Matthäus 10, 26-33

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Reformationsfest | 31.10.26 | Matthäus 10, 26-33 | Friedrich Seven

Text

26 Darum fürchtet euch nicht vor ihnen. Denn es ist nichts verborgen, was nicht offenbar wird, und nichts geheim, was man nicht wissen wird.

27 Was ich euch sage in der Finsternis, das redet im Licht; und was euch gesagt wird in das Ohr, das verkündigt auf den Dächern.

28 Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, doch die Seele nicht töten können, fürchtet viel mehr den, der Leib und Seele verderben kann in der Hölle.

29 Verkauft man nicht zwei Sperlinge für einen Groschen? Dennoch fällt keiner von ihnen auf die Erde ohne  euren Vater.

30 Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Haupt alle gezählt.

 31 Darum fürchtet euch nicht; ihr seid kostbarer als viele Sperlinge.

32 Wer nun mich bekennt vor den Menschen, zu dem will ich mich auch bekennen vor meinem Vater im Himmel.

33 Wer mich aber verleugnet, den will ich auch verleugnen vor meinem Vater im Himmel;

 Keine Angst, liebe Gemeinde wir müssen nicht von den Dächern verkündigen. Es genügt schon, wenn wir das, was wir unter dem Kirchendach gehört haben und beherzigen wollen, nicht nur für uns behalten, sondern mitnehmen auf den Weg zurück in die Welt und in den Gottesdienst des Alltags.

Wir dürfen und sollen unseren Glauben mitteilen, dürfen reden davon, was wir mit eigenen Ohren gehört haben und können mit unserem Tun und Lassen unseren Mitmenschen bezeugen, was uns von Gott Gutes widerfahren ist.

Kirche und Gemeinden leben nie nur für sich, sondern zuerst und zumeist für Gott und für andere.

Wir hier in unserer Stadt, in unserem Land, brauchen auch nicht  zu fürchten, dass uns die frohe Botschaft bei unseren Mitmenschen in Gefahr für Leib und Leben bringe. Wir müssen nicht fliehen bis unters Dach.  Wir leben nicht in der Situation der Märtyrer des Glaubens, an die sich der Evangelist Matthäus ursprünglich wendet. In unserem Land stehen wir nicht mehr wie Martin Luther wegen unseres Glaubens vor Kaiser, Reich und Geistlichkeit. Aber wir sollten Ohren und Augen offenhalten für die Menschen, die um ihres Glaubens willen verfolgt werden und die deswegen in unserem Land Zuflucht vor Ausgrenzung und  Verfolgung suchen.

I

Auch brauchen wir uns nicht auf spitzfindige Diskussionen mit Kritikern  einzulassen, darüber wie wir denn an einen Gott glauben können, der jedes Haar auf unseren Häuptern gezählt hat und jeden Spatz für wert hält. Es genügt, wenn unser Leben als Christen in der Gemeinde und im Alltag unsere Mitmenschen spüren lässt, dass unser Glaube uns trägt und wir sicher sein dürfen, dass wir nicht tiefer fallen können als in die ausgebreiteten Arme Gottes.

Unser Bekenntnis soll kein Lippenbekenntnis sein und unser Leben auch nicht ein Leben von Bekennern, die ihren Glauben wie einen Schild vor sich hertragen.

Denn wir bekennen uns zu keiner Ideologie der Weltverbesserung oder gar  -veränderung, sondern zu Jesus Christus, der uns in seiner Bergpredigt einstimmen will auf die Hoffnung, die uns mit ihm verbindet.

Selig sind, die hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit, denn sie sollen satt werden, Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen.

So haben wir es gerade aus dem Evangelium zum Reformationstag gehört, und so wollen wir es andere hören lassen. Wir lassen uns diese Hoffnung nicht nehmen, auch nicht vom bemühtesten Unglauben, denn wir fühlen uns zum Wagnis des Glaubens ermutigt.  Sich zu Jesus Christus bekennen, heißt für uns auch, sich zur Hoffnung zu bekennen Sein Sieg über den Tod, seine Auferweckung lässt uns die Wirklichkeit nicht gutheißem aber auch nicht einfach schlecht reden. Kein Mensch braucht ohne Hoffnung zu sein, so dunkel es in seinem Leben auch gerade aussehen mag. Das wirkliche Leben ist oft grausam und hart, aber wirklichnicht ohne ein Licht der Hoffnung, das ich einem anderen bringen oder dankbar von ihm mitnehmen kann. Wir glauben nicht an unseren Triumph, sondern an den Sieger, der den Tod überwunden hat.

