Lukas 18,31–43 – Reimpredigt

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Ein Narr der Hoffnung | Estomihi Reimpredigt | 15.02.2026 | Lukas 18,31-43 | Dr. Friedrich Schmidt-Roscher

Die hohe Zeit der Narren ist nun angebrochen,
manch’ Einem steckt das Feiern in den Knochen,
geschunkelt, getanzt und gesoffen die Nacht.
in Rathäusern und Gassen sind Narren an der Macht.

Die Narren spielen für sich und uns verkehrte Welt:
„Hab Spaß und tanz, nicht Arbeit oder Geld!“
Oben ist unten, hässlich ist schön, arm ist reich.
in den tollen Tagen – so scheint’s – sind alle gleich.

Auch Jesus ist unterwegs mit seinem Jünger Zug,
sie gehen nach Jerusalem, zeigen närrischen Mut,
haben alles verlassen, folgen dem Gottesmann,
hoffen fest, dass er die Welt ändern kann.

Jesus geht nach Jerusalem, der Gefahr sich bewusst:
Leiden und Tod vor Augen und Angst in der Brust.
Petrus und Johannes reiben sich verwundert die Augen,
auch die anderen Zehn können Jesu Rede kaum glauben.

Sie verstehen diesen Weg nicht, Jesus führt Gott.
Er spart ihm nicht Leiden, Hohn, Folter und Tod.
Doch Jesus sieht weiter, sieht göttliches Licht,
das von Ostern her die Dunkelheit durchbricht.

Uns geht es wie den Jüngern, wir verstehen oft nicht,
Gottes Wege mit Jesus scheinen seltsam wunderlich.
Zum Sieg durch Leiden, zum Leben durch Tod,
ein närrischer Plan –  doch der Plan kommt von Gott.

Auch mein eigenes Leben mit all dem Gewimmel.
Mit Tiefen und Höhen, mit Hölle und Himmel,
was manchmal als Sieg und Erfolg rasch verbucht.
Sich später als vergeblich oder Sackgasse entpuppt.

Was schwierig oder mühsam oder traurig im Leben,
verwandelt sich im Rückblick manchmal zum Segen.
Unsre Wege ganz verschieden mal krumm, mal gerade,
dass Gott mit uns mitgeht, ist Hoffnung oder Frage.

Jesus stellt sich dem Leiden und nimmt es an,
trägt sein Kreuz für dich und mich und jedermann.
Sein Weg kann uns helfen, Schweres zu tragen.
Nicht ergeben, sondern nach dem Sinn uns fragen.

Leben wir Menschen nicht in einer verrückten Welt?
Es scheint nur zu zählen schnelles Glück oder Geld.
Es geht um Gier, Genuss, Sucht nach Leben
Muss es da nicht etwas Anderes noch geben?

Jesus öffne die Augen für ein Leben in Fülle.
Trotz Krankheit und Leiden am Ende Gottes Wille,
der stärker ist als Sinnlosigkeit, Sünde und Tod.
Denn Ostern schenkt Leben, wendet unsre Not.

In Jericho kommen die Jünger an einem Blinden vorbei,
ein Namenloser, doch sein Schicksal ist nicht einerlei.
Er kann nicht sehen und bettelt und ist ganz Ohr.
Er wartet, wartet, wartet auf Hilfe und beschwor:

„Wenn einer kommt, der wirklich helfen kann,
darf ich keineswegs versäumen diesen Mann.“
Einer, der nicht Geld gibt, sondern neues Leben.
Darauf setzt er alles, bei Gott, dass muss es geben!

Dann hört er die Menschen, den Aufruhr, die Enge
Jesus von Nazareth, ganz nah in der Menge.
Er ruft, er schreit, wird lauter im Ton:
„Hilfe! Hilfe! Du bist doch Davids Sohn!“

Die anderen zischen, „Halts Maul, blinder Mann.“
„Der Rabbi aus Galiläa kommt sonst nicht voran.“
Doch er horcht, ruft lauter, dann schreit er:
„Du, Sohn Davids, erbarm dich doch meiner!“

Jesus bleibt steh’n, horcht, der Lärm ist vorbei.
Plötzlich ist es still, weit weg jedes Geschrei.
Er spürt es und obwohl seine Augen nichts sehen,
sieht der Blinde den Heiland direkt vor sich stehen.

„Was willst du, dass ich für dich tu?“,
fragt Jesus den Blinden, und schon im Nu,
steht die Menge im Kreis und wartet gespannt.
Der Blinde sagt nur: „Herr, dass ich sehen kann!“

Der Blinde fühlt deutlich des Heilands Blick.
Dann hört er das Wort, das sein Herz entzückt.
Und schon merkt er wie seine Augen aufgehen.
„Dein Glaube hat dir geholfen. Du sollst sehen!“

Nach Jesu Worten das Wunder geschieht.
Die Menge staunt stumm, der Blinde sieht.
Doch er bleibt nicht stumm, muss reden, loben,
Gott, seinen Heiland, den Ewigen dort oben.

