Johannes 12,23-33
Ein Fenster zum Friedensreich | 3. Sonntag nach Epiphanias (dän. Letzter Sonntag nach Epiphanias | 25. Januar 2026 | Joh 12,23-33 | Elof Westergaard |
Hört die Worte des Propheten Jesaja aus der ersten der heutigen biblischen Lesungen an diesem letzten Sonntag der Epiphaniaszeit (Jes 2,2-5).
Der Prophet Jesaja gibt uns hier eine Verheissung dessen, was kommen wird. Er öffnet ein Fenster in das Friedensreich der Endzeit und lässt uns ein Reich erahnen, getragen von Gottes Frieden und Gerechtigkeit. Ein Reich, wo es trotz allem gut endet.
Jesaja zeichnet das Bild einer Welt, wo Schwerter zu Pflugscharen geschmiedet werden und wo die Kriegsausbildung überflüssig wird. Er sagt: „Er wird richten unter den Nationen und zurechtweisen viele Völker. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spiesse zu Sicheln. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen (Jes 2,4).
Und hinzu fügt der Prophet die Aufforderung, dass wir eben diesen Weg gehen sollen, für den Frieden wirken und – wie er sagt – im Licht des Herrn wandeln.
Jesajas Aufforderung ist mit der Zeit nicht weniger wichtig geworden. Im Gegenteil: seine Worte klingen mit besonderer Kraft in einer Zeit wie der unseren, geprägt von harter Polarisierung, Forderungen nach Aufrüstung und der Erwartung, dass mehr Menschen bereitstehen sollen, unser Land und unser Königreich {der gemeinsame Staat von Dänemark, Grönland und Färöer, Anm. d. Übs} zu schützen. Wie konfrontativ die Stimmen auch werden mögen und wie wenig Gehör es scheinbar für anderes gibt als das Recht des Stärkeren, müssen wir an der Hoffnung auf Frieden festhalten und auch selbst für ihn wirken.
Warum? Weil der Mensch nicht für den Krieg geschaffen ist. Gewiss können wir uns leicht von den Logiken des Krieges und den Strömungen der Gefühle mitreissen lassen, ja uns von den Verheissungen der Macht und dem vermeintlichen Recht des Starken blenden lassen, seinen Willen durchzusetzen. Doch unsere Aufgabe, unsere Verantwortung und unsere Bestimmung ist eine andere – uns gegeben vom guten Gott: dem Gott der Liebe, der Barmherzigkeit und der Gnade.
Die alttestamentlichen Lesungen, wie diese vom Propheten Jesaja, wurden erst vor etwa 35 Jahren Teil der Perikopenordnung der dänischen Agenda. Manche dieser Lesungen stehen in enger Beziehung zum jeweiligen Evangelium, andere eher in lockerer Beziehung. Unmittelbar mag es scheinen, als sei die Verbindung im heutigen Text schwach. Und doch ist sie da.
Die Evangelienlesung aus dem Johannesevangelium beschliesst die Epiphaniaszeit. Sie passt genau zu jenem Punkt im Kirchenjahr, wo der Blick sich von Weihnachten in Richtung Ostern zu richten beginnt.
Mit den Worten des Johannes über Jesu Tod und Auferstehung wird klar, dass Jesus nun verherrlicht werden soll. Aber die Verherrlichung geschieht auf eine Weise, die alle menschliche Erwartung auf den Kopf stellt: Jesus soll durch seinen Tod verherrlicht werden. Jesus sagt es selbst, und Gott der Vater bestätigt es mit seiner Stimme vom Himmel: „Ich habe ihn verherrlicht und will ihn abermals verherrlichen“ (Joh 12,28). Jesus soll sterben, wie ein Weizenkorn in die Erde gelegt wird, um danach aufzuerstehen und Hoffnung für alle Lebenden zu schaffen. Das ist die Verherrlichung, die geschehen soll.
Und genau hier beginnt Jesajas Prophetie wieder zu klingen. Denn wie Jesus über seinen bevorstehenden Tod sagt: „Jetzt ergeht das Gericht über diese Welt; jetzt wird der Fürst dieser Welt hinausgestossen werden. Und ich, wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen“ (Joh 12,31-32).
Jesus will alle zu sich ziehen – mit seinem Wort und mit seinem Geist. In einer Zeit, wo das, was uns zusammenhält, oft dem Gesetz der Notwendigkeit folgt: erhöhte Mobilisierung, grösserer Schutzwall gegen die Unversöhnlichkeit, die über die Welt fegt, ist es entscheidend, daran erinnert zu werden, dass es andere Kräfte gibt, die uns zu sich ziehen wollen: Gottes eigener Sohn. Der Gott der Liebe und des Friedens.
Wir sind nicht uns selbst und unserer eigenen Unversöhnlichkeit überlassen. Gott sei Dank und Lob.
Elof Westergaard, Bischof in Ribe
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