Zu ihm bekennen wir uns, und er wird sich zu uns bekennen.

Aber blicken wir voraus, nur einige Kapitel weiter im Evangelium, da wird uns bei Matthäus davon erzählt, wie sich gerade Petrus, der Fels, auf den unsere Kirche gebaut ist, sich in der Stunde der Gefahr nicht zu Jesus bekennt und ihn gar verleugnet.  Er wollte mit seinem Herrn alles teilen, aber dann nicht die Gefahr.

Doch wir wissen, auch für ihn ist sein Herr, unser Herr, am Kreuz gestorben.

Wir leben mit unserem Hören und Bekennen, aber leben nicht von unserem Bekennen, sondern aus der Vergebung. Nur so kann unser Bekenntnis überzeugen, wenn es unsere Schwäche nicht überspielen will, sondern sich zu den Schwachen hält.

Dabei rufen wir niemandem leichtfertig zu, dass alles möglich sei. Unser  Glaube versetzt die Berge, die uns entmutigen und davon abhalten, die kleinen Schritte aufeinander zu und miteinander zu tun.

Halten wir fest an den ökumenischen Friedensgebeten und hoffen wir, dass sie länger währen, als der Krieg noch andauern wird.

Bleiben wir in Kontakt mit den Flüchtlingen in unserer Stadt, denken wir auch an die Gottesdienste, die wir mit ihnen feiern durften. Behalten wir diese Feiern nicht nur in guter Erinnerung, sondern treffen wir uns weiter vor dem Altar und an der Kanzel.

Ich stehe hier und kann nicht anders, so hören wir von und über Martin Luther, aber wir wollen auch auf ihn hören, wenn er weiterspricht:

Gott sei mir gnädig.

Mit dem Reformationsfest, dem Fest, an dem wir uns auf unsere Kirche besinnen wollen,  beginnt nun auch wieder die Zeit für die Gemeinde, in der wir uns auf den Weg machen können: Einmal wieder mit dem Lichterumzug zum Martinsgottesdienst im Stadtpark. Vielleicht finden wir noch die  Laternen, die wir  im Familiengottesdienst selbst gebastelt haben. Im Park hören  und singen wir dann die Geschichte vom Sankt Martin, dem Krieger, der mit einem Bettler seinen Mantel geteilt hat. So feiern wir das Martinsfest mit vielen aus unserer Stadt, die wir fast alle kennen und mit denen wir uns auch gerne einmal im Gemeindehaus und in der Kirche treffen würden.

Unsere Pakete für die, die sich zu Weihnachten über einen liebevoll verpackten handfesten Gruß freuen würden, sollten wir nicht vergessen.

Wenn wir uns am Volkstrauertag wieder auch  mit den Reservisten an den Gedenktafeln treffen, wollen wir von Friedfertigkeit, sicher auch von Verteidigungsbereitschaft, aber nicht von Kriegstüchtigkeit sprechen.

Am letzten Sonntag des Kirchenjahres werden wir wieder derer gedenken, die in diesem Kirchenjahr von uns gegangen sind. An schwere Abschiede in der Gemeinde erinnern wir uns.

Am Ewigkeitssonntag gedenken wir an die Verstorbenen in der Kirche und auf dem Friedhof.  Ewigkeitssonntag, das ist der Festtag, der uns mit seinen biblischen Texten, seinen Liedern und seinen Gebeten daran erinnert, dass es für uns keine ewigen Abschiede gibt. Mit den klugen Jungfrauen können wir uns genügend Öl für unsere kleinen Lichter des Glaubens holen.

Tragt in die Welt nun ein Licht, sagt allen, fürchtet euch nicht.

Wir freuen uns auf die vielen Treffen im Advent, etwa in der Kirche, beim lebendigen Adventskalender auf den Höfen in der Stadt und im Gemeindehaus.

Auf dass unsere Häuser voll werden bis unters Dach.

Amen!

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Dr. Friedrich Seven                                            23. 10. 2026