Matthäus 3,13-17
Gesandt, die Taufe einzuüben | 1. Sonntag nach Epiphanias | 11. Januar 2026 | Mt 3,13-17 | Kira Busch-Wagner |
Liebe Gemeinde,
den Predigtabschnitt heute finden Sie am Ende des 3. Kapitels im Evangelium nach Matthäus, im Buch von der „Geschichte des Messias Jesus“. Was passierte bisher in diesen 3 Kapiteln? Matthäus kennt keine Krippe und keine Hirten. Aber ein Stammbaum verbürgt uns die Verbundenheit Jesu mit seinem Volk. Josef erhält durch einen Engel die Kunde von der Schwangerschaft Marias. Und die Weisen, die heidnischen Sterndeuter aus dem Osten sind gekommen, dem König ihre Geschenke zu bringen. Die Familie flieht nach Ägypten, weil der König Herodes sich aufführt wie weiland der Pharao, und die jüdischen Kinder bedroht. Aus Ägypten kehrt die Familie Jesu zurück nach Galiläa.
Abschnitt für Abschnitt zeichnet Matthäus Jesus ein in die Geschichte Gottes mit seinem Volk, belegt mit biblischen Zitaten, und schreibt zugleich für eine Gemeinde und Gegenwart, die voller traumatisierender Gewalt und Schrecken ist. Zwar lässt sich kein herodianischer Kindermord in Bethlehem belegen. Aber Bedrohungen gibt es genug für die Kinder Israel. Hinter Matthäus und seiner Gemeinde liegt der von den Römern sogenannte Jüdische Krieg, liegt die Zerstörung des Landes, des Tempels und der ganzen Stadt Jerusalem. Was kann man den Menschen dann noch sagen, die jeglicher politischen Eigenverantwortung beraubt sind. Die nichts mehr zu gestalten haben in ihrer Umgebung? Die psychisch und physisch ums Überleben kämpfen?
Da hinein lässt Matthäus den Johannes verkünden: „Das Himmelreich ist nahe herbeigekommen. Bereitet dem Herrn den Weg!“ Und den religiösen Entscheidungsträgern, egal aus welcher Richtung, bescheinigt Johannes: es gelten allein die guten Früchte des eigenen Handelns. Alles andere ist dem Untergang geweiht.
In diese Szenerie tritt nun Jesus. Er kommt aus Galiläa an den Jordan. Er will sich von Jesus taufen zu lassen.
Bis dahin haben im Evangelium, wenn überhaupt gehandelt wurde, andere ihre Entscheidungen getroffen und entsprechend gehandelt.
Josef nahm Maria zu sich. Die Sterndeuter kommen nach Bethlehem. Josef nimmt seine Familie mit nach Ägypten und entscheidet sich Jahre später für Galiläa. Johannes predigt und tauft.
Und nun kommt Jesus, sich taufen zu LASSEN. Den widerstrebenden Johannes bestärkt er: LASS es geschehen. Das ist Jesu erstes Wort im Evangelium. Und so WIRD Jesus getauft. Und er WIRD durch die Himmelsstimme gesandt, so wie der König im Psalm in sein Amt gerufen wird.
An zwei Zusammenhänge muss ich dabei denken.
Zum ersten: tritt also Jesus hier schon ein in seine Passion? Tritt er also hier schon an die Seite derer, die kaum noch Wirkmöglichkeiten haben? Deren Leiden er würdigt und sie selbst auch zur Würdigung aufruft: Ja, es ist schon eine eigene Entscheidung, bewusste Handeln, etwas an sich geschehen zu LASSEN!?
Und dann: er reinigt nicht sich selbst, sondern lässt sich hineinnehmen in die Menge derjenigen, die Gott den Weg bereiten.
Jesus lässt sich hineinnehmen in die Taufe des Johannes.
Johannes tauft, damit die Getauften dem kommenden Himmelreich Gottes mit ihrem Lebenswandel entsprechen. Damit sie sich und andere in ihrem Wirken einschwingen auf das Reich Gottes.
Als Johannes – nur ein Kapitel weiter – ermordet ist, greift Jesus dessen Rede vom nahen Himmelreich wortgleich und sofort wieder auf: Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen.
Wo der eine schweigt, ermordet, zum Schweigen gebracht wurde, macht der andere weiter. Die Ausrichtung auf Gottes Reich ist nicht unterzukriegen, wenn solche da sind wie Johannes und Jesus. Wenn es Martyrium, also Zeugnis, und Nachfolge gibt. Wenn die Ausrichtung auf Gottes Reich bleibt.
