarea zu reden «was er zu sagen hat.» (Vers 22) Und auch für diese Begegnung erhält er von Gottes Geist eine Bestätigung: «Da sind drei Männer, die dich suchen. Wohlan, steh auf, geh hinunter und zieh ohne Bedenken mit ihnen, denn ich habe sie gesandt.» (Verse 19-20)

Ich gebe zu, ich hatte persönlich noch keine derart eindrücklichen göttlichen Visionen. Und ich nehme an, den meisten von euch, liebe Gemeinde, geht es ähnlich. Trotzdem behaupte ich: Gott kann dich und mich heute noch genauso überraschen, wenn wir es zulassen und Augen, Ohren und das Herz dafür offen haben.

Als Petrus seine Vision hat, ist er gerade auf dem Dach des Hauses am Beten. Er hat sich an einem stillen Ort bewusst Zeit genommen, um mit Gott ins Gespräch zu kommen. Beten heisst ja, mit Gott reden und auch auf ihn hören. Oder im Fall von Petrus kann es auch bedeuten: Etwas Unerwartetes sehen.

Nimm diesen Gedanken doch mit in deine nächsten Momente, in denen du vor Gott still wirst und betest: Guter Gott, was möchtest du mir heute ganz besonders aufzeigen? Womit möchtest du mich überraschen, herausfordern, neue Einsichten schenken? Es kann helfen, die Gedanken, die dann aufsteigen, zu notieren und in den kommenden Tagen nochmals im Gebet vor Gott zu bewegen. Möglicherweise sind es Menschen, die vor deinem inneren Auge erscheinen, denen du anrufen oder einen Besuch anbieten solltest. Vielleicht ist es ein biblischer Satz oder Bericht, der dich plötzlich neu anspricht. Oder deine Gedanken kreisen um einen Lebensbereich, von dem du spürst, dass Gott etwas damit vorhat. Lass dich überraschen!

Auch der Hauptmann Kornelius wurde überrascht: Bei ihm war es ein Engel, der ihm erschien und ganz klare Anweisungen erteilte, so wie er als Hauptmann gewohnt ist, seinen Soldaten Befehle zu erteilen. Er solle Boten in die Stadt Joppe, heute Jaffa, senden, um dort nach einem Simon Petrus zu fragen. Und Kornelius zaudert nicht lange: Er schickt gleich drei Bedienstete los, um Simon Petrus abzuholen. Und Petrus lässt sich rufen. Rund zwei Tage dauert die Reise von Joppe nach Cäsarea. Ich stelle mir vor, Petrus hat sich während dieser zwei Tage viele Fragen gestellt: Was soll das alles? Wie kann ich diese Vision einordnen? Was hat Gott mit mir vor? Wer ist dieser Kornelius und was will er von mir?

2. Wenn Gott zwei Menschen etwas aufzeigt, kann etwas Neues beginnen

Ich weiss nicht, mit welchen Erwartungen Sie heute diesen Gottesdienst besuchen: Eine Stunde Ruhe und Besinnung erleben, schöne Lieder und Musik geniessen, ein Gedankenanstoss aus der Predigt mitnehmen oder Antworten auf aktuelle Lebensfragen erhalten? Aber ich kann mir vorstellen, dass sowohl Petrus als auch Kornelius und alle Personen rund um die beiden hohe Erwartungen hatten. Es dürfte sich im Umfeld von Kornelius herumgesprochen haben, dass er eine Engelserscheinung hatte. Und die christlichen Brüder, die Petrus begleiten, haben bestimmt unterwegs über die Vision diskutiert und diese spezielle Einladung ins Haus eines römischen Hauptmanns.

