Offenbarung 1,9-18

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Das Licht bleibt | Letzter Sonntag nach Epiphanias | 01. Februar  2026 | Offb 1, 9-18 | Kira Busch-Wagner |

Bitte, lass doch das Licht an, fragen Kinder manchmal beim Zubettgehen. Wenigstens das Licht im Flur, im Bad, auf der Treppe. Es soll nicht ganz dunkel werden!

Lass doch das Licht an, scheint jemand dem Kirchenjahr gesagt zu haben.

Vor sechs, acht Wochen, gefühlt eine Ewigkeit her, da haben uns die Adventskerzen Woche um Woche mehr Licht, mehr Herrlichkeit, mehr Trost verheißen.

An Weihnachten hing am Altar das weiße Parament – stellvertretend für das reine, umfassende, pure Licht in der Welt. „Licht vom Licht“ haben wir im Bekenntnis gerufen.

Dann kam Epiphanias, ErSCHEINungsfest. Und die Weisen aus dem Osten waren erfolgreich dem Licht des Sterns gefolgt.

Und endgültig zu Ende ist die Weihnachtszeit mit „Mariae Lichtmess“ als traditionell für katholische Gläubige am Tag der Darstellung des Herrn die Kerzen für das nächste Jahr gesegnet und geweiht wurden.

Dabei erinnert der Volksmund dann auch: „Maria Lichtmess, bei Tag zu Nacht (ich) ess“; daran also, dass jetzt die Tage schon wieder spürbar länger werden.

Lass doch das Licht brennen, scheint jemand dem Kirchenjahr gesagt zu haben. Und es lässt das Licht brennen – bei immer neuen Gelegenheiten. Heute ist uns sogar ein biblischer Abschnitt aufgetragen zu bedenken, der in unendlich vielen Licht- und Glanzpunkten strahlt, es funkelt, reflektiert und glänzt nur so in den Versen 9-18 im 1. Kapitel der Offenbarung.

Während gleichzeitig die Zeiten düster sind. Heute bei uns. Damals zu Lebzeiten des Visionärs der Offenbarung. Die Jesusleute haben nicht nur mit den Fragen zu kämpfen, die alle im römischen Reich umtreiben. Zusätzlich leiden viele von ihnen unter Diskriminierung, schlechter Nachrede, werden von Nachbarn oder von Staatsorganen bedrängt, ausgespäht, verleumdet, manchmal ausdrücklich verfolgt. Johannes, der Seher, der Prophet, der Apokalyptiker, ist möglicherweise auf die Insel Patmos verbannt worden. Von ihm ist uns hinterblieben jenes wilde Buch, dass das letzte des Neuen Testaments geworden ist. Ein Buch wie eine Ausstellung riesiger Gemälde, halb verständlich, halb unverständlich, auf alle Fälle erschütternd und verwirrend, anklagend und tröstlich. Ein Buch wie eine solche Ausstellung – oder wenigstens der Katalog davon.

Lassen Sie uns also hören auf eine Passage aus dem 1. Kapitel.

9 Ich, Johannes, euer Bruder und Mitgenosse an der Bedrängnis und am Reich und an der Geduld in Jesus, war auf der Insel, die Patmos heißt, um des Wortes Gottes und des Zeugnisses Jesu willen. 10 Ich wurde vom Geist ergriffen am Tag des Herrn und hörte hinter mir eine große Stimme wie von einer Posaune, 11 die sprach: Was du siehst, das schreibe in ein Buch und sende es an die sieben Gemeinden: nach Ephesus und nach Smyrna und nach Pergamon und nach Thyatira und nach Sardes und nach Philadelphia und nach Laodizea. 12 Und ich wandte mich um, zu sehen nach der Stimme, die mit mir redete. Und als ich mich umwandte, sah ich sieben goldene Leuchter 13 und mitten unter den Leuchtern einen, der war einem Menschensohn gleich, der war angetan mit einem langen Gewand und gegürtet um die Brust mit einem goldenen Gürtel. 14 Sein Haupt aber und sein Haar war weiß wie weiße Wolle, wie Schnee, und seine Augen wie eine Feuerflamme 15 und seine Füße gleich Golderz, wie im Ofen durch Feuer gehärtet, und seine Stimme wie großes Wasserrauschen; 16 und er hatte sieben Sterne in seiner rechten Hand, und aus seinem Munde ging ein scharfes, zweischneidiges Schwert, und sein Angesicht leuchtete, wie die Sonne scheint in ihrer Macht. 17 Und als ich ihn sah, fiel ich zu seinen Füßen wie tot; und er legte seine rechte Hand auf mich und sprach: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte 18 und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.

Der bedrängte, mitleidende Johannes, empfänglich wie ein Künstler für Stimmen, Visionen, innere Bilder, äußere Erscheinungen, der erlebt sich vom Geist ergriffen, den hat es gepackt am Tag des Herrn. An einem Sonntag also, wenn die Jesus-Gemeinde der Auferweckung gedenkt und sie feiert.  Er hört eine Stimme, die ihn beauftragt zu hören und festzuhalten und weiterzugeben an die sieben Gemeinden in Kleinasien, an seine Gemeinden. Er dreht sich um und will sehen, wer da mit ihm redet, wer ihn da anposaunt, eine Stimme, die man zwar nicht sieht, die aber offenbar strahlt und leuchtet wie ein metallisches Blasinstrument. Er dreht sich um und –

