Lukas 5,1–11
5. So. n. Trinitatis | 05.07.2026 | Lk 5,1–11 | Suse Günther |
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen. AMEN
Liebe Gemeinde,
heute hören wir einen Ihnen sehr bekannten Predigttext, der vom großen Fischzug. Viel ist in unserer Kirche in Bewegung. Vieles, was immer galt, verändert sich. Aus diesem Grund möchte ich Ihnen zumuten, den heutigen altbekannten Predigttext einmal aus der Volxbibel, also in Jugendsprache zu hören.
Lukas 5,1–11
Jesus organisiert seine Ausbildungstruppe
Irgendwann einmal hielt Jesus eine Predigt vor tierisch vielen Menschen am See Genezareth. Alle wollten Worte von Gott hören. Bevor er loslegte, sah er zwei Boote, die am Ufer festgemacht hatten. Die Fischer waren gerade dabei, sich um die Netze zu kümmern und waren deswegen an Land gegangen. Jesus stieg in eines der Boote und fragte den Besitzer, der hieß Simon, ob er ihn im Boot rausfahren könnte, damit alle ihn vom See aus besser hören könnten.
Von dort redete er zu den Menschen.
Anschließend meinte er zu Petrus: „Jetzt fahr mal auf den See raus und fisch noch mal ne Runde. Da geht heute noch was!“
„Meister“ – antwortete Simon – wir haben uns die ganze Nacht schon die Finger wund gefischt und da ging gar nichts. Aber ok, weil Du es sagst, probieren wir es nochmal.“ Sie fuhren wieder raus, warfen die Netze aus und fingen so viele Fische, dass ihre Netze fast gerissen wären. Schnell riefen sie die anderen Fischer zu Hilfe, die kamen auch mit ihrem Boot an. Beide waren am Ende so voll mit Fischen, dass sie fast abgesoffen wären. Als Simon Petrus kapierte, was da grad passiert war, kniete er sich vor Jesus hin und sagte: „Meister, bitte verschwinde, ich bin ein Loser und viel zu schmutzig, ich bin es nicht wert, dass du in meiner Nähe bist.“
Er war einfach total geplättet von dieser riesenfetten Beute, die sie da gerade gemacht hatten, und Johannes und Jakobus, den Söhnen vom Zebedäus, ging es genauso. Jesus sagte zum Simon: „Keine Angst. Ab jetzt wirst Du Menschen für mich ins Netz holen.
Sie legten dann mit den Booten wieder an Land an und folgten Jesus
Gott, gib uns ein Herz für Dein Wort und nun ein Wort für unser Herz. AMEN
Liebe Gemeinde!
Meine Kinder sind erwachsen. Aus dem Haus. Selbstständig.
Trotzdem denke ich als Mutter manchmal daran, wie es war, als sie kleiner waren. Als sie Laufen lernten, das Radfahren, an den ersten Schultag und vieles mehr. Wie viel Ausdauer und Zeit brauchte es beispielsweise, um zu schwimmen. Versuche immer und immer wieder. Und Angst von Seiten der Mutter, es könnte doch einmal was passieren in einem unbeobachteten Augenblick. Nie haben die Kinder aufgegeben. Der Wunsch, schwimmen zu können, war groß. Aber auch das Zutrauen der Eltern, dass sie es schaffen würden.
„Fahr nochmal auf den See raus und fisch nochmal ne Runde“, sagt Jesus zu Simon, „da geht noch was“. Jesus traut es Simon einfach von vorneherein zu: „Da geht noch was, Du schaffst das“
Ehrliches Vertrauen, das andere in uns setzen, ist eine starke Antriebskraft. Es verleiht uns Flügel. Gott traut uns etwas zu. Er lässt uns über uns selbst hinauswachsen. Und dann geht da tatsächlich noch mehr.
Petrus heißt in unserem Predigttext noch Simon (Gott hat gehört). Erst später nennt Jesus ihn Petrus, den Fels, auch darin wird deutlich, dass Jesus diesem Fischer viel zutraut: Ein Fels, auf den man bauen kann. Denn über uns selbst hinauswachsen können wir nicht nur in Jugendjahren.
Die Geschichte des Petrus mit Jesus ist eine Geschichte des Erwachsenwerdens, der Weiterentwicklung. Unser aller Geschichte mit Jesus ist eine Geschichte des Erwachsenwerdens, der Weiterentwicklung.
Sich weiterentwickeln ist schwer. Oft wehren wir uns dagegen, hätten es lieber ruhig und überschaubar, alles soll so bleiben, wie es ist, für uns soll gesorgt werden. Gerade machen wir in der gesamten Kirchengemeinde Mimbach diese Veränderung durch. Es ist weniger Geld da, es müssen Gebäude eingespart werden. Etwas, das immer so gültig war und das uns hier ausgemacht hat, das Ensemble Kirche, Pfarrhaus, Pfarramt, Kindergarten, Gemeindesaal, soll sich verändern, hat sich bereits verändert. Um die Kirche haben wir gekämpft. Und dürfen sie – vorerst – behalten. Das Pfarrhaus haben wir vermietet. Das Pfarramt wurde geschlossen. Der Gemeindesaal wurde an den Kindergarten verliehen. Der Kindergarten wird geschlossen werden. Die Stadt wird uns keine Zuschüsse mehr geben, sondern auf eigene Rechnung neu bauen. Was wird dann aus unsrem Gebäude und aus unserem Gemeindesaal? So manche Aufgabe haben wir uns nicht selbst ausgesucht, wir sind hineingerufen worden, haben uns ihr gestellt.
Manchmal sind es gerade die Herausforderungen im Leben, die uns weiterbringen. Aber wir können am Anfang eines Weges noch nicht wissen, wohin dieser Weg führt.