Kornelius wirft sich Petrus voll Ehrfurcht zu Füssen. Für ihn ist Petrus wohl wie der Engel ein Bote, ein Gesandter Gottes oder sogar ein Mensch mit göttlichen Eigenschaften. Doch Petrus stellt sofort klar: «Steh auf! Auch ich bin ein Mensch.» (Vers 26) Und es scheint, dass die beiden noch auf der Türschwelle mit einer lebendigen Diskussion beginnen. «Und im Gespräch mit ihm trat er ein und fand viele Leute versammelt.» (Vers 27) – «Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über!» (vgl. Matthäus 12,34; Lukas 6,45): Die beiden haben sich etwas zu erzählen. Zunächst macht Petrus klar, dass es für ihn eine Grenzüberschreitung ist, ins Haus des römischen Hauptmanns einzutreten. Doch er erklärt auch gleich, weshalb er dies trotzdem wagt: «Mir aber hat Gott gezeigt, dass ich keinen Menschen gewöhnlich oder unrein nennen soll.» (Vers 28b) Die Vision hat Petrus aufgezeigt, dass es keine Lebensmittel gibt, die ihn verunreinigen könnten. Er darf von allem essen. Und in der Begegnung mit Kornelius wird ihm klar: Dies gilt auch für Menschen. Gott hat alle Menschen geschaffen. Es steht uns nicht zu, die einen unrein und die anderen rein, die einen heilig und die anderen unheilig zu bezeichnen. Diese Einsicht von Petrus wird die christliche Gemeinde noch da und dort beschäftigen: Es ist ihnen geistlich gesehen wohl schon klar, dass durch Jesus Christus vor Gott alle gleich sind, aber manchen wäre es lieber, die einen oder anderen wären noch etwas «gleicher». Petrus wird in seiner Meinung auch noch etwas hin- und hergerissen, aber in diesem Moment ist ihm sonnenklar: Gott spricht auch zu diesem römischen Hauptmann und seinem ganzen Familien- und Freundeskreis. Diese Begegnung ist ein Wendepunkt in der Verbreitung des Christentums: Bisher wurde vor allem jüdischen Menschen die Botschaft von Jesus Christus gepredigt und vorgelebt, hier öffnet sich ganz grundsätzlich die Türe zur nicht-jüdischen Welt. Auch Nicht-Juden sollen das Evangelium hören und erfahren. Petrus wird in seiner nachfolgenden Predigt darauf eingehen. «Jetzt erkenne ich wirklich, dass bei Gott kein Ansehen der Person ist, sondern dass ihm aus jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und Gerechtigkeit übt.» (Verse 34-35) Und als Gottes Bestätigung dieser umfassenden Botschaft werden alle Zuhörenden von Gottes Heiligem Geist erfüllt.

Wir können uns nun fragen, was zuerst da war, das Huhn oder das Ei: Der Wunsch und Auftrag von Kornelius, Simon Petrus aus Joppe nach Cäsarea zu holen oder die Vision und Einsicht von Petrus, dass nichts unrein ist. Die Antwort ist in diesem Fall einfach: Gott hat an beiden und durch beide Männer Wunderbares gewirkt. «Wenn Gott zwei Menschen etwas aufzeigt, kann etwas Neues beginnen», habe ich diesen zweiten Teil meiner Predigt überschrieben. Hätte nur einer von ihnen eine Engelserscheinung oder eine himmlische Vision gehabt, könnte das von der Umgebung als Hirngespinst abgetan werden. Doch dass sich die beiden himmlischen Impulse so entsprechen und ergänzen: Das kann kaum ein Zufall sein.

Deshalb möchte ich uns einen zweiten «Vorsatz», eine weitere Herausforderung mitgeben: Wenn du am Beten und Hören bist, frage dich auch, mit wem du Gedanken, Ideen und Visionen teilen kannst, die in dir aufsteigen. Jesus hat seine Jünger zu zweit ausgesandt, das Evangelium in Wort und Tat weiterzugeben, und er spricht eine besondere Verheissung darüber aus, wenn zwei Menschen «übereinkommen, um etwas zu bitten, dann wird es ihnen von meinem Vater im Himmel zuteil werden.» (Matthäus 18,19)

Nicht nur damals bei Kornelius und Petrus ist Neues gewachsen, weil zwei Menschen von Gott her einen übereinstimmenden Auftrag erhalten und umgesetzt haben. Auch in unserer Gemeinde gibt es viele Beispiele von guten Initiativen, Angeboten und Gefässen, die zunächst in den Herzen von einzelnen Personen wuchsen und dann eine Wirkung entfalten konnten, als zwei oder mehr Menschen sich zusammenschlossen, um die Idee mit Gottes Hilfe anzupacken und Gestalt gewinnen zu lassen.

Dazu kann der dritte Punkt meiner Predigt für die eine und den anderen sehr entscheidend sein:

3. Gott hilft gerne beim Grenzen überwinden

Petrus hat «natürlicherweise» keine Sehnsucht nach vertieftem Kontakt mit der römischen Obrigkeit: Schliesslich ist Jesus auf Befehl eines römischen Machthabers gekreuzigt worden. Das jüdische Volk wird von Römern regiert und nicht selten drangsaliert. Da muss Gott schon mächtig eingreifen und mitwirken, dass Petrus diese Grenzen von Argwohn, Misstrauen, Furcht und Hass überwinden kann.

Auch umgekehrt ist es für einen römischen Hauptmann nicht das Naheliegendste, sich mit neuen religiösen Bewegungen auseinanderzusetzen. Kornelius scheint eine Ehrfurcht für den jüdischen Glauben zu haben und achtet auch dessen ethischen Regeln hoch. Er ist bekannt und angesehen als Wohltäter und Freund der jüdischen Gemeinde. Von den klassischen jüdischen Gemeinden wird die neue Bewegung um Jesus Christus und seine Jünger jedoch als sektenhafte Gruppe wahrgenommen und verfolgt. So ist wohl auch bei Kornelius göttlicher Besuch nötig, dass er auf die Idee kommt, den christlichen Prediger Petrus einzuladen. Mit Gottes Hilfe überwindet Kornelius diese inneren und äusseren Grenzen und Befürchtungen. Beide Seiten werden in der Begegnung zwischen Kornelius und Petrus reich beschenkt – voneinander und von Gottes Geist und Botschaft.

