Hebräer 13, 8-9b

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Jahresabschluss 2025 | Altjahrsabend | Predigt zu Hebräer 13, 8-9b | Friedrich Seven |

Text:  Hebräer 13, 8-9b

Jesus Christus, gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.

Lasst euch nicht durch mancherlei und fremde Lehren umtreiben,

denn es ist ein köstlich Ding, dass das Herz feste werde,

welches geschieht durch Gnade.

Liebe Gemeinde, warum kann es nicht einfach heißen: Jesus Christus  gestern und heute und derselbe auch morgen?

Warum hören wir heute Abend  nach den so bebilderten, besungenen und erzählenden Weihnachtstagen nun wieder diese religiöse Sprache, die uns die Ewigkeit versprechen will.

Wir wünschen uns an diesem Silvesterabend doch, dass es ab morgen,  im neuen Jahr, endlich wieder aufwärts geht mit uns, in unserem Land, in unseren Nachbarländern und in der Welt.

Wir hoffen, dass die Kriege enden oder wenigstens uns nicht erreichen mögen, dass die Wirtschaft wieder  um ein paar Prozentpunkte wächst, unser Arbeitsplatz gesichert bleibt und sich die Ebbe im Portemonnaie nicht schon in der Monatsmitte meldet.

Immerhin war noch vor Weihnachten in unserer lokalen Zeitung davon die Rede, dass die Handwerker im kommenden Jahr mit einem moderaten Wachstum rechnen. Das lässt gerade in unserer Region auch mit einer leichten Besserung für die nahe Zukunft rechnen.

Der Hebräerbrief aber will uns mit seiner Zusage  bis an die Ewigkeit führen, also  möglichst weit weg  von dem, was wir realistischer Weise  erwarten und worauf wir ein wenig hoffen dürfen. Sicher werden für die ersten Christen in Rom, die der Verfolgung wegen ihres Glaubens ausgesetzt waren und an die sich diese erste vollständige urchristliche Predigt richtet , diese Worte noch trostreich  gewesen sein- aber für uns heute Abend?

Doch schließt sich ja der Zusage noch eine Mahnung an: Lasst euch nicht durch mancherlei und fremde Lehren umtreiben, denn es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade.

Nicht auf unseren Verstand allein, auf unsere eher nüchternen Einschätzungen, sondern auf ja  besser: inunser Herz zielen diese Worte. Es geht nicht allein darum, was in der Zukunft um uns herum geschieht, sondern um mich und um meine Beziehung zu Gott.

Die Zusage  will uns zu Herzen gehen, will gerade dorthin gehen, wo die frohe Botschaft vom Frieden auf Erden, von der Heiligen Familie und den beschenkten Hirten und schenkenden Weisen  uns treffen will. Aber hat nicht gerade die Weihnachtsbotschaft, die Geschichte vom Kind  in der Krippe und den staunenden Hirten dafür sorgen wollen, dass unser Herz nicht fest, sondern weich werde?

Dass ein weiches Herz auch ein festes bleiben kann, dass ein festes Herz nicht ein hartes Herz werden muss, davon kann der Hebräerbrief  heute sprechen.

Fest werden wir nicht  in der Klammer, mit der wir uns sichern wollen vor der Begegnung mit anderen Menschen, sondern fest werden wir im Empfangen der Gnade Gottes. Wer hart sein und bleiben will, bleibt ganz für sich, wer aber fest steht, kann offen bleiben für Gott und sein Wort.

Der Glaube ist Herzenssache und beginnt mit dem Dank dafür, dass Gott uns im Glauben fest werden und leben lässt.

Der Glaube lässt uns leben mit Jesus Christus, dessen Geschichte uns nun in den folgenden Gottesdiensten von der wunderbaren Bewahrung des Gottessohnes  erzählen wird;  erzählen wird auch davon, wie Jesus von Nazareth selbst Wunder an Menschen getan hat und deren Glauben gefunden hat und wie er den Tod am  Kreuz für uns  erleiden musste. Dann werden wir wieder aus dem Evangelium hören, wie Jesus Christus, unser Herr, als Überwinder des Todes zu den Jüngern gekommen ist und zu uns kommen will.

Der Morgen, die Zukunft, die mit ihm angebrochen ist, wird nicht enden. Von dieser Ewigkeit spricht der Hebräerbrief, wenn er sagt: Jesus Christus, gestern, heute und derselbe auch in Ewigkeit.

In Ewigkeit, das heißt doch, dass unser Leben schon im Himmel beschlossen ist.

Darum sollten wir uns vom alten Jahr nicht herunterziehen  lassen, sondern dürfen fest daran glauben, dass  unsere Zukunft mehr sein wird, als Prognosen und realistische Erwartungen uns gestatten möchten. So hoch der Himmel über uns ist, so weit ist der Raum, auf den unsere Füße gestellt sind.

Auch Befürchtungen und Prognosen können uns nicht aus der Bahn werfen

Im Glauben können wir gerade jetzt über unseren Schatten springen.

 Werft euer Vertrauen nicht weg“, – diese eindringliche Ermutigung aus  dem Hebräerbrief zuvor, hat schon die ersten Christen in Rom ermutigt  und kann auch uns ermutigen.

Wer mutlos den Kopf hängen lässt, verliert nicht nur den Blick nach vorne, den Blick in die Zukunft, sondern droht achtlos an jedem vorbeizugehen, der seinen Blick und vielleicht ein Gespräch sucht. Also ziehen wir nicht den Kopf ein, sondern begreifen wir mit einem festen Herzen, dass wir auch morgen nicht alleine sind. Aussichten, so dunkel sie sein mögen, bleiben nur Aussichten, gegen die wir Herz und Hand auch rühren können.

Am Ende eines Lebens in Herzenshärte und Selbstbezogenheit stehen nicht Sieg und Erfolg, sondern es droht die Einsamkeit.

Der Hebräerrief spricht ursprünglich zu Christen, die vorbildlich in der Liebe zu Gott, in der Liebe untereinander und auch zu ihren Mitmenschen gelebt haben.

Glaube kann in jedem von uns leben aus der Begegnung mit Gott, und wer glaubt, der geht offenen Herzens auf die Mitmenschen zu.

Sein Herz hängt an Gott und wer glaubt, braucht sein Herz nicht an andere Götter zu hängen, auch nicht an den Götzen der Wahrscheinlichkeit.

Zu Glauben ist ein köstlich Ding. Darum lade ich am Ende der Predigt sogleich an den Tisch des Herrn, damit auch unser Herz und Verstand heute abend  gefestigt werden. Diese Einladung gilt jetzt und wird auch im neuen Jahr wieder gelten.

Eia,wären wir da.

Amen!

Dr. Friedrich Seven, Pfarrer i. R.

37412 Scharzfeld

E-mail: friedrichseven@t-online.de