Eines allerdings wissen wir. Und das ist wichtig: dass wir diesen Herausforderungen nicht hilflos ausgeliefert sind. Gott traut es uns zu, er sitzt selbst mit im Boot.
„Meister, weil Du es sagst, probieren wir es“ – Die Aufforderung Jesu genügt Petrus. Sein Leben nimmt eine ganz neue Wendung. Er wirft die Netze noch einmal aus, macht diesen spektakulären Fang mitten am Tag und wird von Jesus beauftragt, ihm nachzufolgen: „Von nun an wirst Du Menschen für mich ins Netz holen“
Ob wir das hier in Mimbach noch einmal schaffen: Menschen zu überzeugen, mit ins Boot zu nehmen? Haben wir dieses Vertrauen?
Petrus nimmt den Auftrag an, wird einer der treuesten und menschlichsten Anhänger Jesu, seine Geschichte ist von nun an untrennbar mit der Geschichte Jesu verbunden. Viele Höhen und Tiefen erfährt Petrus auf seinem Weg, der eben ein menschlicher Weg ist, wie wir ihn alle von uns selbst kennen. Petrus ist kein Kind mehr, als er Jesus begegnet. Er hat sein eigenes Leben, seine Familie, seinen Beruf. Petrus, der sich einerseits keine Pause gönnt und oft auch kompromisslos ist, wenn er für Jesus eintritt. Man denke nur an die Nacht von Jesu Gefangennahme, als er dem römischen Soldaten ein Ohr abschlägt. Den aber kurze Zeit später wieder der Mut verlässt. Im Hof des Hohenpriester gibt er vor, Jesus nicht zu kennen und auch auf dem Weg nach Emmaus erkennt er seinen Freund und Meister nicht.
Viele Rückschläge gibt es auf diesem Weg des Petrus mit Jesus, niemals aber ist der Weg zu Ende. Immer wieder wagt Petrus einen neuen Anfang, fasst neuen Mut, steht zu seinen Fehlern: „Meister, weil Du es sagst“ Können wir das für uns nachsprechen: „Meister, weil Du es sagst, wollen wir es versuchen. Die Netze noch einmal auswerfen?
Vielleicht ist es Petrus deshalb letztlich gelungen, den ganz großen Auftrag, den Jesus für ihn hatte, anzunehmen: Menschen für Gott zu gewinnen. Weil er einerseits menschlich geblieben ist. Weil er andererseits wusste, wer sein Meister ist.
Ich bin 63 Jahre alt. Ich will nicht aufgeben. Sondern es versuchen:
„Meister, weil Du es sagst, will ich die Netze noch einmal auswerfen. Gott ruft uns alle, er traut uns zu, dass wir seinem Auftrag folgen können. Wir machen uns unser Leben nicht selbst. Daran werden wir immer wieder einmal schmerzlich erinnert.
Schmerzlich, aber auch tröstlich: Gott ruft uns ins Leben, das ist kein Befehl, sondern eine Verheißung: Ich traue Dir etwas zu, Du schaffst das, ich helfe Dir: Da geht noch was.
Unsere Entwicklung ist nie abgeschlossen. In jeder Lebensphase gibt es Aufträge, Rückschläge, neue Perspektiven: Es geht immer noch was, wenn wir uns mit Gott auf den Weg machen. Auch diese Erfahrung hat Petrus gemacht, davon berichtet das Johannesevangelium. Denn nach Jesu Tod ist Petrus wieder mit seinen Freunden am See und tut, was er halt gelernt hat, um mit der Trauer über Jesu Tod fertig zu werden. Ich lese Ihnen auch diese Stelle in der Sprache der Jugendbibel vor:
Petrus sagt zu seinen Freunden: „Also ich geh jetzt nochmal ne Runde fischen“. „Wir sind dabei“, antworten die Freunde.
Alle steigen ins Boot, können aber in der ganzen Nacht keinen einzigen Fisch an Deck ziehen. Als es gerade hell wird, steht Jesus am Ufer, aber die Freunde kapieren nicht, dass es Jesus ist. Jesus ruft ihnen zu: „habt Ihr vielleicht einen Fisch für mich?“ „Leider nicht, wir haben keinen einzigen gefangen“, ist die Antwort. „Probiert es noch mal, aber diesmal auf der andern Seite vom Boot.“
Da merkt Johannes, wen sie vor sich haben: „Hey, das ist doch Jesus“. Als das Petrus hört, zieht er sich schnell was über, denn beim Fischen trägt er nur seine Unterhose, und schwimmt zu Jesus. Die anderen schippern hinter Petrus her und ziehen das Netz, das jetzt schon prall gefüllt ist.
Jesus hat inzwischen am Strand den Grill aufgebaut und ruft: Kommt endlich! Er teilt Brot und Fische, jetzt wissen alle, dass es Jesus ist.
Soweit die Volxbibel, die Bibel für junge Leute, die Bibel in Umgangssprache. Jesus mitten im Leben. Nicht nur sonntags in der Kirche. Vielleicht merken auch wir manchmal gar nicht, dass uns Gott selbst in den Weg getreten ist. Wir rechnen gar nicht mit ihm so im Alltag. Aber er rechnet mit uns. Komm, da geht noch mehr. Ich traue es Dir zu, versuch es, fürchte Dich nicht.
Und vielleicht geht es uns dann wie Petrus: Wir wagen es. Wir stürzen uns ins Leben. Wir werfen die Netze noch einmal aus. Versuchen es noch einmal auf einer anderen Seite. Auf eine neue Art und Weise. Mit einer neuen Idee. Mitten in Mimbach. Und es wird gut. AMEN
Verfasst von:
Suse Günther