Denn Gott, bleibt nicht fern, oben im Himmel,
kommt hier auf die Erde ins Menschengewimmel.
Bewegt Herzen und Menschen durch kräftiges Wort,
weckt Vertrauen, weckt Leben an gottfernem Ort.

Leben wir Menschen nicht in einer verrückten Welt?
Es scheint nur zu zählen schnelles Glück oder Geld.
Es geht um Gier, Genuss, Sucht nach Leben
Muss es da nicht etwas Anderes noch geben?

Jesus öffne die Augen für ein Leben in Fülle.
Trotz Krankheit und Leiden am Ende Gottes Wille,
der stärker ist als Sinnlosigkeit, Sünde und Tod.
Denn Ostern schenkt Leben, wendet unsre Not.

Wo Gott auf den Plan tritt, bleibt nichts, wie es ist,
seine Liebe wirkt und auch Leidenswege aufbricht.
Das macht Mut, auch in Zeiten dunklen Leidens,
zu Gott zu flehen, dass die Not soll weichen.

In den Augen der Menschen, in den Augen der Welt,
zählen Erfolg, Macht, Wissenschaft und Geld.
Nur Kinder und Narren setzen Vertrauen auf Gott,
Beten, hoffen auf Wunder; ernten dafür noch Spott.

Die alte Weltordnung scheint vorbei und perdu.
Sicher, wahrscheinlich, vielleicht – man weiß es nie.
Putins Russen greifen die Ukraine an, nach der sie gieren.
Die Menschen dort wehren sich mutig und frieren.

Trotz Pfälzer Wurzel, echt verrückt dieser Trump.
Zettelt Streit mit der Nato an, wegen Grön-Land.
China, Rußland und die USA die alt-neuen Imperien.
Ängstlich Europa, müssen wir uns da nicht wehren?

Die Mächtigen der Welt sehen nur ihre Interessen.
Sie lieben uns kleine sehr – und wollen uns fressen.
Putin und Trump setzen auf einen Gott der Macht.
Doch Jesus Christus ist ein Gott, ganz anderer Art.

Denn Christus ist unser Heiland der Welt,
ihn kümmert nicht Macht, Gold oder Geld,
ihn kümmert freilich wie es dir oder dir geht.
Der fragt, was dich bedrückt und dich bewegt.

Der Messias nimmt sich der Verlassenen an,
ist für Flüchtlinge da, denen man helfen kann.
Ein Narr der Hoffnung, ein Verrückter im Herrn.
Vielleicht haben ihn deshalb die Verlorenen so gern.

Wer ihm vertraut, sieht diese Welt und sein Leben
anders, denn ihm wird eine neue Sicht gegeben.
Gilt als weltfremd, naiv, närrisch oder verrückt,
weil er vom anderen Standpunkt aufs Leben blickt.

Dann sind wir Narren, in dieser närrischen Welt,
voller Lügen, der das erlösende Wort so oft fehlt.
Das Wort, das Menschen froh macht und heilt,
das Wort der Vergebung, das Gott mit uns teilt.

Können wir hoffender, liebender sein, auch heiter?
Denn diese Welt geht nicht immer so weiter.
Sie hat ein Anfang und ein Ende, das ist klar.
Dann beginnt etwas Neues, das wird wunderbar.

Jesu Zug führt nach Jerusalem, es geht bergauf,
langsam, zäh, mit Rückschlägen kein Dauerlauf.
Reih‘n wir uns ein in den Zug der Narren im Herrn,
mit Hoffnung im Herzen und Jesus so gern!

Unser Herr kommt, die Herren der Welt dagegen,
die Super-Mächtigen, die kommen und gehen.
Jesus kommt, das ist die Hoffnung der Schwachen.
Vertraut ihm, lasst uns über die Mächtigen lachen.

Im Vertrauen, dass die Welt nicht so bleibt wie sie ist,
dass das Licht von Ostern das Leiden durchbricht;
und wir als fröhliche Narren, von Hoffnung belebt,
Menschen helfen, Gott loben, von Liebe bewegt.

Am Ende zieht unser närrischer Zug in die Stadt,
die vor langer Zeit Gott den seinen bereitet hat.
Jerusalem genannt, himmlische Stadt ohne Leid und Not.
Dort spotten wir Narren in Christo über Gevatter Tod.

Leben wir Menschen nicht in einer verrückten Welt?
Es scheint nur zu zählen schnelles Glück oder Geld.
Es geht um Gier, Genuss, Sucht nach Leben
Muss es da nicht etwas Anderes noch geben?

Jesus öffne die Augen für ein Leben in Fülle.
Trotz Krankheit und Leiden am Ende Gottes Wille,
der stärker ist als Sinnlosigkeit, Sünde und Tod.
Denn Ostern schenkt Leben, wendet unsre Not.

Amen


Dr. Friedrich Schmidt-Roscher
Haßloch/Pfalz
E-Mail: fr.schmidt-roscher@gmx.de

Jahrgang 1962, seit 18 Jahren Gemeindepfarrer in der Prot. Kirchengemeinde Haßloch. (Mit einer Leidenschaft für Bildungsreisen nach Italien, die sich seit vielen Jahren organisiere.)