Wie lassen sich die damaligen Grenzen, Hürden und Misstrauensklüfte mit der heutigen Zeit vergleichen? Welchen ethnischen oder religiösen Personen oder Gruppen gehst du am liebsten aus dem Weg? Um welche Diskussionen machst du lieber einen grossen Bogen, als dich auf ein Gespräch oder gar einen Streit einzulassen? Mir fallen da spontan eine ganze Reihe von möglichen Konstellationen ein: Wie leicht fällt dir das Gespräch mit katholischen oder freikirchlichen Christinnen und Christen? Welche Begegnungen hattest du schon mit muslimischen Mitmenschen? Kannst du dir vorstellen, eine Taizéfeier zu besuchen oder einen Lobpreisgottesdienst, eine lateinische Messe oder einen Hardrock-Gottesdienst?

Vielleicht gibt es aber auch Gräben und Grenzen in deinem familiären oder beruflichen Umfeld, die du mit Gottes Hilfe, Weisheit und Weitsicht überwinden könntest? Oder könnte der Dialog zwischen den Generationen, der immer herausfordernder wird, weil sich bei den Jungen das Rad des technologischen Fortschritts immer schneller und globaler dreht, während sich bei den Älteren das Leben zusehends verlangsamt und die Kreise kleiner werden, ein Projekt für dich sein?

Wir werden das Lied miteinander singen «Herr, gib mir Mut zum Brücken bauen», in dem es so verheissungsvoll heisst: «Gib mir den Mut zum ersten Schritt.» Und weiter: «Ich möchte nicht zum Mond gelangen, jedoch zu meines Feindes Tür.» Das Lied eignet sich ausgezeichnet, das Thema der Predigt musikalisch zu vertiefen und in den Alltag mitzunehmen.

Mit guten Vorsätzen fürs neue Jahr haben wir begonnen. Wir sind zwei Menschen begegnet, die im Gebet von Gott überrascht wurden und wunderbare Impulse erhalten haben. Mit Gottes Hilfe, Weisheit und Weitsicht haben sie es gewagt, Grenzen zu überwinden. Es ist zu einer erstaunlichen Begegnung gekommen, die Gott mit seinem Heiligen Geist erfüllt und gekrönt hat.

Ich möchte uns die Fragen mitgeben:

Womit möchte mich Gott wohl überraschen, wenn ich mich im Gebet erwartungsvoll an ihn wende?

Mit wem kann ich mich verbinden, damit aus Träumen und Ideen Realität, aus geistlichen Impulsen Lebensveränderung wird?

Welche Grenzen und Gräben darf und soll ich mit Gottes Hilfe überwinden?

Gott segne euch mit dem Mut zum ersten und zu vielen weiteren Schritten!

Amen

Liedvorschläge

ERG 72 Laudate omnes gentes
ERG 250 Singt dem Herrn, alle Völker und Rassen
ERG 700 Weit wie das Meer
ERG 795 Sonne der Gerechtigkeit
ERG 797 Wach auf, du Geist der ersten Zeugen
ERG 798 So jemand spricht ich liebe Gott
ERG 829 Herr, gib mir Mut zum Brücken bauen
ERG 834 Für die Heilung aller Völker
RW 93 Lass die Worte, die ich sag

RW 94 Meine engen Grenzen
RW 101 Aufstehn, aufeinander zugehn
RW 102 Bis ans Ende der Welt
RW 103 Das wünsch ich dir
RW 122 This little light of mine

Literatur
*) Martin Luthers Übersetzung, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.
**) Die Zürcher Bibel, Ausgabe 2007, © Friedrich Reinhard Verlag Basel, & Theologischer Verlag, Zürich
ERG = Gesangbuch Evangelisch-reformierten Kirchen der deutschsprachigen Schweiz, © Friedrich Reinhard Verlag Basel, & Theologischer Verlag, Zürich 1998
RW = Rückenwind, Lieder für den Gottesdienst, Hrsg. Evang Landeskirche des Kantons Thurgau, Theologischer Verlag, Zürich2017


 

Pfr. Paul Wellauer, Bischofszell, Schweiz | Mail: paul.wellauer@internetkirche.ch
www.internetkirche.ch | www.internetkirche.ch/livestream | www.evang-tg.ch | @paulwellauerweber
Geb. 1967, Pfarrer und Mitglied im Kirchenrat der evangelischen Landeskirche des Kantons Thurgau, Schweiz. Seit 2009 in Bischofszell-Hauptwil, 1996-2009 in Zürich-Altstetten, davor 1993-1996 Seelsorger und Projektleiter im Sozialwerk Pfarrer Sieber, Zürich, www.swsieber.ch