es entfaltet sich ein ganzes Panoptikum des Lichts! Johannes sieht zwar tatsächlich etwas wie einen wie ein Menschen. Aber glänzend und strahlend, mit goldenem Gürtel oder einer Art goldenem Korsett oder Panzer, Augen wie Feuer, Füße aus goldfarbenem Metall. Der steht auch noch zwischen sieben Leuchtern. Wie müssen die sich vielfach spiegeln und reflektieren in Gürtel und Panzer, in den Füßen, den Augen. Und dann hat die Gestalt auch noch selbst sieben Sterne in der Hand. Ihr Angesicht leuchtet wie die Sonne, aus dem Mund fährt – zum Schwert geronnenes – scharfes Wort. Soll das Gott sein? Immerhin haben wir hier mal tatsächlich in der Bibel das Bild vom Mann mit weißem Haar. Oder ist das doch der auferstandene Jesus, ein Menschenkind, einfach ein Mensch, allerdings der Beauftragte Gottes, so, wie im Danielbuch auch schon einmal ein Beauftragter Gottes „wie ein Menschensohn“ erscheint?

In dem Licht der Vision scheint alles zusammenzufließen, zusammenzustrahlen, zusammenzuleuchten.

Und diese Gestalt spricht wahrhaftig und freundlich zu Johannes. Zu Johannes, den es längst aus den Schuhen gehoben hat, der jetzt daliegt wie tot.

Die Gestalt rührt ihn an, freundlich, stärkend, behutsam.
Offenbar beugt sich die Glanzgestalt sich hinunter.
Zu Johannes, der da am Boden liegt.
Kümmert sich um Johannes. Neigt sich ihm zu.
Spricht ihn an.

Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige.
Ich war tot und siehe, ich bin lebendig.
Ich habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.
Ich kann den Tod einsperren in seiner Höllenhöhle.
Ich verfüge darüber. Ich habe die Macht.

Mit der Gestalt kann also schon der Auferstandene, der Christus gemeint sein. Der Aufträge des Vaters ausführt, ganz in dessen Sinne, ganz nach dessen Recht. So wie ein Prokurist eben handelt für seine Auftraggeber, für die Firma, für deren Anliegen und Ziele. Und vor Gericht dann egal wäre, wer die Unterschrift geleistet hat. Wichtig allein: wem das Recht gegeben ist, der oder die handelt – end-gültig und fest beschließend. Unwiderruflich.

Ich war tot, siehe, ich bin lebendig. Schon immer. Für immer.
Von Ewigkeit. Zu Ewigkeit. Umfassend.
Ich habe die Schlüssel des Todes und der Hölle bei mir.
Nicht, dass es Tod und Hölle nicht gäbe.
Aber in meiner Hand.

Liebe Gemeinde, ich kann mir nur zu gut vorstellen, wie die Erzählung von der Feuergestalt, von dieser göttlichen Erscheinungsgestalt verwirrt. So wie man manchmal durch eine Kunstausstellung geht und schaut und nicht alles versteht, man sich ganz erschlagen fühlt und überwältigt und verwirrt ist und gar nicht weiß, was man sagen soll.

Johannes, wenn er eine Himmelsvision hat, würde sich von solchen Ausstellungsbesuchern nur zu gut verstanden fühlen. Wie sollte man angesichts Gottes, angesichts Gottes Beauftragten nicht überwältigt sein, nicht verwirrt, nicht umgeworfen.

Und gleichzeitig gibt es da die Worte und die Haltung, mit der sie gesprochen werden. Gar nicht umwerfend. Sondern zart berührend ist das. Zugewandt. Vorsichtig. Wohltuend.

Du bist gemeint, sagt die Geste, die Haltung.

Ich war tot. Ich bin lebendig. Bei mir liegt alle Macht über den Tod. Ich habe Macht auch über deinen Tod.

Du kannst jetzt lachen. Ich habe deinen Tod einfach in die Tasche gesteckt.

Liebe Gemeinde, die Vision von Johannes ist kein Gottesbeweis. Das ist kein naturwissenschaftlicher Nachweis für göttliches Leben. Und keiner für Leben mit Gott, also Ewigkeit. Wir können nur hören. Können uns entscheiden, ob wir Johannes vertrauen.

Denn mit der Vision bekommt Johannes eine Botschaft. Und den Auftrag, die Botschaft weiterzutragen. An sieben Städte. An die Sammlung aller, die zu den Jesusleuten gehören. Und die an so vielem leiden. An den Gehässigkeiten ihrer Umwelt. An den Grundfragen des dahingehenden Lebens. Wohin gehe ich? Woher komme ich? Was tue ich angesichts des Leides, das mich trifft? Wo ist Gott in dieser Welt? Was ist es mit unserem vergänglichen Dasein? Ist nicht alles absurd?

Johannes erzählt ihnen seine Bilder. Seine Vision. Am Tag des Herrn. Am Tag der Auferweckung Jesu. Von einer Gestalt, die auf ihn zugeht, als er am Boden liegt. Von einer Gestalt voller Leben. Und in und aus soviel Licht, das weithin reicht, das uns begleitet. Durchs Leben hindurch. Und selbst aus dem Tod heraus.

Das Licht bleibt also. Niemand nimmt es weg. Niemand löscht es aus. Am Ende wird alles gut. So habe ich es an einer Wand in einem meiner Altersheime gelesen. Und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.

Liedvorschläge:
442        Steht auf ihr lieben Kinderlein
441        Du höchstes Licht, du ewger Schein
554        Licht, das in die Welt gekommen
74          Du Morgenstern, du Licht vom Licht
379        Gott wohnt in einem Lichte


verfasst von Kira Busch-Wagner