Zwischen dem Ruf des Johannes und dem Ruf Jesu zum Reich Gottes steht im Evangelium nicht nur die Geschichte der Taufe, sondern auch die Geschichte der Versuchung. Derselbe Geist, der über Jesus in der Taufe kommt, ist auch der, der ihn in die Wüste führt. Der ihn den Versuchungen, den Prüfungen aussetzt. Doch Jesus lässt sich weder zur wirtschaftlichen noch politischen Macht verführen. Nicht dazu, Brot zu schaffen, nicht dazu, über den Dingen zu schweben und auch nicht, Herrscher der Welt und ihrer Reiche zu werden. Er bleibt seiner Taufe treu. Er ist und bleibt Sohn Gottes, Kind Gottes, ausgerichtet auf Gottes Reich, nach Gottes Wohlgefallen. In der Bergpredigt wird Jesus für sich und andere entfalten, was dem Wort und Wohlgefallen Gottes entspricht: das Gebot Gottes zu erfüllen, Licht zu sein für die Welt, eine bessere Gerechtigkeit einzulösen.
Genau dazu – so baut es der Evangelist für seine Gemeinde auf – dazu ist Jesus berufen und gesalbt, getauft und mit Gottes Geist begabt.
Denen, die das Evangelium hören oder lesen, (vgl. Klaus Wengst, Mirjams Sohn-Gottes Gesalbter, S. 77), denen ruft Gott zu: Dies ist mein lieber Sohn. An dem habe ich Wohlgefallen.
Heute lesen und hören wir das Evangelium, heute sind wir eingeladen, uns anzuschließen der Gemeinde des Matthäus, so wie sich – so heißt es ausdrücklich in der Schrift – an Israel viel fremdes Volk angeschlossen hat beim Auszug aus Ägypten. Heute ruft Gott uns zu, auf den Sohn zu achten. Und darauf, an wem und an was Gott Wohlgefallen hat.
Liebe Gemeinde, unsere Landeskirche (Baden) hat sich dazu entschieden, dort, wo sie tauft, vor allem vom Segen zu sprechen. Mit Taufe Segen Gottes zu spenden, Segen Gottes zuzusprechen. Das ist dann richtig, wenn wir beim Segen auch die Sendung mitdenken. Du bist getauft. Du bist gesegnet. So bist du gesandt, am Reich Gottes zu bauen. Licht zu sein für die im Dunkel. Hinzuwirken auf bessere Gerechtigkeit. Der Komparativ steht auch jenen offen, die ihrerseits fast nicht zu sagen haben, fast nichts bewirken können. Die keine Macht haben und gut nachvollziehen können, welch große Versuchung drinsteckt, wenigstens einmal über die Reiche der Welt zu verfügen, einmal die Welt auf einen Schlag vom Hunger zu erlösen, einmal auf Wolke 7 gehoben zu werden.
Der Evangelist gesteht solche Versuchung zu. Der Teufel darin und daran verschwindet, als Jesus dagegenhält: Gott ist anzuerkennen! Gott ist zu dienen! In Umkehr, in Nachfolge, in Gerechtigkeit.
Wie Weihnachten kommt auch der Sonntag mit der Taufe Jesu alle Jahre wieder. Gelegenheit, dass wir uns einüben in unsere Taufe. Manchmal sind wir bei Taufen dabei, feiern Tauferinnerung. Katholiken betreten die Kirche, bekreuzigen sich mit dem Weihwasser. Immer wieder Gelegenheit zur Erinnerung. Gelegenheit, sich einzuüben in die Taufe. Einzuschwingen auf das nahe Himmelreich. Gott zu dienen, Jesus nachzufolgen, hinwirken auf bessere Gerechtigkeit. Immer neu.
Und der Friede Gottes, höher als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.
Liedvorschläge:
Halleluja nach EG 34
EG 450, 1-3 Morgenglanz der Ewigkeit
EG 442, 4+5 Gotts Wort, du bist der Morgenstern
EG 441, 1.4-6 Du höchstes Licht
EG 262, 1.2.5.6. Sonne der Gerechtigkeit
Lasst uns den Weg der Gerechtigkeit gehn …
Epistel: (gekürzt): Röm 12,1+2
Kira Busch-Wagner, Jg 1961, Pfarrerin in Karlsruhe, Schwerpunkte in Ökumene, Öffentlichkeitsarbeit, Christlich-jüdisches Gespräch.